Was sind Eurogames – Brettspiele?

Eurogames ist als Begriff unter Brettspielern weit verbreitet, aber Einsteiger ins Hobby können mit diesem Begriff nicht viel anfangen.

Deshalb möchte ich im heutigen Artikel den Begriff ‘Eurogame’ näher beleuchten. Woher kommt die Bezeichnung, was ist damit eigentlich gemeint und wie eng muss/darf man den Begriff sehen.

In weiteren Artikeln möchte ich in Zukunft andere wichtige Brettspiel-Begriff ebenfalls vorstellen und erläutern.

Definition – Was sind Eurogames?

In allen möglichen Hobbys und sonstigen Bereichen kommt es früher oder später zum Schubladen-Denken. Das wird von vielen eher negativ gesehen, ist aber oft unumgänglich, je umfangreicher das Thema wird.

Schließlich helfen solche “Gruppenbezeichnungen” dabei den Überblick zu behalten und zum Beispiel neue Brettspiele sofort in eine bestimmte Richtung einordnen zu können. Sonst ist es einfach zu überwältigend.

Generell kann man sagen, dass bei Eurogames eher die Mechanik und weniger das Thema im Vordergrund steht. Oft wirken die Themen ein wenig aufgesetzt oder einfach schon sehr häufig verwendet (z.B. Handel im Mittelalter).

Crown of Emara - Was sind Eurogames - Brettspiele?

Dabei geht es in der Regel darum Siegpunkte zu sammeln und dabei herrscht, wenn überhaupt, eher indirekte Interaktion zwischen den Spielern vor. So z.B. beim beliebten Mechanismus Worker Placement, der in vielen Eurogames zum Einsatz kommt. Hier nimmt man sich Aktionen gegenseitig weg, aber schadet sich ansonsten nicht direkt.

Auch der Zufall hat lange Zeit wenig Platz im Eurogame gehabt und auch wenn sich das in den letzten Jahren wieder ein wenig geändert hat, handelt es sich hier nicht um das reine Würfeln, sondern um zufällige Events oder unvorhersehbare Rahmenbedingungen, mit denen man klar kommen muss.

Im Vordergrund steht auf jeden Fall die Taktik und Strategie. Ressourcen sammeln, umwandeln, verkaufen und ähnliches ist häufig in Eurogames anzutreffen. Vorausplanung ist hier häufig ein Schlüssel zum Sieg. Dagegen ist Player Elimination, also das vorzeitige Ausscheiden von Spielern, kaum anzutreffen.

Insgesamt ist der Begriff aber natürlich nicht abschließend zu definieren. Immer mehr Brettspiele überschreiten heute Grenzen und sind nicht so einfach einer Schublade zuzuordnen. Das Brettspiel Der Pate: Corleones Imperium ist hierfür ein gutes Beispiel. Es finden sich in diesem Spiel Merkmale von Eurogames, aber z.B. auch von dessen Gegenteil, den Ameristyle Games. Ganz so einfach ist die Einordnung bei vielen Brettspielen also nicht.

Der Pate: Corleones Imperium - Was sind Eurogames - Brettspiele?

Weitere Merkmale von Eurogames

Der Einstieg in ein Eurogame ist meist nicht so schwer, wobei es diese natürlich in unterschiedlicher Komplexität gibt, vom Familienspiel bis zum Expertenspiel.

Dennoch sind viele gute Eurogames oft eher leicht zu lernen, aber schwer zu meistern. Die Komplexität ergibt sich oft nicht aus unendlich vielen Regeln, sondern aus deren Kombination und spätere Nutzung. Oft hat man bei Eurogames zudem die gleichen Voraussetzungen bei den Spielern. Asymmetrie, also z.B. unterschiedliche Aktionsmöglichkeiten, ist eher selten anzutreffen.

Die Ausstattung von Eurogames ist oft eher einfach und günstiger. Holz-Meeple und anderes Holz-Spielmaterial sind hier sehr oft anzutreffen. Auf jeden Fall findet man selten Miniaturen. Aber auch viele Papp-Marker für Ressourcen und andere Dinge sind hier dabei. Das ist oft auch unumgänglich, da oft viel Spielmaterial dabei ist und es sonst keine mehr im Laden kaufen würde.

Mit Kickstarter hat sich etwas geändert, denn da gibt es immer häufiger Deluxe-Ausgaben von Eurogames, die hochwertige Ressourcen, besonderes Spielmaterial und Miniaturen enthalten.

Wo liegt der Ursprung für den Begriff ‘Eurogame’?

Der Begriff Eurogames ist ursprünglich aus der Bezeichnung ‘German Games’ entstanden. Damit wurden bereits in den 70er und 80er Jahren eine bestimmte Art Brettspiel bezeichnet, welche gerade populär wurden und damals alle aus Deutschland kamen.

Mittlerweile wird diese Art Brettspiele von Entwicklern in aller Welt erdacht und das auch in allen möglichen Schwierigkeitsgraden. Doch noch immer benutzten viele Spieler diese Einordnung, um Spiele nach ihren Hauptmerkmalen und dem Spielgefühl schnell einordnen zu können. Da jeder Spieler bestimmte Vorlieben hat, hilft das dabei, in der Spieleflut, wie sie z.B. zur SPIEL in Essen jedes Jahr kommt, nach interessanten Spielen Ausschau zu halten.

Eurogames haben heute teilweise aber auch einen etwas negativen Beigeschmack. Trockene Punkteoptimier-Orgien mit aufgesetztem Mittelalter-Thema gibt es leider immer wieder und das schreckt den einen oder anderen mittlerweile ab. Aber es kommen natürlich auch regelmäßig tolle und interessante Eurogames raus.

Allein an der Bezeichnung Eurogame kann man also keine Qualität festmachen.

Was haltet ihr von Eurogames?

Ergebnis

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Beispiele für Eurogames

Es gibt unzählige Eurogames.

Die Siedler von Catan ist z.B. ein recht frühes Eurogame, welches viel verändert hat. Agricola ist nicht so alt, aber mittlerweile auch ein Klassiker und der Inbegriff für den Bauernhof im Brettspiel.

Aber auch thematisch ausgefallenere Brettspiele sind unter den Eurogames zu finden. Terra Mystica ist anders, hat aber sicher auch eine eher seichtere thematische Einbindung. Dennoch ist es mittlerweile ein Klassiker.

Recht neu sind z.B. Rajas of the Ganges, Nusfjord und Newton. Diese bringen zum Teil recht klassische Eurogame Merkmale mit, bieten aber in meinen Augen auch genug Abwechslung.

Rajas of the Ganges - Was sind Eurogames - Brettspiele?

Aus dem aktuellen Essen-Jahrgang stammt auch Vejen, welches auf den ersten Blick ein sehr klassisches Eurogame ist. Kontore bauen, Rohstoffe erwerben/erhalten, Umwandeln, Verkaufen, Geld machen … Aber neben dessen Qualitäten bringt es auch genug Neues mit, um es interessant zu finden.

Mir persönlich haben es oft eher die Hybrid-Brettspiele angetan, die nicht so einfach einzuordnen sind. So hat z.B. Champions of Midgard einen klassischen Eurogame,Teil, aber eben auch deutlich andere Elemente. Das schon erwähnte Brettspiel Der Pate weißt ebenfalls bekannte Eurogame-Merkmale auf, bietet aber deutlich mehr.

Meine Meinung dazu

Ich stehe ja auf Abenteuer und Geschichten, wie der Name meines Blogs verrät. Dennoch man ich auch sehr gern Eurogames, aber das muss dann auch ein gewisses Extra haben. Das kann das Thema sein oder die Mechanik, die mich einfach interessiert.

Zudem mag ich Eurogames nicht so sehr, die durchplanbar sind. Wenn ich meine Züge durchrechnen muss, um eine Chance auf den Sieg zu haben, hört für mich Spielen auf und fängt die Arbeit an. Deshalb mag ich auch etwas Zufall ganz gern.

Eurogames sollten für mich auch lieber nicht zu lang sein, denn dann kann es bei zu langen Spielen etwas eintönig werden. Das liegt einfach daran, dass man beim Eurogame meist ein gewisses Set an Aktionsmöglichkeiten hat und sich das später nicht ändern.

Fazit

Alles ist allem spiele ich gern Eurogames, aber nicht jedes. Etwas Besonderes sollten diese schon haben. Auf spielen.de gibt es übrigens ein paar lustige Definitionen zu Eurogames, die in ihrer überspitzten Form schon recht passend sind.

Was haltet ihr von Eurogames und was macht diese in euren Augen aus?

Welche Eurogames spielt ihr regelmäßig?

4 Kommentare

  1. Da ist ein Tippfehler – “Date Pate – …” müsste “Der Pate -…” heißen

    • Peer

      1. Mai 2019 at 14:28

      Danke für den Hinweis Eric. Ich habe es behoben.

      Aber ein “Date Pate” wäre auch ein lustiges Spiel. :-)

  2. Handel im Mittelalter, nicht Mittelalter im Handel :-)

  3. Ich spiele gern mal Eurogames, allerdings darf bei mir das Thema nicht komplett unter den Tisch fallen. Ein gewisser thematischen Bezug bei den Mechanismen sollte schon vorhanden sein. (Und wenn’s geht ein anderes Thema als “Handeln im Mittelmeer” – dessen bin ich mittlerweile echt überdrüssig.) Punktsalate mag ich auch nicht besonders, vor allem solche, die zwar mehrere Spielstrategien vorgaukeln, man aber am Ende trotzdem nur mit einer davon gewinnen kann. Mir macht es viel mehr Spaß, bei jedem Durchgang eine neue Strategie auszuprobieren, als jedes Mal mit derselben zu spielen. Deshalb spiele ich auch am liebsten Hybride, die die bekannten Mechanismen entweder besonders toll thematisch einbauen oder Zusatzelemente wie z.B. Kampf oder asymmetrische Sonderfähigkeiten oder Siegbedingungen haben.

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