Wie wichtig sind Geschichten in Brettspielen?

Abenteuer zu erleben während man Brettspiele spielt, ist eine tolle Sache. Ich finde es besonders schön, wenn man dabei auch noch Geschichten erlebt.

Doch wie wichtig ist eine Geschichte in Brettspielen? Auf welche Art werden Geschichten erzäht? Und was sind die Vor- und Nachteile von Stories in Brettspielen.

Ich würde mich sehr über euer Feedback zu diesem Thema freuen.

Geschichten in Brettspielen

Bei den meisten Brettspielen werden keine konkreten Geschichten erzählt. Man hat vor allem Mechaniken und bei vielen Brettspielen auch ein Thema. Letzteres ist aber meist nur mehr oder weniger gut präsentiert und eine richtige Story sucht man vergebens.

Das ist deutlich anders als z.B. bei vielen Videospielen. Dort werden sehr häufig Geschichten erzählt, auch wenn diese mal mehr und mal weniger gut sind.

Doch bei den meisten Brettspielen sind richtige Geschichten eher nicht vorhanden. Sie scheinen also nicht sehr wichtig zu sein!?

Wie entstehen die Geschichten?

Ob und wie Geschichten entstehen, hängt sehr von der Art des Brettspiels ab. Bei manchen Spielen ist es einfach schwieriger bis unmöglich eine Geschichte einzubauen. Ein Grund dafür ist, dass es schwierig ist diese Geschichte jeden Spieler auf die selbe Art erleben zu lassen. Schließlich ist man bei Brettspielen viel freier, als das z.B. bei Story-lastigen Computerspielen der Fall ist.

Wenn man sich als Spieler im Nachhinein an eine Geschichte erinnert, dann wurde diese auf eine der folgenden Arten ins Spiel eingebaut.

  • geskriptete Geschichten
    Es gibt mittlerweile Brettspiele, die im Grunde nur einmal spielbar sind. Das liegt vor allem daran, dass man eine Geschichte erlebt, die sehr klar vorgegeben ist und dann später der Reiz fehlt, sie nochmal zu erleben.

  • narative Geschichten
    Des Weiteren gibt es Brettspiele, die vor allem narativ sind. Hier steht die Geschichte und nicht die Mechaniken im Mittelpunkt. Für einen Teil der Spieler sind das dann aber auch keine richtigen Brettspiele mehr.

  • zufällige Geschichten
    Deutlich häufiger trifft man auf Brettspiele, die eher zufällig Geschichten erzählen. Dazu gibt es einzelne Story-Elemente, die dann während des Spiels variabel zusammenkommen und auf diese Weise eine Geschichte ergeben. Zudem ist hier der Wiederspielreiz deutlich höher.

  • eigene Geschichten
    Und natürlich gibt es eine große Bandbreite an Spielen, die eine Mischung aus Mechanik und etwas Story beinhalten. Das liegt unter anderem auch daran, dass dies deutlich einfacher zu designen ist, als eine tiefergehende Geschichte. Zudem entstehen bei vielen Spielern vor allem im Kopf Geschichten beim Spielen.

Diese vier Bereiche habe ich bei der Recherche für diesen Artikel aufgestellt, aber sicher kann man es auch in weniger Bereichen zusammenfassen oder manch einer findet vielleicht noch einen ganz neuen Bereich.

Klar ist für mich allerdings, dass Brettspiele mit richtig guten und tiefergehenden Geschichten selterner sind, als solche, die nur Story-Versatzstücke bieten.

Beispiele

Hier ein paar Beispiele:

  • Beispiele für geskriptete Geschichten
    Time Stories gehört sicher zu den Spielen, die stark von der klaren Geschichte leben. Auch Pandemic Legacy hat einen klaren roten Faden, auch wenn spielerisch vieles voneinander abweichen kann. Gloomhaven hat ebenfalls eine Rahmenhandlung, die storylastig ist, auch wenn im Detail dann viele Entscheidungen getroffen werden. Auch Arkham Horror – Das Kartenspiel würde ich hier dazuzählen, da die einzelnen Packs eigene Geschichten erzählen.
  • Beispiele für narative Geschichten
    Spiele wie Legacy of Dragonhold oder die sehr beliebte Black Stories Reihe leben primär von der Geschichte. Hier sind die Mechaniken zweitrangig.
  • Beispiele für zufällige Geschichten
    Brettspiele wie Oben und Unten, Eldritch Horror, This War Of Mine, Firefly oder Thunderbirds basieren zu großen Teilen auf Story-Elementen, aber diese können relativ stark durchmischt werden und kommen oft zufällig zusammen. Dadurch erleben die Spieler keine Geschichte, wie der Autor sie genau geplant hat, aber durch die vielen “Story-Fetzen” entsteht am Ende eine Geschichte.
  • Beispiele für eigene Geschichten
    Und bei einem großen Teil der Brettspiele entsteht einfach beim Spielen eine Geschichte. Diese entsteht aus den Erfahrungen, die man zusammen mit anderen macht. Aus den Mechaniken und was dadurch am Spieltisch passiert, entstehen im Kopf eigene Geschichten. So erzählen wir uns z.B. jedes mal, wenn wieder Wettlauf nach El Dorado auf den Tisch kommt, wie meine Frau mal einen großen Vorsprung vergeben hat und wie wir uns vorgestellt haben, wie das In-Game passiert ist.

Das sind natürlich nur ein paar Beispiele, die mir so eingefallen sind. Gerade für die letzte Kategorie kann man unzählige Spiele aufzählen. Ich freue mich auf jeden Fall über eure Erfahrungen und Beispiele.

Wie wichtig sind mir Geschichten in Brettspielen?

Um auf den Titel des Artikels zurückzukommen. Ich habe keine eindeutige Präferenz diesbezüglich.

So erlebe ich sehr gern Abenteuer in Brettspielen. Story-lastige Spiele gefallen mir oft sehr gut und bleiben mir lange im Gedächtnis. Das liegt unter anderem daran, dass sie einen auf emotionaler Ebene erreichen und meist etwas besonderes bieten. Das will ich nicht missen.

Aber es ist auch für mich so, dass Brettspiele in der Regel keine einmalige Erfahrung sind. Ich spiele gute Brettspiel gern immer wieder. Im Gegensatz zu Filmen und Computerspielen sind Brettspiele primär eine gesellschaftliche Erfahrung. Manchmal will man einfach Spaß haben und nicht immer nur gespannt einer Story folgen.

Deshalb finde ich eine gute Mischung toll. So gefällt mir z.B. bei Eldritch Horror oder Firefly, dass es vollwertige Spiele sind, in die man sich auch mechanisch vertiefen kann, aber die einzelnen Story-Elemente lassen im Kopf tolle Geschichten entstehen.

Aber es geht auch ganz ohne Story, wie z.B. bei Patchwork oder Azul. Hier brauche ich keine Geschichte, sondern genieße die Mechaniken und die Interaktion mit anderen. Ein Le Havre oder ein Nusfjord mag ein Thema haben, aber sie haben deshalb noch lange keine Geschichte, müssen sie aber auch nicht.

Mein Fazit

So sehr ich es mag, auch mal Geschichten in Brettspielen zu erleben, genauso wenig ist das für mich ein Muss. Ich will vor allem Spaß und oft auch eine Herausforderung beim Spielen haben. Das geht mit und ohne Story.

Wenn ich dagegen primär eine Geschichte erleben will, dann schaue ich einen Film oder lese ein Buch. Oder ich greife zu einem der wenigen Brettspiele mit einer richtigen Geschichte.

Wie ist das bei euch? Wie wichtig sind euch Geschichten in Brettspielen?

Gibt es zu wenig Brettspiele mit richtigen Geschichten, oder braucht ihr nur ein Thema und gute Mechaniken?

2 Kommentare

  1. Moin,
    grundsätzlich finde ich die Atmosphäre eines Spiels bzw. das Thema wichtig, wozu auch die Ausstattung eines Spiels gehört.
    Mit primär abstrakten Spielen, wie Azul, kann ich daher eher wenig anfangen. Die Ebene der erzählten Geschichte ist für mich nicht entscheidend.

    Gescriptete Geschichten finde ich dabei zwar grundsätzlich spannend, habe aber bisher nicht ausreichend Zeit gefunden, die meistens in Kampagnenform laufenden Spiele wirklich durchzuspielen (Maus & Mystik liegt seit 3 Jahren bei uns im Schrank, wenig und vor allem nicht durchgespielt).

    Und zufällige Geschichten, wie bei Eldritch oder auch Winter der Toten finde ich für kooperative Spiele sehr gelungen (und gerne gespielt). Für kompetetive Spiele, wie Oben und Unten oder auch Sythce finde ich ziemlich missglückt, da die grundsätzliche Mechanik meist zu stark von punktuellen Zufallselementen verändert wird.

    Viele Grüße

  2. Ich finde eine Geschichte ist immer sehr sehr wichtig in einem Brettspiel, kommt aber auch gany auf das jeweilige Brettspiel an!
    Dennoch ein super Blog, ich sage weiter so :)

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