200 Euro für ein Brettspiel – Wird unser Hobby zu teuer?

Brettspiele kosten Geld. Das ist nicht neu und natürlich auch in Ordnung so.

Doch wenn man sich manche aktuellen Spiele und deren Preise anschaut, dann kann man sich schon die Frage stellen, ob unser Hobby zu teuer wird.

Unter anderem werfe ich im Folgenden einen Blick auf den aktuellen Cthulhu Wars Kickstarter, aber ich schaue mir auch andere teure Spiele an.

Wird unser Brettspiel-Hobby zu teuer?

Stein des Anstoßes für diesen Artikel ist eine aktuelle Crowwdfunding-Kampagne.

Bereits der dritte Kickstarter ist es für Cthulhu Wars. Im sogenannten Onslaught 3 gibt es eine Neuauflage des Grundspiels und viele, viele Erweiterungen.

Um es klarzustellen, Cthulhu Wars scheint ein gutes Brettspiel zu sein, welches tolle Figuren mitbringt. Miniaturen kann man die teilweise gar nicht mehr nennen.

Das Brettspiel hat auch eine große Fangemeinde und ist sehr beliebt, auch wenn es mich nicht so sehr anspricht. Ist mir für Cthulhu zu bunt.

Ich habe es selbst allerdings auch noch nicht gespielt, aber es scheint nicht übermäßig komplex zu sein, was ja auch nichts schlechtes sein muss. Und die vielen Erweiterungen bringen hier sicher Abwechslung rein.

Allerdings ist der Preis des Spiels für mich schon ein Grund zum Staunen. Das Grundspiel, mit einer kostenlosen weiteren Fraktion, kostet 200 Dollar plus Versand.

Nimmt man alle erhältlichen Erweiterungen ohne das Grundspiel, dann werden schlappe 599 Dollar fällig. Okay, es sind viele Erweiterungen, aber dennoch ist das ein stolzer Preis.

Und alles zusammen, Grundspiel und alle Erweiterungen, gibt es für sportliche 749 Dollar.

Auch wenn man es mittlerweile gewöhnt ist auf Kickstarter mit dem Geld etwas freigiebiger zu sein, finde ich das schon sehr heftig. Mitspielen würde ich es sehr gern mal, aber kaufen werde ich es mir nicht.

Andere teure Spiele

Aber es gibt auch andere teure Spiele. So z.B. LGCs, also Living Card Games.

Will man das Grundspiel von Herr der Ringe – Das Kartenspiel mit allen Erweiterungen kaufen und spielen, muss man über 800 Euro auf den Tisch legen. Allerdings hat man hier auch wesentlich mehr Neues, als bei Cthulhu Wars. Zudem kauft man ein LCG in der Regel nach und nach, alle 1-2 Monate eine neue Erweiterung. Gefällt es einem nicht, dann hat man nur rund 30 Euro für das Grundspiel ausgegeben.

Ähnlich läuft es sicher bei dem neuen LCG Arkham Horror – Das Kartenspiel. Hier gibt es noch nicht so viele Erweiterungen, aber bei 200 Euro sind wir mittlerweile sicher auch schon angekommen.

Aber auch richtige Brettspiele können gut ins Geld gehen. Mein geschätztes Eldritch Horror kostet als Grundspiel mittlerweile rund 40 Euro, was okay ist. Mit allen bisherigen Erweiterungen sind wir aber schnell bei 200 Euro. Allerdings kann man auch hier mit dem Grundspiel starten und nach und nach, wenn einem das Spiel gefällt, einzelne Erweiterungen dazu kaufen.

Teuer sind teilweise auch Brettspiel-Klassiker, die man z.B. auf eBay bekommt. Spiele wie Starcraft – Das Brettspiel oder Heroquest gehen mittlerweile für 200-300 Euro über den Tisch.

Schaut man sich diese Preise an, dann ist das schon recht teuer.

Die normalen Preise ziehen auch an

Aber auch ganz normale Spiele im Handel werden teurer. Aktuelles Beispiel ist Der Pate von Asmodee. Rund 80 Euro werden dafür verlangt, was sicher auch an der Lizenz liegt. Das Spielmaterial an sich wäre mir bei weitem nicht so viel wert. Ebenso sieht es bei Star Wars: Rebellion aus. Ursprünglich wurden hier mal um die 90 Euro aufgerufen.

Und noch ein Beispiel ist das kommende Catan – Game of Thrones. Die Lizenz lässt den Preis des Spiels auf kolportierte 80 Euro hochschnellen, für einen Klassiker, der sicher nicht wahnsinnig viel Neues mitbringt.

Und so kann man immer mal wieder sehen, dass die Preise von Brettspielen anziehen.

Genügend preiswerte Spiele

Allerdings ist die Wahrnehmung hier sicher auch getrübt. Es gibt die Beispiele für teure Brettspiele und auch auf Grund der normalen Inflation werden Brettspiele natürlich nach und nach teurer. Mit den Preisen vor 10 oder 15 Jahren kann man das nicht mehr vergleichen.

Hinzu kommt, dass die Qualität und Ausstattung vieler Brettspiele heute eine ganz andere ist, als noch vor 10 oder gar 20 Jahren. Viele Spiele bringen tolle Miniaturen mit oder andere besondere Dinge. Das treibt den Preis natürlich auch etwas nach oben.

Und nicht zuletzt sorgen auch Lizenzen, wie bei Der Pate oder Catan – Game of Thrones für höhere Preise dieser Spiele.

Auf breiter Basis muss man aber sagen, dass es immer noch viele preiswerte Spiele gibt. Dazu muss man sich nur mal anschauen, was so die Bestseller-Listen der Brettspiel-Shops dominiert. Hier findet man viele Spiele, die 20,30 oder 40 Euro kostet, toll gemacht sind und lange Spielspaß bieten. Und damit meine ich anspruchsvollere Strategie-Spiele und keine kleinen Partyspiele.

Mehr auf das Geld achten

Generell ist es also meiner Meinung nach schon eine Sache der Wahrnehmung und vielleicht auch der eigenen Präferenzen.

Viele sind es mittlerweile gewohnt auf Kickstarter hohe zweistellige oder gar dreistellige Summen hinzulegen, ohne mit der Wimper zu zucken, aber bei regulären Spielen im Handel wird auf jedes Schnäppchen geschaut, nur um noch ein paar Euro zu sparen. Hier sollte man, und ich zähle mich dazu, wieder versuchen eine etwas ausgewogenere Einstellung zu bekommen.

Zudem ist mir mittlerweile sehr wichtig genau auszuwählen, was ich wirklich spielen will. Man kann Brettspiele sicher auch als Sammler kaufen, aber ich möchte die Spiele auch spielen.

Oft muss man bei vielen Brettspielen auch einfach nur ein wenig warten. Kurze Zeit später gibt es oft schon deutlich günstigere Angebote. Wer nicht alles gleich am ersten Tag braucht, kann hier einiges an Geld sparen.

Und wie schon angesprochen kann man natürlich auch gebrauchte Brettspiele bei eBay kaufen. Die meisten der dort angebotenen Klassiker bekommt man recht günstig und einige aktuelle Spiele sind dort ebenfalls günstiger.

Werden Brettspiele also wirklich immer teurer?

Ja und Nein. Es gibt schon einen Trend zu opulent ausgestatteten Brettspielen, die dann auch viel kosten. Gerade Verlage mit Kleinauflagen müssen zwangsläufig mehr pro Spiel verdienen, um zu überleben.

Und um nochmal auf Cthulhu Wars zurückzukommen. Ich will das Spiel gar nicht schlecht machen. Wer es liebt oder es unbedingt haben möchte und bereit ist so viel Geld hinzulegen, soll das machen. Das ist völlig okay. Wenn man das Grundspiel dann 100 mal spielt, sind es nur 2 Euro pro Spieleabend. Es kommt halt immer darauf an, was es einem selbst wert ist.

Und ansonsten sind Brettspiele, mal abgesehen von der normalen Inflation, kein übermäßig teures Hobby und werden auch nicht unverhältnismäßig schnell teurer. Man kann so viele tolle Spiele kaufen und spielen, und das für den Preis von 2 Kinokarten mit Getränken und Nachos.

Was ist eure Meinung dazu?

Wird unser Brettspiel-Hobby zu teurer?

Ergebnis

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5 Kommentare

  1. Cthulhu Wars ist ein sehr tolles Spiel, macht richtig Spaß zum Spielen und die Miniaturen sind eine Augenweide. Und jetzt wo es das endlich auf Deutsch gibt bin ich mit einem All In eingestiegen. 😀

  2. Der Artikel ist interessant, aber lässt m.E. noch viele Ergänzungen zu. Ein paar:
    – Es gibt, unzweifelhaft, teurer Brettspiele als vor 15 Jahren.
    Einige Beispiele sind schon genannt, aber sie lassen sich fast beliebig erweitern: Zombicide (sowohl Black Plague als auch Grundversion) oder das kommende Rising Sun ist nicht nur per Kickstarter teuer.
    Food Chain Magnate schlägt ohne Miniaturen mit stolzen 80 € zu Buche (bzw. wird es nach dem Reprint), das gefeierte Terra Forming Mars ruft mit keinem besonders wertigen Spielmaterial immerhin 60 € auf.
    Die Spiele haben aber gemein, wie auch Cthulhu Wars oder StarWars – Rebellion das sie sich an eine Käuferschicht wenden, die entweder Vielspieler sind und damit Brettspiel als richtiges Hobby betrieben (z.B. Food Chain Magnate oder Terra Forming Mars) oder an ein Publikum, was ohnehin aus anderen Bereichen (Videospiele, Comics) hohe Preise gewohnt ist, wie z.B. Star Wars Rebellion oder Zombicide.
    Die klassischen (auch gehobenen) Familienspiele starten hingegen oft mit recht hohem Einstiegspreis, sinken aber oft nach wenigen Monaten auf ein recht günstiges Niveau (z.B. Istanbul von 35 € auf 20 €).
    LCG haben demgegenüber eine Sonderrolle eingenommen, die ähnlich wie Tabletop oder TCG nicht mit „normalen“ Brettspielen vergleichbar ist, sondern hier kann alleine in ein Spiel oft soviel investiert werden, wie andere in einen Gebrauchtwagen stecken (oder VW Fox…)
    Aber da ist oft eben genau dieses eine Spiel/System das, in das man viel Geld steckt. Eine Bereitschaft deswegen prinzipiell teure Spiele zu kaufen, würde ich nicht unterstellen.

    Ich glaube, die Ursachen bei allen diesen Bewegungen unterschiedlich, lassen sich aber vielleicht zumindest grob in zwei Gruppen spalten. Einmal die „ernsthaften“ Hobbyisten (egal ob Brettspiel oder z.B. Star Wars) bei denen der Preis genauso wenig maßgeblich für die Kaufentscheidung ist, wie bei einem Motorradfahrer, einem Autotuner oder anderen noch teureren Hobbys. Man kauft, was gefällt und was man kann und so früh wie möglich. Nutzenabwägungen wie oben die Kosten pro Spieleabend erfolgen eher nicht.
    Diese Käuferschicht wird mit den Hochpreisspielen mit wertiger Ausstattung abgeschöpft und auch die gehobenen Familienspiele nehmen diese Käufer gerne mit, möglichst schon beim Erscheinungsdatum.
    Die klassische Familie aber auch die Gelegenheitsspieler, die gerne mal spielen, aber nicht 2-3 mal die Woche und die den Euro vielleicht auch zweimal umdrehen oder andere Hobbys betreiben, erwartet man als Käufer für diese Spiele eher nicht oder erst im späteren Absatzzyklus, wenn der Preis gesenkt wird.

    Für beide Gruppen gilt: Es ist ein Hobby, die Anschaffung daher nicht lebenswichtig.

    Persönlich ärgerlich finde ich dabei übrigens solche Spiele, wie Eldritch Horror: Ich mag es wirklich gerne, aber das Grundspiel funktioniert ohne Erweiterungen nur eingeschränkt, weil zu wenig Begegnungskarten vorhanden sind. Hier finde ich es dann schöner, gleich mit einem höheren Preis zu starten, aber ein Spiel mit höherem Wiederspielwert zu veröffentlichen.

    • Peer

      3. August 2017 at 13:58

      Danke für deinen Kommentar und die weiteren Beispiele. Es sind sicher unterschiedliche Zielgruppen, wie du schon sagst. Von einem Familienspiel werden meist ja auch viel mehr Exemplare angesetzt, wie von einem Food Chain Magnat. Das wirkt sich natürlich auf die Produktionskosten aus und damit auf den Preis.

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