Nicht reden als neuer Brettspiel-Trend?!

Es gibt eine Reihe von Brett- und Kartenspielen, bei denen es nicht erlaubt ist zu reden. Oder es ist zumindest stark eingeschränkt. So ein kleiner Trend scheint sich hier abzuzeichnen, aber macht das in Gesellschaftsspielen eigentlich Sinn?

Bei welchen Spielen man nicht (frei) reden darf und was ich davon halte, erfahrt ihr im Folgenden. Zudem freue ich mich über euer Feedback.

Gesellschaftsspiele sind kommunikativ

Einer der Pluspunkte von Gesellschaftsspielen ist die Kommunikation der Spieler untereinander. Deshalb sitzt man ja auch gemeinsam an einem Tisch.

Dabei kann man sich untereinander austauschen, seinen Unmut äußern, scherzen oder sogar mit einem Augenzwinkern drohen. Bei unseren Spielrunden wird relativ viel geredet, wobei das natürlich auch ein wenig vom Spiel selbst abhängt.

In letzter Zeit sind aber ein paar Spiele erschienen, welche die Kommunikation der Spieler untereinander einschränken und gar ganz verbieten. Was an sich eine schöne Variation ist, nimmt auch ein wenig von dieser sozialen Komponente des Brettspielens weg.

Zusammen schweigen in Brettspielen

Hier ein paar aktuelle (und ältere) Gesellschaftspiele, bei denen die Kommunikation der Spieler während des Spiels eingeschränkt oder ganz verboten ist.

Die Crew - Reist gemeinsam zum 9. Planeten

(KOSMOS)
In diesem kooperativen Stichspiel müssen wir zusammen 50 Missionen bestehen. Jede Mission wird etwas schwieriger und die Kommunikation zwischen den Spielern ist eingeschränkt.
Autor: Thomas Sing
Grafiker: Marco Armbruster
2 - 5
Spieler
ab 10
Jahren
ca. 20
Minuten
8 von 10
BGG Bewertung
Pos. 521
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1

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2019

In diesem Brettspiel müssen wir Missionen erfüllen, also bestimmte Stiche bekommen und ähnliches. Dabei darf natürlich nicht über die eigenen Karten gesprochen werden. Nur durch bestimmte Funk-Plättchen darf nonverbal kommuniziert werden.


Hanabi

(ABACUSSPIELE)
Gemeinsam versuchen wir hier ein schönes Feuerwerk zu veranstalten. Das Problem ist aber, dass wir unsere eigenen Karten nicht sehen. Die Hinweise der Mitspieler sind eingeschränkt.
Spiel des Jahres 2013 (Spiel des Jahres Jury)
Autor: Antoine Bauza
Grafiker: Antoine Bauza, Gérald Guerlais, Albertine Ralenti
2 - 5
Spieler
ab 8
Jahren
ca. 25
Minuten
7.1 von 10
BGG Bewertung
Pos. 351
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1

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2010

In diesem Spiel darf man zwar reden, aber keine konkreten Infos über die Karten der anderen Spieler geben. Nur allgemeine Informationen sind erlaubt.


Magic Maze

(Pegasus Spiele)
In diesem kooperativen Brettspiel müssen wir unter Zeitdruck Abenteurer steuern und dabei die Räume erstmal aufdecken. Zudem dürfen wir nicht reden und jeder Spieler kann nur eine bestimmte Aktion machen.
Autor: Kasper Lapp
Grafiker: Gyom
1 - 8
Spieler
ab 8
Jahren
3 - 15
Minuten
7.1 von 10
BGG Bewertung
Pos. 446
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3

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2017

Während des Ziehens der Figuren auf den modularen Spielbrett darf gar nicht kommuniziert werden. Nur einmal während einer kleinen Pause darf man sich absprechen. Ein anstrengendes Spiel, welches durch das Schweigen nicht einfacher wird.


The Mind

(Nürnberger-Spielkarten-Verlag)
Die Spieler müssen gemeinsam ihre Karten in der richtigen Reihenfolge ablegen, dürfen aber nicht reden. Hier kommt es darauf an seine Mitspieler gut zu kennen und Glück gehört auch dazu.
Autor: Wolfgang Warsch
Grafiker: Oliver Freudenreich
2 - 4
Spieler
ab 8
Jahren
15 - 0
Minuten
7 von 10
BGG Bewertung
Pos. 567
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13

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2018

Auch hier ist das Sprechen komplett verboten, damit man den Mitspielern keinen Hinweis darüber gibt, welche Karten man besitzt.


Tippi Toppi

(Schmidt Spiele)
Es gibt Karten in 4 Farben und mit den Werten 1-7. Gemeinsam müssen die Spieler Aufträge erfüllen und dafür die passenden Karten auf die Stapel legen, bevor der Nachziehstapel alle ist.
Autor: Ken Gruhl
Grafiker: Irina Pechenkina
1 - 4
Spieler
ab 10
Jahren
ca. 20
Minuten
7.2 von 10
BGG Bewertung
Pos. 2406
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2019

Auch hier ist das Reden nicht grundsätzlich verboten, sondern nur einschränkt. Konkrete Aussagen über die eigenen Karten und Möglichkeiten sind aber nicht erlaubt.


Obscurio

(Libellud)
In diesem Deduktionsspiel suchen wir gemeinsam in einer alten Bibliothek nach speziellen Folianten. Aber der Geist eines Hexenmeisters versucht uns zu behindern.
Autor: L'Atelier
Grafiker: Xavier Collette, M81 Studio
2 - 8
Spieler
ab 10
Jahren
ca. 40
Minuten
7.3 von 10
BGG Bewertung
Pos. 1508
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7

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2019

Mysterium

(Libellud)
In diesem Kommunikationsspiel versucht ein Spieler als Geist Hinweise zu geben, ohne zu reden. Es gilt einen Mord aufzuklären und dafür alle Hinweise zu finden.
Autoren: Oleksandr Nevskiy, Oleg Sidorenko
Grafiker: Igor Burlakov, Xavier Collette, Oleksandr Nevskiy, Oleg Sidorenko
2 - 7
Spieler
ab 10
Jahren
ca. 42
Minuten
7.3 von 10
BGG Bewertung
Pos. 222
BGG Ranking
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2017

Bei diesen beiden Brettspielen darf jeweils ein Spieler nicht verbal kommunizieren, sondern nur durch Karten bzw. Marker Hinweise geben.

Weniger reden, aber nicht immer schweigen

Bei den wenigsten Spielen muss man wirklich komplett schweigen. Während in Magic Maze eigentlich kein Reden erlaubt ist, kann man beim Umdrehen der Sanduhr für einen Moment kommunizieren und muss dann wieder ruhig sein.

In The Mind darf gar nicht miteinander gesprochen werden. Nonverbale Kommunikation ist ebenfalls verboten. In anderen Spielen, wie Mysterium, darf nur ein Spieler nicht reden.

Es gibt also nochmal deutliche Unterschiede, wie stark die Kommunikation eingeschränkt ist. Diese Spiele sind oft kooperativ und natürlich kann man ab einem gewissen Zeitpunkt wieder miteinander reden. Spätestens nach Abschluss eine Runde kann man diese auswerten und das loswerden, was man schon die ganze Zeit sagen wollte.

Das ist ein schöner Nebeneffekt dieser Spiele. Man hat hinterher eine Menge zu bereden. Damit wird dann auch dem sozialen Charakter von Gesellschaftsspielen Rechnung getragen, auch wenn man während des Spiels schweigen muss.

Fazit

Schweigen ist durchaus ein interessantes Element in Brett- und Kartenspielen, aber meist bin ich nicht so der Fan davon. Ich rede zwar auch bei anderen Brettspielen nicht die ganze Zeit, aber wenn ich was loswerden möchte, dann will ich vom Spiel nicht gezwungen werden still zu sein. Deshalb mag ich solchen “Schweigen”-Spiele oft nicht so sehr, allerdings mit Ausnahmen.

Manche Spielkonzepte funktionieren allerdings auch nur so, da man sonst wichtige Informationen austauschen könnte. Und bei kurzen Spielen, die so einen Mechanismus haben, ist das auch kein Problem in meinen Augen. Nur bei längeren Spielen möchte ich nicht die ganze Zeit schweigend dasitzen.

Zudem hilft es zumindest gegen eine Sache, die mich bei Brettspielen nervt, nämlich Spieler, die die ganze Zeit rumjammern, dass sie so schlecht sind und verlieren werden. :-)

Was haltet ihr von Spielen, bei denen die Kommunikation ganz oder teilweise unterbunden ist?

4 Kommentare

  1. Ich bewundere es, wie oft es dir gelingt Themen anzusprechen, die bisher in den Medien kaum angeschnitten wurden aber durchaus auffällig sind. Auch ich habe erstaunt festgestellt, wie gerne aktuell das Stilelement schweigen oder verschweigen eingesetzt wird. So sehr ich selbst jemand bin der am Tisch viel redet, stelle ich fest das mich diese spiele besonders reizen! Magic Mace z.B. hat etwas erfrischendes und bringt eben ein spielkonzept mit, dass sich nicht bereits altbekannt anfühlt.

    Allerdings muss ich bei Mysterium und somit auch bei Obscurio wiedersprechen. Ja genau wie bei Codenames ist es einzelnen Personen untersagt zu sprechen, weshalb es tatsächlich in diesen Artikel passt, bei meinen Runden kommt es aber gerade wegen den Kommunikationen über die ganz unterschiedlichen Assoziationen auf den Tisch wenn sich die Spieler bisher kaum kennen. Das dabei ein Spieler außen vor ist, da er sich nur auf das zuhören beschränken kann finde ich aber nicht anstrengend! Ich muss gestehen als Geist oder Captain der Spione, bin ich meist schon auf meinen nächsten Zug fokussiert, dass ich gar nicht die Zeit hätte mich noch nebenher zu unterhalten!

    Ich denke aber tatsächlich, dass in den kommenden Jahren das Spielelement nicht Reden bzw. Eingeschränkte Kommunikation häufiger in Spielen eingesetzt werden wird!

    • Peer

      12. Januar 2020 at 18:39

      Das stimme ich ihr komplett zu. Bei Mysterium und Obscurio ist es nur ein Element und da passt es auch sehr gut.

      Was die Zukunft angeht, so wird es spannend zu sehen, was da noch kommt. Eingeschränkte Kommunikation finde ich ja sehr interessant. Komplettes Schweigen eher nicht oder nur für sehr kurze Zeit.

  2. Ich würde die Einschränkung der Kommunikation beim Spielen noch weiter fassen: Für mich gehören dazu auch Spiele, bei denen man sehr konzentriert sein muss, wenn man seinen Zug macht. Viele Euros vom Kennerspiel aufwärts verlangen volle Konzentration auf das Spielgeschehen. Lockerer Smalltalk wird dabei von vielen Spielern entweder als störend empfunden oder eben ausgeblendet. Also grübeln alle stumm um das Euro-Brett herum.

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