Von der SPIEL in Essen hat jemand aus einer meiner Spielrunden Altiplano mitgebracht. Das Spiel war dort recht begehrt, aber mich hatte es ursprünglich nicht so gereizt.

Doch nachdem wir es nun ein paar mal gespielt haben, bin ich davon recht angetan und möchte deshalb im Folgenden meinen Ersteindruck von Altiplano schildern.

Worum geht es in Altiplano?

Altiplano versetzt uns thematisch in die Anden. Hier sind die bekannten Alpakas beheimatet, aber es gibt auch Rohstoffe, wertvolle Stoffe und man kann auch das eine oder andere ernten.

Und genau das machen wir dann auch in diesem Brettspiel von Reiner Stockhausen (erschienen im dlp Verlag). Wir reisen von Ort zu Ort und führen Aktionen aus, die wir auf unserem Spielertableau vorher bereitgelegt haben.

Doch es handelt sich um ein Bag Building Spiel, bei dem wir unsere Rohstoffe per Zufall aus einem Säckchen ziehen. Deshalb muss man taktisch handeln und das beste aus der Situation machen. Aber es gilt auch langfristig zu denken, um Einfluss auf die Ressourcen-Plättchen zu nehmen, die im Säckchen sind und nicht das Spielende zu verpassen.

Spielablauf

Als erstes ein paar Worte zum Spielmaterial. Mich hat im Vorfeld das Cover doch eher abgeschreckt. Es ist sicher etwas Besonderes, aber irgendwie sieht es nicht wie ein anspruchsvolles Spiel aus. Mich hätte es nicht gewundert, wenn es ein Kinderspiel gewesen wäre.

Als ich dann Fotos von den Spielmaterialien in einem Vorbericht zur Messe gesehen hatte, bestärkte mich das eher in dem Glauben, dass es nichts für mich ist. Diese einzelnen Orts-Plättchen wirken sehr komisch. Es ist kein zusammenhängender Spielplan, was ich eigentlich sehr mag.

Altiplano - Ein Teil des Spielmaterials

Altiplano – Ein Teil des Spielmaterials

Aber die einzelnen Pappteile mit den verschiedenen Orten sorgen dafür, dass es jedes mal andere Wege gibt auf denen man sich bewegen muss. Wir können uns zum Start des Spiels nur einmal kostenlos 1-3 Orte weit bewegen. Da die insgesamt 7 Orte im Kreis liegen, kommt man damit zwar einmal zu jedem anderen Ort, aber man will sich meist mehrmals bewegen und das kostet dann jedesmal Nahrung. Allerdings kommt man dadurch auch erstmal nur jeweils ein Feld weit. Das kann man aber gegen Geld verbessern.

Dieser Bewegungsmechanismus wurde von einigen im Netz kritisiert, aber ich finde zusammen mit dem Bag Building bringt das jede Menge Abwechslung. Es sind immer wieder taktische Überlegungen nötig und dennoch bastelt man auch an längerfristigen Strategien.


Zudem gibt es viele kleinere (Ressourcen) und größere (Erweiterungen) Plättchen im Spiel, die schon genannten Spielertableaus mit jeweils einem Lagerhaus und ein wackeliges Alpaka als Startspieler-Marker. Letzteres hat auf Fotos im Vorfeld auch nicht gerade dazu beigetragen, dass ich mehr Lust auf das Spiel hatte.

Mein erster Eindruck von Altiplano

Auch wenn das Thema doch ein ein wenig aufgesetzt daherkommt, so finde Altiplano spielerisch toll. Der Bag Building Mechanismus funktioniert sehr gut. Den Einfluss, den man durch die Kiste und das Lagerhaus auf den Inhalt des Beutels hat, finde ich sehr gut und lässt viel Platz zur Planung und zum Grübeln.

Das Herumreisen von Ort zu Ort, um Aktionen durchzuführen, gefällt mir ebenfalls sehr gut. Alle Spieler ziehen gleichzeitig eine bestimmte Anzahl Plättchen aus dem Beutel (diese Zahl kann man im Verlauf des Spiels steigern) und platzieren diese auf ihrem eigenen Spielertableau.

Altiplano - Auf dem Spielertableau planen wir unsere Aktionen

Altiplano – Auf dem Spielertableau planen wir unsere Aktionen

Man muss gut abwägen, was man mit den Plättchen machen kann, was man machen will und wie weit man reisen kann. Nicht selten muss man sich für eine Sache entscheiden, da selten alles geht, was man gern machen würde.

Unter anderem kann man auf dem Markt bestimmte Ressourcen verkaufen und für das Geld z.B. Aufträge erwerben oder Erweiterungen für das eigene Tableau kaufen. Letzteres ermöglicht wieder neue Aktionen.

Zudem kann man Häuser und Boote bauen, die nicht nur Siegpunkte am Ende bringen, sondern zusätzliche Rohstoffe oder Boni bei der Endwertung. Und man kann, wie schon erwähnt, auch die Reise-Reichweite vergrößern.

So schnappt man sich nach und nach immer neue Ressourcen, die man für bessere Aktionen braucht und/oder Siegpunkte bringen, erfüllt Aufträge, baut einige Dinge und füllt im späteren Verlauf das eigene Lagerhaus auf. Das sorgt einerseits dafür, dass man nicht mehr benötigte Ressourcen aus dem Nachziehbeutel “entsorgen” kann, aber es bringt auch Siegpunkte.

Meine bisherigen Partien Altiplano haben mir auf jeden Fall viel Spaß gemacht und ich habe verschiedene Strategien ausprobiert. Jeder Spieler bekommt zwar ein unterschiedliches Startplättchen mit einer besonderen Zusatzaktion, was kleine Vorteil in eine bestimmte Richtung gibt, aber es ist nicht so, dass man dadurch zu einer bestimmten Strategie gezwungen wird.

Wenn man die ersten Partien hinter sich hat, spielt es sich zudem recht flüssig, was ich ebenfalls sehr angenehm fand.

Alles in allem freue ich mich sehr auf weitere Partien und dann wird es sicher auch nochmal eine umfangreiche Rezension geben.