Fehlende deutsche Brettspiel-Erweiterungen – Lokalisierung zwischen Kommerz & Vertrauen

Um Brettspiel-Erweiterungen geht es in meinem heutigen Artikel, genauer gesagt um die fehlende deutsche Lokalisierung von fremdsprachigen Erweiterungen.

Dabei gehe ich darauf ein, was die Gründe dafür sein können und warum sich die Verlage langfristig damit selber schaden. Ich gehe zudem ein paar Beispiele durch und schildere meine Meinung zu diesem Thema.

Ich würde mich sehr über eure Erfahrungen mit fehlenden deutschen Lokalisierung von Brettspiel-Erweiterungen freuen und gern erfahren, was eure Meinung dazu ist.

Was bringen Brettspiel-Erweiterungen?

Es gibt Brettspieler, die sehen Erweiterungen generell nicht gern. Nach ihrer Meinung müsste alles wichtige im Grundspiel sein und dann bräuchte es auch keine Erweiterung.

Das mag für einen Teil der Erweiterungen gelten und nicht jede Erweiterung ist toll, aber bei vielen Brettspielen ist es dennoch eine Win-Win Situation.

Der Verlag kann finanziell weiter von dem Brettspiel profitieren und dabei wirkt sich die Veröffentlichung einer Erweiterung oft auch nochmal positiv auf die Verkäufe des Grundspiels aus.

Die Spieler erhalten neues Spielmaterial, mehr Abwechslung und so weiter für ein Spiel, dass sie gern spielen. Auch das ist oft eine schöne Sache.

Allerdings gibt es eben auch kritische Stimmen. So wird teilweise nicht ganz zu unrecht angemerkt, dass der Verlag die Erweiterung schon ins Grundspiel packen könnte. Manchmal hat man schon das Gefühl, dass absichtlich Elemente aus dem Grundspiel entfernt wurden, um sie in eine Erweiterung zu packen.

Queen Games hat z.B. Rune Stones zur SPIEL 2019 veröffentlicht und gleichzeitig auch noch eine kleine Erweiterung zu diesem Spiel. Das hat schon ein wenig ein Geschmäckle.

Aber meist erscheinen die Erweiterungen ja deutlich später und sind auch vom Umfang her so groß, dass sie nicht ins Grundspiel gepasst hätten. Sowohl vom Platz her, als auch vom finanziellen Aspekt. Im Gegensatz zu Kickstartern kann es sich ein Verlag in Deutschland in der Regel nicht leisten, ein Brettspiel für 100 Euro in den Handel zu bringen.

Doch das ist meiner Meinung nach alles noch kein Problem. Ärgerlich wird es aus Sicht der Spieler nur dann, wenn zwar das fremdsprachige Grundspiel auf deutsch lokalisiert wurde, aber nicht die Erweiterungen. Genau darum soll es hier gehen.

Was haltet ihr von Erweiterungen zu Brettspielen?

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Beispiele für eine fehlende deutsche Lokalisierung

Es gibt einige Beispiele dafür, dass das Grundspiel zwar auf deutsch veröffentlicht wurde, aber die Erweiterungen komplett oder teilweise nicht.

  • So z.B. bei Firefly, für das zwar 2 Erweiterungen auf deutsch herausgebracht wurden, aber die restlichen nicht. Das hat sich finanziell anscheinend nicht gelohnt.
  • Bei dem interessanten Spiel Evolution war es so, dass nach dem Grundspiel gar keine (Mini)-Erweiterungen mehr auf deutsch erschienen sind.
  • Für Thunderbirds wurde ebenfalls nur das Grundspiel lokalisiert und die Erweiterungen leider nicht.
  • Und auch bei Galaxy Defenders haben die deutschen Fans des Grundspiels leider vergeblich auf eine Lokalisation der Erweiterungen gewartet.

Es gibt noch einige weitere Beispiele.

Auf der anderen Seite gibt es aber sehr viele positive Beispiele, wo die deutschen Verlage jede Erweiterung auf deutsch veröffentlicht haben. Eldritch Horror, Scythe und Terraforming Mars seien hier beispielhaft genannt.

Warum werden manche Erweiterungen nicht lokalisiert?

Die Frage ist nun, warum es bei manchen Brettspielen keine Lokalisierung der Erweiterungen gibt.

Aus Sicht der Verlage gibt es dafür einige Gründe. So muss sich ein Spiel und auch eine Erweiterung für einen Verlag natürlich wirtschaftlich lohnen. Schließlich ist man ein Unternehmen, hat Mitarbeiter zu bezahlen und möchte auch selbst davon leben können. Die Gewinne sind gerade bei den vielen kleineren Brettspiel-Verlagen nicht wirklich groß. Da kann es die Existenz gefährden, wenn ein Grundspiel nicht gut ankommt und man dann auch noch dafür die Erweiterungen lokalisiert.

Das verschärft sich noch durch die Tatsache, dass immer mehr Spiele lokalisiert werden, die nicht für den Massenmarkt sind. Von Kenner- und Expertenspielen verkauft man schon an sich nicht so viele Exemplare. Und wenn die dann noch schlecht angenommen werden, wird es schnell kritisch. Eine Erweiterung würde dann garantiert ein Verlustgeschäft, denn es kauft ja sowieso nur ein Teil der Grundspiel-Besitzer eine Erweiterung.

Zudem haben die Verlage begrenzte Ressourcen (Mitarbeiter, Finanzen …), die sie dann lieber in andere Brettspiele stecken.

Und manchmal gibt es auch einfach Probleme in der Zusammenarbeit mit dem Originalverlag, was dazu führen kann, dass es keine deutschen Erweiterungen mehr gibt.

Aus Sicht der Brettspieler ist es natürlich ärgerlich, wenn eine Brettspiel-Erweiterung nicht auf deutsch erscheint. Schließlich ist es auch heute noch so, dass viele Brettspieler darauf verzichten die englischsprachige Version zu kaufen und Monate oder sogar ein Jahr warten, bis die deutsche Version erscheint.

Wenn dann die Erweiterungen nicht mehr übersetzt werden, sorgt das schnell für einen Vertrauens-Verlust in den deutschen Verlag.

Zudem kann man oft auch nicht so einfach englischsprachige Erweiterungen mit dem deutschsprachigen Grundspiel kombinieren. Neben der Sprachabhängigkeit gibt es leider oft auch Unterschiede bei der Kartengröße, Farbabweichungen der Kartenrückseiten und andere Probleme, die verhindern, dass man diese einfach kombiniert.

Hast du dich schon mal über eine fehlende deutsche Lokalisierung einer Erweiterung geärgert?

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Konsequenzen für die Verlage

Beim nächsten Mal überlegen es sich sicher einige Brettspieler zweimal, ob sie nicht lieber gleich zur englischsprachigen Version greifen. Diese erhält man früher und man kann sich sicher sein, dass man die Erweiterungen bekommt.

Das führt im Umkehrschluss dazu, dass deutsche Verlage Einbußen beim Verkauf von deutsch lokalisierten Grundspielen haben, da ein Teil der potentiellen Käuferschaft dem Verlag nicht mehr vertraut, dass auch die Erweiterungen erscheinen.

Das kann langfristig dem Verlag mehr schaden, als wenn mal eine Erweiterung nicht so viel einbringt, wie erhofft.

Eine schwierige Balance

Es ist aber auf jeden Fall eine schwierige Balance. Dieses Thema betrifft viele deutsche Brettspiel-Verlage. Da kann es dann schon mal vorkommen, dass eine Erweiterung hierzulande nicht mehr erscheint. Gerage sehr kleine Verlage, die ja in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schießen, sehe ich diesbezüglich durchaus kritisch.

Ich persönlich wünsche mir schon ein stärkeres Commitment der Verlage, wenn sie ein Brettspiel lokalisieren. Man sollte sich halt vorher gut überlegen, was man lokalisiert. Der Erfolg auf dem englischsprachigen Markt kann dafür ein Indikator sein, aber z.B. auch Kickstarter-Projekte sind besser einschätzbar, da man dort sieht, wie viele Backer es gab.

Bei normalen Retailspielen, die auch noch gleichzeitig in Deutschland erscheinen, ist das dagegen schwer abzuschätzen. Dennoch sollte ein Verlag dass dann auch durchziehen und die Erweiterungen bringen, selbst wenn er damit nicht viel verdient oder sogar ein wenig drauflegt. Nur so wird er das Vertrauen der Käufer behalten. Natürlich gibt es auch da Grenzen und wenn das Grundspiel in Deutschland komplett floppt, dann wäre es Schwachsinn die Erweiterung zu lokalisieren.

Auch wenn man das eine oder andere am Schwerkraft Verlag krisitieren kann, so finde ich es sehr gut, dass dieser garantiert, dass alle Erweiterungen lokalisiert werden, die für seine Brettspiele erscheinen. Trotz relativ teurer deutscher Versionen dieses Verlages habe ich dort keine Bedenken eine Lokalisierung zu kaufen, denn die Erweiterungen wird es auch geben.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Verlage so konsequent sind, auch wenn ich die oben genannten Risiken und Zwänge verstehe.

Immer mehr deutschsprachige Brettspiel-Erweiterungen

Die Situation hat sich in den letzten Jahren schon sichtbar gebessert. Für sehr viele Lokalisierungen kommen auch die Erweiterungen auf deutsch heraus. Das liegt sicher auch am boomenden Brettspiel-Markt, durch den sich auch weniger massenmarktaugliche Brettspiele gut verkaufen.

Dennoch überlege ich bei einigen Spielen schon, ob ich mir lieber die englische Version hole. Auf der SPIEL 2019 habe ich nicht umsonst einen Teil der Spiele auf englisch gekauft. Neben der Tatsache, dass es die deutsche Version erst in ein paar Monaten oder im nächsten Herbst zu kaufen gibt, bezweifle ich bei manchen, dass es die Erweiterungen dann ebenfalls auf deutsch geben wird.

Wie seht ihr die ganze Sache? Interessieren euch überhaupt Erweiterungen und wenn ja, habt ihr schon mal das Problem gehabt, dass zu einem Spiel, was ihr sehr mögt, keine Lokalisierung der Erweiterungen erfolgt ist?

1 Kommentar

  1. Erweiterungen sind so ein Thema für sich… ich sehe das recht ähnlich wie du Peer. Kickstarterprojekte mit unzähligen Erweiterungen finde ich meist schwierig … ich kann nachvollziehen, dass man sich da unter Zugzwang fühlen kann, da man nicht weiss ob die später nochmals veröffentlicht werden. Allerdings erweckt es bei mir häufig den Eindruck, dass das Grundspiel nur komplett mit den Erweiterungen wird. Was wiederum schade wäre. Das Spiel sollte auch ohne Erweiterungen einen hohen Wiederspielwert haben.
    Spiele die mir wirklich wichtig sind kaufe ich meist direkt in English, da geht es meist einfacher mögliche Erweiterungen oder Promos zu bekommen.

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