Am letzten Wochenende war ich in Merseburg beim Corax Tag 2018. Was das genau ist und was ich da erlebt habe, erfahrt ihr im Folgenden.

Natürlich habe ich dort einige Brettspiele aus dem Corax Verlag gespielt. Darunter Vorjahres-Spiele, wie z.B. Viral und Vikings gone Wild, aber auch Neuheiten aus diesem Jahr, wie Tudor und Chronicles of Crime.

Im Folgenden erfahrt ihr, wie mir die Spiele gefallen haben.

Corax Tag 2018

Nach langer Zeit war ich am letzten Wochenende mal wieder in Merseburg. Dort habe ich vor gut 20 Jahren mal studiert. Der kleine, aber feine Brettspiel-Verlag Corax hat zum Spieletag eingeladen, um unter anderem die diesjährigen Neuheiten zu präsentieren.

Und so kam ich am Samstagvormittag am Merseburger Kloster an, was eine ziemlich coole Location ist.

Schöne Location beim Corax Tag 2018

Schöne Location beim Corax Tag 2018

Natürlich waren schon viele andere Leute bereits dort, unter anderem einige YouTuber und Podcaster, aber auch viele Brettspiel-Fans, die teilweise auch von weiter entfernt angereist und bis zu 5 Stunden unterwegs waren.

Die Stimmung war jedenfalls toll und so ging es los mit dem ersten Corax-Spiel.

Was habe ich gespielt?

Corax Games hatte einige Spiele dabei. Darunter ein paar Prototypen, Spiele aus dem letzten Jahr und aktuelle Herbstneuheiten.

Viral

Los ging es mit einem Brettspiel, welches ich schon länger im Auge hatte. Viral wurde von Corax Games für Deutschland lokalisiert.

Hier sind die 2-5 Spieler (wir haben es zu viert gespielt) Viren, die sich in den Organen eines Körpers ausbreiten und dort möglichst festsetzen wollen. Dazu benutzt man ein Standard-Deck aus Karten, die bei allen Spielern zu Anfang gleich sind.

Pro Runde (5 gibt es insgesamt) sucht man sich je 2 Kartenpaare aus. Eine Karte beinhaltet jeweils die gewünschten Aktionen und die andere Karte die Zone mit den betreffenenden Organen. Letzteres ist wichtig, da man manche Aktionen (die blau hinterlegten) nur in der jeweiligen Zone ausführen kann. Und so platziert man Viren, schützt diese, bewegt sie, kämpft gegen andere Viren und ein paar Sachen mehr. Diese Karten darf man aber erst wieder in der übernächsten Runde benutzen. Hier ist Vorausplanung gefragt.

Mit Viren besetzen wir in 'Viral' Organe - Corax Tag 2018

Mit Viren besetzen wir in ‘Viral’ Organe – Corax Tag 2018

Am Ende jeder Runde gibt es eine Mehrheitenwertung, die Punkte bringt. Auf der Siegpunkteleiste gibt es auch immer wieder Stellen, wo wir uns neue Karten aus einer Auslage nehmen können, um unser Deck zu verbessern. Wenn zu viele Viren in einem Organ sind, dann gibt es dort einen Kollaps. Der bringt Punkte, aber die Viren fliegen auch aus dem Organ raus.

Ein flottes Spiel, welches wir trotz eines Grüblers am Tisch recht schnell gespielt haben. Die Illustrationen sind toll und das Spiel deutlich anspruchsvoller, als es aussieht. Ich wurde zwar nur dritter, aber Viral hat mir sehr gefallen.

Vikings gone Wild

Vikings gone Wild ist nicht neu, aber die Erweiterung Meister der Elemente schon. Dieses Deckbau-Spiel haben wir zu dritt gespielt und das hat Spaß gemacht.

Optisch wirkt es wie eine Smartphone-Spiel und durch die Farben auch ein wenig unübersichtlich zu Beginn. Aber wenn man erstmal drin ist, dann geht es. Hier geht es darum auf einer Siegpunkte-Leiste ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Das schaffen wir, indem wir vor allem gegen andere Spieler kämpfen.

Zum einen kaufen wir Gebäude, die uns dann wiederum Rohstoffe produzieren, damit wir mehr kaufen können, oder andere Vorteile bieten. Als zweite Kartenart gibt es Monster, die für uns kämpfen. Zum Dritten gibt es Odin-Karten, die meist besondere Fähigkeiten haben.

Wie bei einem Deckbuilder üblich, mischen wir unser Deck und ziehen auf 5 Karten auf. Mit einem bestimmten Gebäude kann man 6 Karten ziehen oder Karten aus der vorherigen Runde behalten. Und so baut man sein Dorf aus, kauft neue Karten, greift die Gegner an und versucht Punkte zu machen.

Das ist recht kurzweilig, auch wenn es nicht die wahnsinnig große Revolution unter den Deckbuildern ist. Aber ich mag es, wenn Deckbuilder mehr sind als das Sammeln von Punkten. Hier kann man die Gegner angreifen, das Dort ausbauen und man muss auch auf die Endwertungs-Karten achten, da diese nochmal ordentlich Punkte bringen.

Die Erweiterung bringt neue Karten und einen neuen Mechanismus rein. Es gibt sogenannte Elementmarker, die man auf die eigenen Gebäude legen und damit Artefakte bzw. deren Fähigkeiten aktivieren kann. Das bringt nochmal etwas Abwechslung ins Spiel.

Die 'Vikings Gone Wild' Erweiterung 'Meister der Elemente' - Corax Tag 2018

Die ‘Vikings Gone Wild’ Erweiterung ‘Meister der Elemente’ – Corax Tag 2018

Ich bin nur knapp hinter dem Sieger gelandet und hatte meinen Spaß mit Vikings gone Wild.

Half-Pint Heroes – Happy Hour Erweiterung

Weiter ging es mit der kommenden Erweiterung Happy Hour für das Stichspiel Half-Pint Heroes.

Dabei handelt es sich um ein sehr gutes Stichspiel, welches Poker-Elemente integriert. Statt einzelne Karten bei einem Stich auszuspielen, spielt man hier Pokerhände aus. Das höchste Pokerblatt gewinnt. Allerdings gibt es hier auch die eine oder andere Kartenkombination, die es beim normalen Poker nicht gibt.

In jeder Runde wird eine Karte vom Stapel gezogen. Diese gibt an, wie viele Karten für alle nutzbar in der Mitte liegen und wie viele jeder auf die Hand bekommt. Dann muss jeder verdeckt wählen, wie viele Stiche man denkt zu machen. Nachdem diese Ansage aufgedeckt wurde, kann jeder Spieler noch einen Chip zu einem anderen Spieler legen, von dem er denkt, dass dieser seine Ansage nicht schafft. Liegt man am Ende damit richtig, bekommt man 20 Punkte zusätzlich.

Danach werden reihum Karten-Sets ausgespielt, die gültige Pokerhände sein müssen. Also z.B. ein Zwilling, ein Drilling, eine Straße, ein Full House oder was auch immer. Wer die höchste Kombination hat, gewinnt den Stich. Das führt dazu, dass manche schon alle Karten los sind, während andere noch spielen. Punkte gibt es für Stiche, erfolgreiche Ansagen und richtigen Tipp auf einen anderen Mitspieler.

Half-Pint Heroes macht so schon viel Spaß. Ich finde die Kombination aus Stichspiel und Texas Hold’em Poker sehr gelungen. Den ganzen Tag war dieser Tisch der lauteste, da es allen einfach Spaß gemacht hat.

Sehr gut kam bei vielen auch die Erweiterung Happy Hour an. Diese bringt Aufkleber mit, mit denen man die Karten verändern kann. So kann man z.B. +1 und -1 Aufkleber auf Karten kleben, damit man bestimmte Pokerhände zusammenbekommt. Auch solche Sachen, wie die Farbe ändern, eine 0 daraus machen oder zusätzliche Siegpunkte sind mit den Stickern möglich.

Allerdings sind die Aufkleber in Kategorien aufgeteilt. Viele der Aufkleber kann man nur nutzen, wenn man 2, 3 oder mehr Stiche angesagt hat. Wer zu vorsichtig spielt und nur einen oder weniger Stiche ansagt, kann kaum Sticker nutzen.

Da die Sticker im diesem Spiel auf den Karten bleiben, bekommt man nach und nach auch Karten auf die Hand, die schon verändert wurden. Das alles macht das Spiel noch abwechslungsreicher und auch etwas chaotischer. Auf jeden Fall war es aber sehr lustig. Die letzte Partie endete dann gegen 2 Uhr und ich hatte gewonnen. Juhu.

Chronicles of Crime

Nach dem Mittagessen stand das Krimi-VR-Spiel Chronicles of Crime auf dem Plan. Hierfür wird ein Smartphone benötigt, auf dem die betreffende App installiert wird. Als Ermittler der Polizeit gilt es ein Verbrechen aufzuklären. Wir haben das Tutorial gespielt, was nicht so lang war. Normalerweise kann man an einem Fall schon ein paar Stunden sitzen.

Das Spiel funktioniert so, dass man auf jedem Ort den man besucht, bei jeder Person mit der man spricht und bei jedem Beweis den man findet, einen QR-Code einscannen muss. Dann bekommt man dazu Text auf der App angezeigt. Das ist gut gelöst und macht das Spiel in gewisser Weise interaktiv.

Zeugen und Verdächtige bei 'Chronicles of Crime' - Corax Tag 2018

Zeugen und Verdächtige bei ‘Chronicles of Crime’ – Corax Tag 2018

Stichwort Beweise. Diese findet man, indem man am Tatort den Raum untersucht. Dazu hatten wir das Smartphone in ein VR-Brillen-Set eingesetzt und einer der Spieler setzte sich dieses auf den Kopf. Damit konnte sich dieser Spieler am virtuellen Tatort umsehen und musste den anderen Hinweise geben, was er/sie sieht. Diese Gegenstände suchte man aus einer Auslage raus und untersuchte sie danach genauer.

Diese kooperative Spiel, in dem es dann später Zeitdruck geben wird, hat mir schon gefallen. Ich könnte mir gut vorstellen, dieses Spiel mit meiner Familie zu spielen. Ein wenig habe ich zwar Bedenken, dass ein Alpha-Spieler-Problem hier durchaus auftreten kann, aber da muss man halt zeitig genug gegensteuern.

Das Material war noch nicht final, aber es sah alles schon sehr gut aus. Der Projektmanager des Spiels schilderte zudem die vielen Möglichkeiten für weitere Fälle. Entweder einfach über die App mit dem vorhandenen Material oder mit richtigen Erweiterungen, die schon geplant sind.

Chronicles of Crime behalte ich auf jeden Fall im Auge.

Tudor

Anschließend war endlich der Tisch mit Tudor frei und wir konnten uns zu dritt diesem interessanten Kennerspiel widmen. Ich hatte ja erst vor einer Weile ein Interview mit dem Autor geführt, dessen Erstlingswerk dies bei Corax ist.

In Tudor versuchen wir am Hofe von Heinrich VIII als englische Lords in verschiedene Ämter zu gelangen und damit Punkte zu machen. Das macht man, in dem man über Felder zieht und dafür Karten ablegen muss. Diese zeigen (wenn ich mich richtig erinnere) 7 verschiedene Symbole. Man muss also die passenden Karten sammeln, um weiterziehen zu können. Die Felder werden übrigens bei jedem Spiel zufällig mit den Symbolen bestückt.

Die Optik von 'Tudor' ist sehr gut, trotz handgemachtem Exemplar - Corax Tag 2018

Die Optik von ‘Tudor’ ist sehr gut, trotz handgemachtem Exemplar – Corax Tag 2018

Das ist aber nicht alles. Der Worker-Placement Mechanismus ist gut gemacht. Es gibt 3 Audienzzimmer, wo jeweils 2 verschiedene Aktionen zur Verfügung stehen. Mit unseren Dienern entscheiden wir uns für eines der Zimmer und belegen dort dann einen der freien Stühle. Deren Zahl ist aber begrenzt. Kommen später neue Diener in das Zimmer, dann rutscht der oberste Diener wieder raus.

Es kann hier also passieren, dass die Spieler unterschiedlich viele Diener in den Zimmern haben und deswegen auch unterschiedlich viele Aktionen machen können. Es gibt aber Ausweichaktionen, wenn man selbst keinen unbenutzen Diener mehr hat.

Diener im Audienzzimmer bei 'Tudor' - Corax Tag 2018

Diener im Audienzzimmer bei ‘Tudor’ – Corax Tag 2018

Ein weiterer Faktor ist die Aktivierung der Zimmer. Jeder Spieler hat eine besondere Figur, die man ebenfalls in eines der Zimmer stellt. Diese kann beide Aktionen des Zimmers ausführen (die Diener nur eine von beiden). Zimmer, in das keine dieser besonderen Figuren gestellt wurde, werden nicht aktiv und die darin sitzenden Diener können in dieser Runde nicht genutzt werden.

Nach dem Setzen der eigenen Figuren (es kommen je Runde welche dazu), führt man reihum die Aktionen aus und bewegt sich auf den Feldern vorwärts.

Eine weitere Besonderheit sind die Ringe. Diese gibt es auch mit den 7 verschiedenen Symbolen. Um manche Aktionen durchführen zu können, braucht man bestimmte Ringe. Ein Hingucker ist der eigene Sichtschirm. Dieser hat die Form einer Hand und man steckt die Ringe auf die Finger. Damit kann man dann stärkere Aktionen aktivieren, was ebenfalls cool ist.

Und damit es nicht langweilig wird, gibt es noch unterschiedliche Karten, die bei jedem Spiel die Regeln ein wenig anpassen und es gibt viele unterschiedliche Endwertungs-Karten, von denen jeweils 2 in jedem Spiel dabei sind. Da sind teilweise ganz unterschiedliche Strategien notwendig.

Alles in allem hat Tudor einen sehr guten Ersteindruck gemacht. Ich bin hier zweiter geworden und hatte viel Spaß. Es ging flott voran, mit wenig Downtime. Am Ende waren zwar die Punkte der Endwertung für mein Gefühl etwas zu hoch (ungefähr genauso viele Endwertungspunkte, wie man während des Spiels gesammelt hat), aber ich möchte es auf jeden Fall nochmal spielen. Zumal das Spiel sehr gut aussah, auch wenn es noch ein handgefertigtes Exemplar war.

Sidequest

Spät am Abend hatten wir dann keine Lust mehr auf ein großes Spiel und so haben wir eine Runde Sidequest gespielt. Dabei handelt es sich um einen Mini-Dungeon-Crawler.

Man sucht sich einen Helden aus, sowie eine Waffe und dann geht es schon in den Dungeon. Es liegen je nach Spieleranzahl mehrere Raumkarten aus. Diese Räume haben meist eine Besonderheit, wie z.B. Schaden am Ende der Runde, wenn man dort steht oder eine Erleichterung bei der Suche nach Schätzen.

Für jeden Raum wird dann eine Karte vom Abenteuer-Stapel gezogen. Darin wurde vorher eine bestimmte Anzahl an Monstern und Gegenständen eingemischt. Die Monster muss man natürlich versuchen zu töten, wobei Würfel zum Einsatz kommen. Die Gegenstände kann man aufheben, um stärker zu werden bzw. besondere Fähigkeiten zu erhalten. Es sind auch Dorfbewohner darunter, die man retten muss, da man sonst verliert.

Das Einstiegsszenario besteht nur aus einer Ebene, während die richtigen Dungeons aus 3 Ebenenen bestehen. In den ersten 2 muss man sich bis zum Ende des Stapels durcharbeiten, da dort der Schlüssel zur nächsten Ebene liegt. In der dritten Ebene wartet ein schwerer Endboss.

Sidequest ist ein wirklich kleines Spiel, welches aber den Flair eines Dungeon Crawlers sehr gut einfängt. So ein Spiel dauert nicht sehr lange und die Regeln sind übersichtlich. Genau das Richtige zu später Stunde oder für zwischendurch.

Was gab es sonst noch so?

Ich bin leider nicht dazu gekommen alles zu spielen. So gab es z.B. noch Trickerion, was mir aber schon ein wenig zu heftig erscheint. Ausprobieren würde ich es dennoch mal.

Des Weiteren war eine deutsche Version von Champions of Midgard da, die ich nicht gespielt habe, weil ich das Spiel ja kenne und liebe. Änderungen gab es daran kaum und den anderen Spielern scheint es Spaß gemacht zu haben.

Zudem gab es noch ein Brettspiel mit Steampunk-Thema, was interessant aussah und das bald erscheinende Die rote Kralle, welches ihr aktuell in der Spieleschmiede unterstützen könnt, was ebenfalls vor Ort. Letzteres hätte ich gern gespielt, aber es hat nicht geklappt. Es hat den anderen, mit denen ich gesprochen habe, größtenteils gefallen.

Darüber hinaus gab es eine ganze Reihe von Prototypen, aber da bin ich eigentlich nicht so scharf drauf. Zumal es genug andere interessante Spiele gab.

Danke Corax, es hat viel Spaß gemacht

Es war ein sehr schöner Spieletag bei Corax und das eine oder andere Spiel werde ich mir mit Sicherheit noch zulegen.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das kommende Jahr.