AZUL – Review

Fliesen legen in einem Palast und dabei “nur” ein paar Steine hin und her schieben? Kann das spannend sein?

Offensichtlich kann es das, denn Azul wurde für das Spiel des Jahres 2018 nominiert und wird den Preis meiner Meinung nach auch gewinnen.

Warum mich das relativ einfache Spielprinzip so begeistert und wie es genau funktioniert, erfahrt ihr im folgenden Review.

Was ist Azul?

Als Spieler müssen wir für Manuel I, König von Portugal, seinen Palast in Evora mit Fliesen auskleiden. Die portugiesischen Fliesen haben charakteristische Muster und sind recht farbenfroh, was man im Spiel dann auch sieht.

Azul hat nicht viel Spielmaterial, aber das ist toll - Azul Review

Azul hat nicht viel Spielmaterial, aber das ist toll – Azul Review

Das Thema ist ganz nett und die farblichen Spielsteine passen gut dazu, dennoch wirkt das Thema sehr aufgesetzt und es spielt im Spiel selbst keine Rolle.

Im Grunde ist Azul ein abstraktes Brettspiel, aber was für eins.

Azul
Pegasus Spiele 54801G - Azul (Next Move Games) Spiel des Jahres 2018
Abstrakt
Brettspiel
2 - 4 Spieler
Autor: Michael Kiesling
ab 8 Jahren
Grafiker: Philippe Guérin, Chris Quilliams
30 - 45 Minuten
Verlag: Next Move Games
für Einsteiger
Veröffentlichung: 2017
BGG-Position: 37
Sprache: Deutsch

Was ist drin?

Fangen wir beim Cover an. Die Gestaltung finde ich großartig. Man sieht darauf ein Muster aus diesen Fliesen und das ist sowohl von den Farben, als auch vom Gesamteindruck sehr schön. Es ist derzeit eines meiner Lieblings-Cover.

Die Anleitung selbst ist nicht ganz so farbenfroh. Dafür werden die Regeln sehr gut erklärt, wie ich finde. Wir konnten sehr schnell losspielen und auch neue Mitspieler sind sehr schnell drin.

Farblich wieder etwas ansprechender sind die 4 Spieler-Tableaus. Diese sind recht einfach gehalten, aber passend. Am oberen Ende findet sich ein Punkte-Track, während sich darunter die Ablageflächen für die Fliesen befinden. Ebenfalls enthalten ist eine kleine Hilfe für die Punktewertung am Schluss.

Das Spieler-Tableau hat eine Vorder- und eine alternative Rückseite - Azul Review

Das Spieler-Tableau hat eine Vorder- und eine alternative Rückseite – Azul Review

Übrigens hat das Spieler-Tableau 2 Seiten. Auf der Rückseite gibt es eine Variante für alle, die die Vorderseite schon häufig gespielt haben.

Zudem gibt es 4 kleine schwarze Würfel, mit der die Spieler ihre Punktezahl auf dem Tableau markieren. Manch einer hat kritisiert, dass dieser verrutschen würde, was bei uns aber so gut wie nie vorkommt.

Kommen wir nun zum Highlight von Azul. 100 “Fliesen”-Steine in 5 Farben/Mustern sind dabei. Diese haben eine schöne Qualität und sind aus einem wertig wirkenden Kunststoff. Nimmt man die Steine in die Hand, ist das ein sehr gutes haptisches Gefühl.

Die 100 "Fliesen"-Spielsteine fühlen sich sehr gut an - Azul Review

Die 100 “Fliesen”-Spielsteine fühlen sich sehr gut an – Azul Review

Die Spielsteine werden in einem schönen Stoffbeutel aufbewahrt, aus dem man diese nachzieht.

Zudem finden sich 9 sogenannte Manufakturplättchen aus Pappe in der Box. Das sind einfach runde Plättchen, auf die später jeweils 4 Steine kommen.

Die Steine gibt es auf den Manufakturplättchen - Azul Review

Die Steine gibt es auf den Manufakturplättchen – Azul Review

Zudem habe ich in meiner Version noch ein kleines Startspieler-Plättchen aus Pappe, was aber mittlerweile auch aus dem Material der Spielsteine besteht.

Insgesamt bringt Azul sehr schönes Material mit, was zum guten Gesamteindruck auf jeden Fall beiträgt.

So funktioniert Azul

Azul ist eigentlich ein sehr einfaches Brettspiel, so dass die Regeln schnell erklärt sind.

Zu Beginn jeder Runde werden je 4 zufällige Spielsteine auf jedes Manufakturplättchen gelegt. Die Zahl dieser Plättchen richtet sich nach der Spieleranzahl.

Dann geht es mit dem Startspieler los. Wenn ein Spieler dran ist, dann nimmt er die Steine einer Farbe von einem der Manufakturplättchen. Die anderen Steine auf diesem Plättchen kommen in die Mitte. Sind also zum Beispiel 2 rote, ein blauer und ein schwarze Stein auf dem Plättchen, könnte sich ein Spieler z.B. die 2 roten Steine nehmen und die beiden anderen in die Mitte des Spieltischens schieben.

Sobald in der Mitte Steine liegen, kann man alternativ auch alle Steine einer Farbe aus der Mitte nehmen. Der erste, der das macht, muss zudem den Startspieler-Marker nehmen, der aber in die Bodenreihe kommt und damit mindestens einen Minuspunkt bringt. Dennoch ist es nicht das schlechteste, als erster in einer Runde dran zu sein.

Die genommenen Steine legt man in die 5 linken Reihen (Musterreihen) des eigenen Tableaus, wobei es hier von oben nach unten 1 bis 5 Plätze gibt.

Die Musterreihen müssen wir voll bekommen - Azul Review

Die Musterreihen müssen wir voll bekommen – Azul Review

Man muss sich entscheiden, wohin man die Steine legt, denn jede Farbe darf nur eine Reihe hier belegen. Hat man ganz oben also z.B. schon einen roten Stein liegen, darf man in den anderen Reihen keine roten Steine mehr ablegen.

Ziel des Ganzen ist, diese Musterreihen voll zu bekommen, da man nur dann am Ende der Runde einen der Steine rechts in das Muster (hier die “Wand” genannt) legen darf. Und erst dort bekommt man dann Punkte.

Jede Stein-Farbe ist pro Reihe und Spalte der Wand nur einmal vertreten, so dass man genau überlegen muss, wo man noch Steine platzieren will. Die Variante auf der Rückseite lässt einem übrigens frei, wo welche Steinfarben liegen, aber die Regel, dass jede Farbe nur einmal pro Reihe und Spalte liegen darf, gilt auch hier.

Die Fliesen sollen an die Wand gebracht werden - Azul Review

Die Fliesen sollen an die Wand gebracht werden – Azul Review

Das geht reihum, bis keine Steine mehr auf den Manufakturplättchen und in der Mitte ausliegen. Das führt leider dazu, dass man am Ende einer Runde teilweise auch Steine nehmen muss, die nicht mehr links in die Musterreihen passen. Ist da kein Platz mehr für die Steine, dann muss man diese in die Bodenreihe legen, was am Ende der Runde Minuspunkte bringt.

In der Bodenleiste gibt es Minus-Punkte - Azul Review

In der Bodenleiste gibt es Minus-Punkte – Azul Review

Sind alle Steine aufgebraucht, endet die Runde. Aus den vollen Musterreihen kann man einen Stein nach rechts an die “Wand” schieben, die restlichen Steine kommen zur Seite. Man bekommt so viele Punkte, wie Steine in der Reihe und Spalte liegen, wo man den neuen Stein gerade abgelegt hat. Zu Beginn bekommt man also relativ wenig Punkte, aber später dann deutlich mehr.

Haben alle ihre Punkte in der Runde bekommen, dann startet eine neue Runde, indem wieder alle Manufakturplättchen mit 4 zufälligen Steinen aufgefühlt werden und der Spieler mit dem Startspieler-Marker beginnt (und diesen in die Mitte legt).

Eine Partie Azul endet, wenn der erste Spieler eine Reihe an der rechten Wand seines Tableaus voll bekommt, also 5 Steine nebeneinander liegen hat.

Abschließend gibt es noch 3 Bonuswertungen. Pro fertiger Reihe an der Wand (5 Steine) gibt es 2 Punkte, pro fertiger Spalte (5 Steine) gibt es 7 Punkte und pro Farbe, von denen man alle 5 Steine an der Wand hat, bekommt man sogar 10 Punkte.

Wie spielt sich Azul?

ZU allererst muss ich sagen, dass Azul ein tolles Spielgefühl vermittelt. Es hat einen einfachen Einstieg. Die Regeln sind schnell erklärt und nach eins zwei Runden läuft es selbst bei Erstspielern schon sehr flüssig.

Mit der Zeit merkt man aber auch, dass mehr taktische Tiefe hier drin steckt, als man am Anfang vermutet. Man stellt sich immer wieder Fragen wie:

  • Was ist noch so an Steinen da?
  • Was kann ich noch in meine Musterreihen legen?
  • Was brauchen die anderen?
  • Was ist wohl noch da, wenn ich wieder dran bin?
  • Wie kann ich vermeiden, dass ich am Ende der Runde Steine in die Bodenreihe legen muss?

Gerade das Vorausplanen und das Abschätzen der Gegner (was diese an Steinen wahrscheinlich noch brauchen) macht mir viel Spaß. Groß ist die Freude, wenn die Planung aufgeht, aber teilweise ärgert man sich auch, wenn man Steine einer Farbe nehmen muss, die man nicht mehr in seine Musterreihen legen kann und die dadurch viele Minuspunkte bringen.

Azul spielt sich dabei sehr flott, obwohl man immer wieder kleine Entscheidungen treffen muss. Durch die beschränkten Optionen besteht nach meiner Erfahrungen aber kein Grübler-Problem. Dadurch gibt es auch kaum Downtime, man ist recht schnell wieder dran.

Auch optisch ist es eine positive Erfahrung. Ständig hat man diese tollen Steine in der Hand und es sieht sehr schön aus, wenn sich das eigene Tableau mit Steinen füllt.

Wenn Azul vorbei ist, will man gleich nochmal spielen. Das ist durch die kompakte Spieldauer von meist 30 bis maximal 45 Minuten auch sehr gut möglich.

Mein Fazit

Wir sind uns sicher: Azul hat das Zeug zum Klassiker!

Die einfachen und eleganten Regeln machen es zu einem sehr guten Spiel für Nichtspieler. Aber auch Vielspieler haben an diesem Brettspiel Spaß und finden eine Herausforderung.

Etwas problematisch ist es, wenn ein erfahrener Azul-Spieler mit jemandem spielt, der das Spiel zum ersten Mal sieht. Letzterer hat dann wohl kaum eine Chance. Aber das ist bei vielen Spielen so und Schach kritisiert man deswegen ja auch nicht.

Wir haben jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass man Azul immer wieder spielen will. Es ist sehr schnell aufgebaut, macht großen Spaß und hat eine sehr angenehme Spieldauer, gerade auch für den Feierabend.

Dennoch bietet es Herausforderungen, verschiedene Strategien und eine Menge Taktik.

Azul bekommt von mir eine klare Kaufempfehlung.

Azul

9.3

Spielidee

8.0/10

Qualität

10.0/10

Zugänglichkeit

9.5/10

Spielspaß

10.0/10

Preis/Leistung

9.0/10

Vorteile

  • elegante Regeln
  • tolles Material
  • leichter Einstieg, taktische Tiefe
  • mit 2, 3 und 4 Spielern toll

Nachteile

  • leichter Ärgerfaktor
  • aufgesetztes Thema

2 Kommentare

  1. Das ist auch eines meiner Lieblingsspiele für zwischendurch und auf Reisen.
    Allerdings gibt es am Anfang immer etwas größeren Erklärbedarf bei neuen Mitspielern.

  2. Toller Beitrag mal wieder!

    Ich muss sagen, es ist wirklich ein tolles Spiel und ich glaub ebenfalls, dass es das Spiel des Jahres wird. Eigentlich würde es mich schon ganz stark wundern, wenn nicht…
    Der Hersteller wurde mit der Nachfrage aber sowas von überrumpelt, man kommt ja absolut nicht hinterher, was echt schade ist, den irgendwie passt das Spiel, das Artwork, die Tiles absolut zum tollen Sommerwetter, aber nicht jeder kann es bekommen.

    Als Vielspieler finde ich den Erklärbedarf aber gering, man spielt eine Runde, lernt dabei und in der zweiten Runde hat man verstanden worum es geht.

    Das Spiel gehört in den Urlaubskoffer.

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