Board Game CircusIch hatte die Gelegenheit ein Interview mit Daniel von Board Game Circus zu führen. Dabei handelt es sich einen Dienstleister für Brettspiel-Entwickler. Zudem hat er zusammen mit einem Geschäftspartner auch noch einen Brettspiel-Verlag gegründet.

Im Folgenden geht es um die Entstehung der Firmen, seine Lieblingsbrettspiele, die Zukunft, Highlights der kommenden SPIEL in Essen und mehr.

Es gibt also viel zu besprechen.

Board Game Circus & Meeple Circus – Interview

Hallo Daniel. Bitte stell dich meinen Lesern kurz vor.

Hallo Peer und liebe LeeserInnen, ich bin Daniel von Board Game Circus & Meeple Circus, ein begeisterungsfähiger, aufgeschlossener und stets lernbegieriger Mensch. Derzeit sitze ich im Südwesten, in Freiburg, von wo aus ich als Entrepreneur antrete, mein Leben und das Leben anderer mit neuen Ideen und brauchbaren Dienstleistungen zu bereichern.

Wie bist du zu Brettspielen gekommen und was fasziniert dich daran? Was ist dein Lieblingsbrettspiel?

Brettspiele waren schon während der Kindheit ein Thema. Mit meinen Eltern und Geschwistern wurde regelmäßig gespielt, wenn auch auch nicht auf Vielspieler-Niveau. Ich erinnere mich gut an Deutschlandreise (damals immer gewünscht, in Retrospektive langweilig), Sagaland (in Merkspielen bin ich heute noch schlecht!) oder Heimlich und Co. (Im Bluffen war ich super, das Spiel ist auch heute noch toll).

Während der Oberstufe waren Spiele weitestgehend aus unserer Wahrnehmung verschwunden. Erst beim Zivildienst Ende der 90er ging es wieder los, mit Catan in allen verfügbaren Versionen, und das schon recht eindrucksvoll. An mehr, als das oder Tikal, kann ich mich allerdings aus der Ära nicht erinnern. Zunächst folgte noch eine längere Pause und richtig los ging es bei mir dann erst mit Carcassonne. Danach gab es kein Halten mehr. Neben Carcassonne in allen Variationen fanden schnell Alhambra, Taluva, Revolte in Rom und viele andere Spiele ihren Weg auf unseren Tisch. Das Sammeln begann dann ca. ab 2008, als ich tiefer in die Welt der Brettspiele, Boardgamegeek und Kickstarter eintauchte.

An Spielen faszinieren mich zuerst fast immer das Artwork, das Material und die Welten, die dadurch geschaffen werden. Ich finde es toll, wie viele verschiedene Erscheinungsformen von Spielen es gibt: bunte, freundliche, düstere, fantastische, kühl wirkende und ganz klar strukturierte. Hat mich ein Artwork in seinen Bann gezogen, dann ist mir vor allem wichtig, dass sich das Spiel während des Spielens gut anfühlt. Ich gewinne gerne, spiele aber des Spielens wegen. Daher ist mir langanhaltender lockerer Spielspaß auch wichtiger als das Optimieren von Spielstrategien in sehr kopflastigen Spielen.

Ich habe nicht das eine Lieblingsspiel. Ich mag allerdings sehr gerne kartenbasierte Spiele und Legespiele, die einen interessanten Twist haben und eine gewisse Spieltiefe mitbringen. Gerade mit Karten kann man trotz ihrer Kompaktheit so viel machen! Besonders gut gefallen mir Spiele, die in jedem Bereich – Artwork, Story, Mechanik, Spieldauer, Spielgefühl – stimmig auf mich wirken. Das ist z.B. bei Die Tore der Welt der Fall oder bei Oh My Goods. Derzeit spielen wir allerdings vorzugsweise kurze, knackige Spiele, wie zum Beispiel Coloretto, Bubble Pop, Karuba oder Donut Drive-Through.

Wie ist Board Game Circus entstanden und was genau bietet ihr an?

Je mehr ich auf Kickstarter unterwegs war, desto deutlicher wurde der Bedarf an professioneller Unterstützung für Spieleautoren oder 1-Personen-Verlage sichtbar. Sei es bei Übersetzungen, Marketing, Kampagnenplanung oder in Druckfragen. Als gelernter Mediengestalter, der sich in den vergangenen 10 Jahren bereits aktiv mit Marketing und Management beruflich beschäftig hat, brachte ich das nötige Wissen mit. Und ganz wichtig: die Lust, dieses Wissen auch in unserer Szene, der Brettspielbranche, einzusetzen.

Die Idee war geboren und tatsächlich wird das Angebot auch sehr gut angenommen. Nicht zuletzt, da wir ein tolles Netzwerk haben und wir sehr eng und familiär mit unseren Partnern zusammenarbeiten. Dei drei wichtigsten Pfeiler von Board Game Circus sind neben anderen Dienstleistungen auch heute noch Übersetzungen, Marketing und Promotion.

Wie kam es zu der Gründung von Meeple Circus und was hat es damit auf sich?

Meeple Circus wurde von meinem Geschäftspartner Alexander Lauck und mir ersonnen, um dem Dienstleistungsangebot von Board Game Circus eine Firma zur Seite zu stellen, die sich dem physischen Produkt nach dessen Herstellung widmet. Wir verstehen Meeple Circus als Verlag mit eigenem Vertrieb. Derzeit arbeiten wir mit den Produkten befreundeter internationaler Verlage, die wir für den deutschsprachigen Markt lokalisieren.

In den kommenden Jahren folgen dann sicher auch eigene Titel. Alex und ich haben selbst etliche Spielideen in der Schublade, die nur auf ihre Weiterentwicklung warten. Zur Spiel’17 steht für uns erst einmal der Markteintritt im Vordergrund, den wir zusammen mit ausgesuchten Spielen unserer Partner begehen, die in diesem Jahr erstmals hierzulande verfügbar gemacht werden.

(Hinweis: Beide Unternehmen werden in Essen unter dem Namen Board Game Circus in Halle 8, Stand A139 zu finden sein.)

Was für Spiele verkauft ihr über Meeple Circus und wie wählt ihr die Spiele aus?

Ich habe es eben schon vorweggenommen: die Spiele im Sortiment kommen von befreundeten internationalen Verlagen aus aller Welt und waren hierzulande vorher nicht erhältlich. Trotz dieser Diversität zieht sich ein roter Faden durch das Angebot. Alle Spiele sind familienfreundlich, leicht zu erlernen und doch von interessanter Spieltiefe. Zudem sind sie liebevoll aufgemacht und hochwertig produziert.

Ihr seid auf Kickstarter aktiv? Warum, welche Erfahrungen konntet ihr da machen und ist dort was demnächst geplant?

Ich war schon früh Kickstarter-Fan. Ich finde es super, dass man mit Hilfe der Plattform einen Weg jenseits des klassischen Verkaufs-/Vertriebs-Modells gehen kann. Ich mag es auch, dass Kickstarter es Kreativen ermöglicht, ausgefallene Ideen ins Leben zu rufen und Fans für Dinge zu gewinnen, die nie den Weg in das Regal einer Warenhauskette finden werden. Was mich gepackt hat, waren vor allem die ausgefallenen Artworks der dort angebotenen Spiele. Vor ein paar Jahren hinkte gerade Deutschland meiner Auffassung nach in Designfragen anderen Ländern hinterher. Während man hier immer noch in generischen Mittelalterwelten spielte, waren die Franzosen oder viele östliche Länder in ihrer Art Spiele zu gestalten viel weiter. Das hat sich mittlerweile relativ gut angeglichen.

Wir selbst sind deshalb auf Kickstarter aktiv, weil wir bzw unsere Kunden zur Realisierung der Projekte die Anschubfinanzierung brauchen. Von uns wird Kickstarter also so genutzt, wie es mal gedacht war, und nicht als Vorbestellungstool. Kampagnen vorzubereiten und durchzuführen ist sehr anstrengend und kräftezehrend. Es macht mir persönlich viel Spaß, da ich den Kontakt zur Community schätze. Wenn ich allerdings in anderen Kampagnen sehe, wie viel Missgunst teilweise vorhanden ist, dann sehe ich schon auch die Schattenseiten der Plattform. Die Erwartungshaltung ist mittlerweile enorm, vielleicht sogar irrational hoch. Auf der anderen Seite hat sich die Qualität der angebotenen Spiele dadurch stetig verbessert. Es gibt heutzutage kaum noch wirklich schlechte Spiele, über Geschmack lässt sich nicht streiten.

Unser Partner Julien Charbonnier, Autor von DIG und Betreiber von Mangrove Games aus Frankreich wird im November eine Kampagne zu Feeding Zombies starten, einem 2-Spieler Karten-Duell in Pixeloptik. Wir beraten ihn zur Spielentwicklung und Kampagnenplanung. Möglicherweise wird es von uns, wie schon bei seinem Spiel DIG, eine Parallelkampagne in der Spieleschmiede geben, um Feeding Zombies auch mit der deutschen Sprache auszustatten und hierzulande anbieten zu können. Im Januar gehr dann das Miniaturenspiel Arena: The Contest von Dragori Games an den Start, die ich in den vergangenen Monaten in Marketingfragen beraten habe. Vorabversionen des Spiels werden auch über Board Game Circus an unsere Medienpartner verschickt.

Welche neuen Brettspiele präsentiert ihr auf der SPIEL ist Essen?

Unsere Hauptspiele, die wir nicht nur verkaufen sondern auch offen demonstrieren und zum Probespiel anbieten, sind DIG (Mangrove Games), Tortuga 1667 (Facade Games), Heldentaufe (Team Heldentaufe) und Burger Up sowie Skyward (beide Rule & Make). Von den genannten Verlagen und einigen weiteren Partnerverlagen werden wir auch weitere Titel im Angebot haben.

DIG ist ein Push-Your-Luck Spiel in Pixeloptik, in dem 2-4 SpielerInnen in einen Wettstreit darum treten, wer zuerst 10 Juwelen aus der Tiefe des Berges zu Tage befördert. Dazu gräbt man Stollen und wagt sich immer weiter vor, stets der Gefahr des Kollapses ausgesetzt, doch gewappnet mit allerlei Hilfsmitteln und eifrigen Begleitern, die beim Graben zur Seite stehen. Dadurch bleibt das Spiel kontrollierbar und wird nicht zum glückslastigen Kontrollverlustfiasko.

Tortuga 1667 ist ein Spiel für große Runden, 2-9 SpielerInnen werden in diesem interaktiven Spiel zu Piraten, die sich ganz auf ihr Gespür verlassen müssen um herauszufinden, wer letztlich in ihrem Team ist und wer die Meuterei plant. Ähnlich wie zum Beispiel Werwölfe kann Tortuga dem Party-Gerne zugeordnet werden, ohne dabei ein albernes Spiel zu sein. Auffallend toll ist die Produktion des Spiels mit Neopren-Spielmatte und Schachtel in Buchoptik mit Magnetschließe.

Heldentaufe (2-5 Spieler) ist ein familienfreundliches Abenteuer-Spiel, welches sich stark an Videospielklassikern wie z. B Zelda anlehnt. Häufiger wird es auch als Einstiegs-Dungeon-Crawler für jüngere Spieler bezeichnet. Faszinierend ist, dass es durch mehrere Wege zum Sieg und den einzigartigen Mechanismus der Semi-Kooperativen Monsterkontrolle auch für erfahrene Spieler Reize bietet. An der Umsetzung von Heldentaufe war ich übrigens selbst beteiligt, auch an der dazugehörigen Kickstarterkampagne.

Burger Up & Skyward von Rule & Make aus Australien drehen sich um Set Collection und Handkartenmanagement. Ähnlich wie schon bei DIG, Tortuga 1667 und Heldentaufe finde ich ihre optische Aufmachung äußerst ansprechend und den jeweiligen Spielmechanismus leicht zu erlernen aber raffiniert umgesetzt. So kann man jedes dieser Spiele relativ zügig beginnen und wird doch immer wieder neue Wege und Möglichkeiten entdecken, sie zu spielen und zu gewinnen.

Kann man bei euch am Stand Spiele kaufen oder diese vorbestellen und dort abholen?

Ja, ja und ja. An unserem Stand (Board Game Circus, 8-A139) können die Spiele ausprobiert und gekauft werden. Insgesamt haben wir auch mehr Spiele in Essen, als ich oben aufgezählt habe. Zudem gibt es offene Spiele und SupporterInnem, die diese erklären und zum Probespiel anbieten. Wer jetzt schon vorstellen möchte, kann dies auf shop.meeplecircus.com tun, und profitiert dabei von einem Preisnachlass gegenüber dem späteren Messepreis.

Im Falle von Heldentaufe oder den Rule & Make Titeln bietet sich das an, da diese nur in begrenzter Stückzahl verfügbar sind. Von Heldentaufe sind weltweit nur noch knapp über 200 Exemplare verfügbar, wir rechnen mit dem Ausverkauf des Spiels zur Messe. Einen Nachdruck und Lizenzvergaben von Heldentaufe wird es trotz des großen Interesses daran nicht geben, dazu hat sich das Team bereits mehrfach im Internet geäußert.

Was bedeutet die SPIEL für euren Verlag überhaupt? Wie wichtig ist diese für euch?

Die SPIEL ist für uns privat schon immer ein Paradies gewesen. Seit 2015 bin ich mit Board Game Circus auch beruflich dabei und genieße es, meine internationalen Kontakte vor Ort persönlich treffen und sprechen zu können. Für Board Game Circus steht diesmal eine Premiere mit eigenem Stand bevor. Ich finde es toll, dass wir uns dort präsentieren können, und halte es für sehr wichtig und unabdingbar, dass wir dabei sind. So kommen wir mal raus aus Social Media, in den direkten Kontakt mit den Menschen die sich für unsere Arbeit interessieren.

Auf welche neuen Spiele freust du dich in Essen ganz persönlich?

Meine Watchlist hat knapp 100 Spiele. Bereits vorbestellt habe ich Perfect Hotel, Kikkasai, Sakura Hunt, Mini Park, Birdie Fight, Bali, Fantasy Defense und Rocky Road A La Mode. Ich freue mich außerdem auf die Erweiterung zu Bubblee Pop: Level Up! und die Spiele, an denen wir als Übersetzungsstudio beteiligt waren (Konja, Beer Empire, Superhot, Pocket Mars, Harvest Dice, Indian Summer, Noria, Pot-de-Vin).

Wie ihr sehen könnt und was ich bei der Frage nach meinen Lieblingsspielen nicht erwähnt habe, reizen mich die hierzulande populären „üblichen Verdächtigen“ eher wenig. Deshalb findet man sie auch nicht auf meiner Liste. Wobei ich Kingdomino, das Spiel des Jahres gerne noch nachkaufen möchte. Das dürfte genau in unsere Schiene von schnell erlernbaren, schnell spielbaren, aber reizenden Spielen passen.

Danke für das Interview