„Das Brettspiel ist scheiße!“ – Zwischen eigenem Spielspaß und Engstirnigkeit

Erst vor ein paar Tagen bin ich über einen Rant auf Twitter gestolpert, wo jemand ein Brettspiel als totalen Mist bezeichnet hat und im Grunde fand, „Das Brettspiel ist scheiße!“

Ebenfalls sehe ich immer wieder den Fall, dass jemand ein Brettspiel nach einer Partie verkauft bzw. ein vernichtendes Urteil darüber fällt.

Dieses Phänomen sehe ich gerade auf den sozialen Medien immer wieder. Woher solche Extrem-Meinungen kommen und was ich davon halte, darum geht es in meinem heutigen Artikel.

Über euer Feedback würde ich mich sehr freuen.

„Das Brettspiel ist scheiße!“

Am Anfang möchte ich gleich mal sagen, dass jeder natürlich seine eigene Meinung haben darf und auch sollte. Es geht mir hier nicht darum irgendwem den Mund zu verbieten.

Allerdings finde ich, dass solche extremen Meinung in Foren und auch auf Twitter und Facebook immer häufiger zu finden sind. Selbst manche Reviewer sind recht extrem in ihren Ansichten und urteilen oft schon nach einer Partie über ein Brettspiel. Bei letzteren kann das natürlich Kalkül sein, denn Auffallen aus der Masse ist in der heutigen Zeit wichtig, will man gehört/gelesen/gesehen werden.

Bei so gut wie jedem Spiel habe ich im Netz schon alles gelesen. Zwischen „das Spiel ist toll“, bis zu „das Spiel ist der letzte Müll“ findet sich heutzutage jede Aussage im Netz, selbst bei den beliebtesten Spielen. Dabei fehlt in der Regel die Tiefe der Beurteilunge, die objektive Auseinandersetzung und die Nachvollziehbarkeit dieser Meinung.

Spielspaß vs. Qualität

Das Hauptproblem liegt meiner Ansicht nach darin, dass die Leute ihren eigenen Spielspaß nicht von der generellen Qualität von Brettspielen unterscheiden können. Das ist aber nicht dasselbe!

Viele sind halt der Meinung, dass ihre eigene Meinung die einzig richtige ist und die anderen sich irren müssen. Das ist wie der Witz mit dem Geisterfahrer auf der Autobahn. Im Auto hört der Fahrer die Nachricht im Radio, dass ein Geisterfahrer auf seiner Autobahn unterwegs ist. Er meint nur „Einer? Hunderte!“.

Genau so sind einige Leute anscheinend unterwegs, die offensichtlich nicht in der Lage sind über ihren eigenen Tellerrand hinauszuschauen, über andere Ansichten zumindest nachzudenken und mehr als nur die eigene Meinung zu sehen.

Mehr Objektivität und Argumente

Professionelle Reviewer setzen nicht nur auf die eigene Meinung, auch wenn diese natürlich einfließen sollte. Dennoch ist da eine objektive Sicht wichtig, denn es gibt nun mal sehr unterschiedliche Geschmäcker.

Das stört viele auf den sozialen Medien, denn sie möchten ihre eigene Meinung bestätigt sehen. Für und wieder, Pro und Kontra wird von diesen Personen sogar Nachteil oder sogar als „gekaufte Reviews“ angesehen. Ich finde es traurig, dass man von einem Teil der Nutzer heute schon kritisch angesehen wird, nur weil man versucht verschiedene Meinungen, Geschmäcker und Vorlieben zu beachten. Aber nicht umsonst wird auch die BILD von sehr vielen Menschen gelesen, die anscheinend nur an „schwarz und weiß“ interessiert sind.

Auf Facebook und Co. würde ich mir etwas mehr Objektivität wünschen. Schließlich bringt es mir nichts, wenn ich eine rein subjektive Meinung lese, die zudem auch noch extrem überspitzt ist. In der Regeln finden sich darin keine Argumente oder hilfreiche Details, sondern es wird nur einseitig etwas gebasht.

Das hilft allerdings weder mir, noch irgendwem anderen. Nur der Basher fühlt sich wahrscheinlich toll.

Fazit

Was will ich mit diesem Artikel sagen? Ich wollte nur mal dieses Phänomen ansprechen, dass mich doch ein wenig stört, wenn ich online unterwegs bin.

Natürlich soll jeder seine Meinung äußern und wenn einem ein Spiel nicht gefällt, dann ist es okay, wenn man das auch sagt. Wenn man selbst keinen Spielspaß mit einem Brettspiel hat, dann muss man das auch nicht schönreden.

Dennoch sollte einem klar sein, dass kein Brettspiel dieser Welt allen gefällt. Es gibt nun mal sehr unterschiedliche Geschmäcker und Vorlieben.

„Was dem einen seine Eule, ist dem anderen seine Nachtigall“. Etwas mehr Objektivität und weniger Engstirnigkeit würde dem einen oder anderen sicher guttun.

Brettspiele gefallen nicht allen und das müssen sie auch nicht. Dennoch wäre ein wenig mehr Offenheit und eine bessere Einordnung der eigenen eigenen Meinung insgesamt für alle hilfreicher. Einfach mal darüber nachdenken, dass man sich nicht selbst zum einzig gültigen Maßstab macht.

Was ist so schwer daran zu sagen, dass es vielleicht einfach nicht das richtige Brettspiel für einen selbst ist, aber anderen gefallen kann?

Es hilft auf jeden Fall, sich mal in andere Menschen hinein zu versetzen, was übrigens auch für das sonstige Leben ein toller sozialer Skill ist.

Was denkt ihr dazu? Ignoriert ihr solche extremen Meinungen oder findet ihr die sogar gut?

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7 Kommentare

  1. Michael Maschke

    Na ja, eigentlich muss man für dieses Phänomen nicht mal ins Internet. Ich ärgere mich eigentlich jedes Mal über Rezensionen in einer Spielezeitschrift mit dem Grundtenor, wir wissen was gute Spiele sind und alle anderen haben keine Ahnung. Gute Spiele sind dann natürlich in der Regel Spiele ab Experten- oder besser Kennerspiellevel.
    Diese Form der Überheblichkeit nervt.
    Sonst stimme ich Deiner Einschätzung zu.

    • Peer

      Ja, das kann ich nachvollziehen. Es gibt schon Vielspieler, die leichte Einsteigerspiele und Partyspiele abschätzig betrachten, obwohl sie selbst irgendwann mal so eingestiegen sind.

  2. Ronny

    Ich empfinde das Problem nicht als so problematisch.
    Wer ließt denn solche Blogs, schaut sich die ganzen YouTube Videos an und verfolgt das Thema bei Facebook und Twitter? Richtig, nur wir positiv verrückten Brettspiele-Nerds.
    Jeder von uns kann doch in der Regel selbst gut einschätzen, auf welche Meinung er wert legen kann und welche ihm egal ist. Ich weiß genau, welche YouTuber meinen Geschmack treffen und bei welcher Meinung ich getrost weghören kann.
    Jemand hat Sagrada als unspielbar bezeichnet. Der Grund war verständlich, die Kritik vielleicht etwas zu hart. Trotzdem wusste ich, dass mich diese Meinung nicht betrifft, weil ich keine Rot-Grün Schwäche habe.

    Ich selbst habe mich schon ähnlich Kritisch über ein Spiel im Forum geäußert. Arena for the Gods! Für mich ein ganz furchtbares Spiel. Zwei Mal hab ich es gespielt und abgesehen davon, dass hier noch extremer als bei King of Tokyo das Würfelglück einfach alles entscheidet (ohne kann ich gar keine Aktionen ausführen), ist hier durch Würfel stehlen auch noch eine vernichtende Variante hinzugekommen.

    Beispiel: Ich war in der Reihenfolge als vierter dran und wurde 3 mal angegriffen, bevor ich auch nur einen Zug gemacht hatte. Das wäre ja kein Problem, wenn mir nicht 3 Würfel gestohlen worden wären. Mit 3 Würfeln weniger durfte ich dann genau eine Aktion machen, mich bewegen. Nächste Runde das gleich Spiel. Ich stand immer noch für alle Gegner in Reichweite bzw. wurde von den Gegnern in Richtung des anderen Spielers geschubst, und wieder wurden mit 3 Würfel gestohlen. Also hatte ich wieder keine Chance auf eine normale Aktion. Nächste Runde wurde ich getötet und das Spiel war zu Ende. Weder für mich, noch für die anderen Spieler ein erfüllendes Spielerlebnis.

    Natürlich lag es auch an der Spielweise meiner Mitspieler, aber wenn das Spiel es zulässt, ist es schon nicht optimal. Anderen mag sowas gefallen, aber für uns war es einfach nur ein schlechtes Spiel.

    Daher verstehe ich es, wenn Jemand so vernichtend über ein Spiel urteilt. Er sollte es natürlich genau begründen und aufzeigen, warum es nur aus seiner Perspektive so ist. Dann weiß jeder, ob es für ihn genauso wäre oder für ihn ein gutes Spiel bleibt.

    Übrigens interessant, dass wir jetzt über zu kritische Meinungen reden, wo vor einem Jahr noch gemeckert wurde, dass niemand kritisch ist. ;)

    • Peer

      Vielleicht ist das Problem, dass ich zuviele Extreme sehe. Etwas werden Spiele hochgejubelt oder es gibt extreme Verrisse. Objektive Einschätzungen sind dagegen zumindest im Social Web eher seltener.

      Aber gut, die extremen Reaktionen bringen einfach mehr Aufmerksamkeit.

      • Ronny

        Aufmerksamkeit vielleicht, aber ich glaube nicht, dass diese positiv ausfällt. Möchte jetzt keine Namen nennen, aber einige Personen werden als eher Unsympathisch wahrgenommen, weil Sie so über manche Brettspiele berichten. Gerade die, die zu emotional werden und nicht versuchen sachlich das Ganze zu erläutern, werden dafür in den Kommentaren auch oft scharf kritisiert.

  3. Cynomys Xylocarpis

    Kommentare und Bewertungen wie „Das Spiel ist beschissen.“ kann und sollte man getrost ignorieren. „Das Spiel ist beschissen, weil…“ finde ich dagegen interessanter. Je nach Begründung kann ich dann abschätzen, ob dies auch für mich ein Problem wäre.

    Das Phänomen ist doch ein generelles. Auch außerhalb der Brettspielbubble wird oft nur noch in schwarz oder weiß unterschieden. Beim Umgang mit dem Internet muss man inzwischen auch lernen die persönlich wichtigen Informationen herauszuziehen. Schwarz/Weiß-Denke bringt eben doch mehr Aufmerksamkeit. Ich nehme mich da gar nicht raus: Es gibt durchaus Zeiten, wo ich mir ganz gerne ein paar ordentliche „Verrisse“ durchlese, weil ich es irgendwie unterhaltend finde. Insofern bin ich wohl, weil durch mich da Klicks generiert werden, Teil des Problems.

  4. Egon Stoiber

    Hallo auf der Suche nach einem Spieltisch bin ich hier gelandet. Die Beurteilung einer nicht messbaren Größe ergibt IMMER eine SUBJEKTIVE Antwort. Das verwenden eines genau definierten Begriffs >Qualitätdie haben keine Qualität< nicht zulässig. Noch ein Beispiel aus unserer jahrzehntelangen Spieltätigkeit: Spiel 2018 Neuheit wird präsentiert und wir sind enttäuscht – Spiel 2019 das gleiche Spiel wird uns unter ganz anderen Bedingungen gezeigt und wir sind begeistert. Was ist los? andere Situation aber gleiches Spiel. Daher immer Vorsicht mit der eigenen Wertung und den Aussagen dritter, …..Gratulation zur Internetseite

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