Wie viele Brettspiel-Plagiate hast du in deiner Sammlung?

Das ist eine ernst gemeinte Frage, denn immer öfter tauchen Kopien von Brettspielen auf.

Diese Plagiate sind inzwischen in Europa, Amerika und vor allem Asien zu finden und das nicht nur auf eBay und Co. Selbst in seriösen Online-Shops sind schon solche Plagiate verkauft worden.

Über das steigende Problem mit Brettspiel-Kopien und aktuelle Fälle, erfahrt ihr im Folgenden mehr.

Brettspiel-Plagiate? WTF?

Aus dem Computerspiele-Bereich kenne ich das Problem Kopien natürlich. Früher zu Zeiten des C64 und Amiga hatte die meisten nur wenige Originale. Aber auch zu PC-Zeiten gab es viel mehr Kopien, als Originale in den meisten Spieler-Zimmern.

Das hat sich mit Online-Plattformen und Allways-On-Zwang in den letzten Jahren deutlich geändert, auch wenn es immer noch Kopien gibt.

Womit ich aber nicht gerechnet hätte, sind unerlaubte Kopien von Brettspielen. Schließlich ist eine digitale Kopie eines Computerspiels kostenlos und schnell gemacht. Eine Brettspiel-Kopie erfordert dagegen mehr oder weniger denselben Produktions-Aufwand, wie die Herstellung des Originals. Aber man spart natürlich den Entwicklungsaufwand und das ist für die Verlage und Entwickler dabei das Problem.

Die Plagiate werden ganz normal verkauft, oft natürlich günstiger, und die Urheber sehen davon keinen Cent. Für die Betrüger lohnt es sich aber immer noch.

Gute Kopien und schlechte Kopien

Was an den Brettspiel-Kopien ebenfalls erstaunlich ist, ist deren Qualität. Es gibt zwar auch nicht so gute Kopien, wie z.B. dieses Codenames“-Plagiat, aber viele andere kopierte Brettspiele sind von den Originalen nur schwer zu unterscheiden. Und selbst bei nicht so guten Kopien ist es für die meisten Käufer nicht zu erkennen, dass es etwas anders als das Original ist.

Auf diesen Bildern sieht man z.B. eine Pandemic Legacy Season 1 Kopie neben dem Original. Auf den ersten Blick ist kein Unterschied zu erkennen. Und auch beim zweiten Blick fällt dem Laien kaum was auf. Nur die Dicke der Karten ist deutlich unterschiedlich und auch der Kontrast ist schlechter. Aber wer diesen direkten Vergleich nicht hat, wird das kaum erkennen können.

Weitere aktuelle Fälle betreffen z.B. Dominion, wo der Verlag Rio Grande die betreffenden Amazon Verkäufer wegen des Verkaufes der Plagiate verklagt hat.

Bei 7 Wonders gab es ebenfalls Kopien und auf diesen Bildern werden die kleinen, aber feinen Unterschiede gezeigt.

Auch beliebte Titel wie Catan oder Zug um Zug sollen davon betroffen sein, wie Asmodee selbst in einem Interview berichtet.

Problem China

Die allermeisten Brettspiel-Verlage lassen ihre Spiele in China herstellen. Und auch wenn die Firmen dort meist seriös sind, kommt es anscheinend immer wieder vor, dass Herstellungs-Unterlagen zu Brettspielen aus den Firmen in die falschen Hände gelangen.

Laut Asmodee ist aber auch die Kopier- bzw. Scan-Technik mittlerweile so gut, dass allein damit täuschend echt wirkende Kopien machbar sind. Allerdings scheinen auch Firmen, die die notwendigen Maschinen haben, dabei mitzumachen. Ohne die notwendige Technik lassen sich solche guten Brettspiel-Kopien nicht herstellen.

Das Problem betrifft aber auch viele andere Branchen. Firmenspionage und Produktkopien plagen viele Unternehmen, die in China produzieren. Auf die Schnelle wird man das Problem sicher nicht aus der Welt schaffen können.

Was ist das Problem an den Plagiaten?

Solche Brettspiel-Plagiate werden auf verschiedenen Online-Plattformen zu relativ günstigen Preisen angeboten. So gab es letztes Jahr mal einige sehr günstige Angebote auf Amazon, bei denen im Nachinein vermutet wurde, dass es sich um Kopien gehandelt haben könnte.

Das scheint ein großes Problem auf Amazon.de zu sein, denn die Kontrolle der Drittanbieter ist nun mal sehr schwer. Besonders, wenn die Produkte nicht durch Amazon ausgeliefert werden.

Mal abgesehen davon, dass die Qualität der meisten Kopien nicht an die der Originale herankommt, gibt es noch weitere Gründe aufzupassen, dass man nicht auf so ein Angebot reinfällt. Man spart zwar etwas Geld dabei, aber wenn das z.B. die Erweiterung rauskommt, passt diese evtl. nicht richtig zum Grundspiel. Zudem ist die Qualität auch langfristig meist nicht gut, so dass sich diese Spiele eher abnutzen.

Und ganz ehrlich, der wichtigste Grund die Finger davon zu lassen ist, dass solche Kopien den Brettspiel-Verlagen und Entwicklern sehr schaden. Wir reden hier von einer Branche, in der viele Verlage zum Teil Hobby-Projekte sind, die ohne Herzblut, Engagement und vielen, vielen Überstunden wohl gar nicht existieren würden. Wenn solche Verlage dann auch noch Umsatzeinbußen durch Kopien haben, ist das meist das Ende. Aber auch die größeren Verlage verdienen sich meist keine goldene Nase und solche Kopien gefährden Arbeitsplätze. Die Brettspiel-Branche ist im Vergleich zu vielen anderen relativ klein.

Gleiches gilt auch für die Brettspiel-Entwickler. Selbst die erfolgreichsten und bekanntesten sind keine Millionäre und die Zahl der Entwicker, die in Deutschland davon leben können, liegt im eher niedrigeren zweistelligen Bereich. Auch hier schaden Kopien natürlich sehr.

Nimmt die Zahl der Brettspiel-Plagiate zu, dann sorgt das zudem dafür, dass in Zukunft weniger Spiele erscheinen. Gerade Brettspiele, die sich nicht so oft verkaufen (z.B. viele Expertenspiele) und sich gerade so über die Verkäufe refinanzieren, wird es dann sicher seltener geben.

So erkennt ihr Brettspiel-Plagiate

Auch wenn ich gern mal Schnäppchen kaufe, so möchte ich dennoch keine Kopien in meiner Brettspiel-Sammlung haben.

Deshalb sollte man vor allem bei besonders guten Angeboten skeptisch sein. Wenn ein relativ neues Brettspiel nur die Hälfte von dem kostet, was sonst überall im Netz verlangt wird, dann kann das schon ein guter Hinweis auf eine Kopie sein. Wenn es dann noch ein Händler mit Sitz in China oder zumindest außerhalb der EU ist, sollte man lieber die Finger davon lassen.

Wenn ihr dann doch mal ein Spiel gekauft habt, bei dem ihr beim Auspacken skeptisch geworden seid, meldet euch beim Verlag. Diese sind dankbar für Hinweise auf Kopien und helfen sicher auch dabei zu erkennen, ob es ein Original ist oder nicht.

Mich würde zum Schluss interessieren, ob ihr schon mal unbewusst ein Brettspiel-Plagiat gekauft habt? Seid ihr euch sicher, dass ihr in eurer Sammlung nur Originale habt? Oder ist euch das egal, Hauptsache die Spiele sind günstig?

3 Kommentare

  1. Auf Grund der Komponenten-Qualität von Teraforming Mars müsste die Schwerkraft Ausgabe auch ein Plagiat sein :D

    • Peer

      20. Februar 2018 at 21:15

      ;-) Ich persönlich weiß gar nicht, was alle immer haben. Wir spielen das Spiel regelmäßig und haben damit keine Probleme.

      Aber als Kickstarter wäre das Spiel sicher anders ausgestattet.

  2. Ich hatte letzt auf einem Flohmarkt das Spiel “Das Wirtschafts-Spiel – Prüfe deine Chancen” und dann gelesen, dass es 1978 wieder vom Markt genommen wurde, weil es eben ein Plagiat war, das Original Spiel heißt heute wohl Playboss von Ravensburger. Ansonsten habe ich kein weiteres Plagiat in meiner Sammlung, die zugegeben aber auch noch sehr klein ist :-)

    Diese Tage hatte ich erst eine Mail von Amigo gelesen, dass es gerade auf Kickstarter ein Plagiat von dem Spiel Bohnanza gibt.

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