Chronicles of Crime – Review

Chronicles of CrimeChronicles of Crime gehört zu der neuen Welle an Storytelling-Brettspielen, die seit ein paar Jahren verstärkt zu sehen ist. Statt klassisch auf einem Spielbrett Siegpunkte zu sammeln, geht es hier darum eine Geschichte zu erleben und Kriminalfälle zu lösen.

Ich habe Chronicles of Crime von Corax Games* gespielt und stelle es in meinem Review ausführlich vor.

Dabei erfahrt ihr, wie es funktioniert und ob es mir gefallen hat.

(Hinweis: Das Spiel wurde mir vom Verlag kostenlos bereitgestellt.)

Wie gut ist Chronicles of Crime? – Fazit

9.1

Als ich Chronicles of Crime damals auf Kickstarter gesehen habe, fand ich es schon ganz interessant. Allerdings war es da noch auf englisch und deshalb habe ich doch lieber die Finger davon gelassen, da schon viel Text auf der App dabei ist. Als es Corax Games dann aber auf deutsch herausgebracht hat, war ich sehr interessiert.

Und Chronicles of Crime hat meine Erwartungen noch übertroffen. Ich finde die Umsetzung der Spielidee sehr gelungen. Man hat hier wirklich das Gefühl als Ermittler unterwegs zu sein und die einfache QR-Code-Mechanik geht einem bald in Fleisch und Blut über, so dass man sich ganz auf den Fall konzentrieren kann. Manch einer wird vielleicht gerade diesen Mangel an Mechaniken nicht gut finden, aber ich finde genau das macht das Spiel aus. Man taucht in diese Kriminal-Abenteuer ein und wird nicht von irgendwelche sperrigen Regeln und Mechaniken wieder rausgerissen. Die Immersion ist hier sehr stark, nicht nur in den 3D-Sequenzen.

Die App finde ich ebenfalls sehr gut, trotz des einen oder anderen Rechtschreibfehlers. Manch einer könnte auch hier wieder kritisieren, dass man Chronicles of Crime auch rein als Computerspiel hätte umsetzen können und da ist was dran. Aber dann würde man nicht in gemütlicher Runde mit anderen Spielern zusammensitzen, kommunizieren und gemeinsam rätseln.

Wir haben in der Familie zu dritt auf jeden Fall viel Spaß damit gehabt und auch solo funktioniert das Spiel gut. Hier fehlt dann zwar das gemeinsame Rätseln und die Kommunikation, aber es macht auch Spaß. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass es von dieser Art Spiel nicht wirklich viel anderes auf dem Markt gibt.

Und so kann ich nur eine klare Kaufempfehlung für Chronicles of Crime geben. Für alle, die gern einen Mordfall lösen und sich wie die Ermittler ins Serien wie NCIS und Co. fühlen wollen, ist es das perfekte Spiel meiner Meinung nach.

Was ist Chronicles of Crime?

In Chronicles of Crime geht es kooperativ (gemeinsam) darum Kriminalfälle zu lösen. Dafür reisen wir in London von Ort zu Ort, untersuchen Tatorte und sprechen mit Zeugen und Verdächtigen.

Zudem haben wir Spezialisten zur Hand, die uns bei der Beweismittel-Analyse, Informationsbeschaffung und anderen Polizei-Aufgaben unterstützen.

Am Ende gilt es das Verbrechen aufzuklären und den oder die Täter zu überführen.

Chronicles of Crime
 
Heute
Brettspiel
1 - 4 Spieler
Autor: David Cicurel
ab 25 Jahren
Grafiker: Matijos Gebreselassie, Mateusz Komada, Katarzyna Kosobucka
60 - 90 Minuten
Verlag: Corax Games
für Einsteiger
Veröffentlichung: 2018
BGG-Position: 130
Sprache: Deutsch

Was ist drin?

Chronicles of Crime wurde Anfang 2018 als Kickstarter gelaucht und war dort recht erfolgreich. Knapp 800.000 Dollar kamen zusammen. Der Merseburger Brettspielverlag Corax Games hat das Spiel dann auf deutsch umgesetzt und veröffentlicht.

Das Box-Cover zeigt eine schöne Zeichnung eines englischen Polizisten vor einer Fall-Tafel, auf der Verdächtige, Orte und mehr befestigt wurden. Das zeigt schon sehr gut, worum es hier geht

In der Box findet sich zum einen die Anleitung, die gerade mal 8 Seiten umfasst. Zudem enthält sie relativ wenig Text, da das Spielprinzip selbst sehr einfach ist. Dazu dann aber später mehr.

Der Hinweisspielplan sieht zwar aus wie ein Spielbrett, enthält aber eigentlich nur Platz für Hinweise, die man im Spiel findet. Zudem kann man hier die verschiedenen Orte, die man in einem Fall besucht, anlegen. Wirklich notwendig ist der Hinweisspielplan nicht.

Des Weiteren gibt es 17 Ortstafeln, die jeweils Platz für bis zu 3 Personen bieten. Diese können wir jeweils bereisen, wenn diese Orte in London z.B. von Zeugen genannt oder durch Beweise enthüllt werden.

Chronicles of Crime - Ein Teil der besuchbaren Orte in London

Chronicles of Crime – Ein Teil der besuchbaren Orte in London

4 Mitarbeiter-Tafeln zeigen Personen, die einen bei der Ermittlung unterstützen. Ein Arzt, eine Wissenschaftlerin, ein Kriminologe und einen Hacker.

Chronicles of Crime - Die 4 forensischen Kontakte

Chronicles of Crime – Die 4 forensischen Kontakte

Zudem gibt es 55 Charakter-Karten, die je nach Szenario zum Einsatz kommen, bzw. denen man an verschiedenen Orten begegnen kann. Diese Charaktere kommen nicht alle in jedem Fall vor und können zudem von Fall zu Fall unterschiedliche Rollen übernehmen.

Chronicles of Crime - Ein Teil der Personenkarten

Chronicles of Crime – Ein Teil der Personenkarten

Ebenso sind die 52 Hinweis- und Sonderkarten bei der Tatort-Recherche verfügbar und je nach Fall wichtig oder weniger wichtig.

Chronicles of Crime - Ein Teil der Hinweiskarten

Chronicles of Crime – Ein Teil der Hinweiskarten

Das besondere Schmankerl an Chronicles of Crime ist zudem die kleine 3D-Brille, die man auf das eigenen Smartphone steckt und mit der man dann in der App einen Tatort (oder auch andere Orte) in 3D untersuchen kann. Diese Brille ist sehr einfach, aber sie funktioniert.

Chronicles of Crime - Die 3D Brille für das Smartphone

Chronicles of Crime – Die 3D Brille für das Smartphone

Zudem muss man sich noch die kostenlose Chronicles of Crime App für das eigene Smartphone oder das Tablet installieren. Diese ist notwendig, um das Spiel spielen zu können.

Alles in allem ist das Material sehr gut umgesetzt, aber auch überschaubar. Mehr wird nicht benötigt, um spannende Fälle zu erleben.

So funktioniert Chronicles of Crime

Chronicles of Crime - Die App mit dem QR-Code Scanner

Chronicles of Crime – Die App mit dem QR-Code Scanner

Chronicles of Crime ist vom Spielmechanismus recht einfach. Es geht darum ein Verbrechen aufzuklären und dabei Orte zu besuchen, mit Personen zu sprechen, Hinweise zu finden und diese zu analysieren. Das geschieht mit Hilfe der App und den QR-Codes, die auf allen Ortstafeln, Personenkarten und Hinweiskarten aufgdruckt sind. Will man also von Ort A zu Ort B, dann scannt man einfach den QR-Code von Ort B ein und gelangt dorthin.

Das Sprechen mit Personen funktioniert ebenso über das Einscannen des QR-Codes. Will man dann eine Person z.B. zu einer anderen Person befragen, dann scannt man im Gepräch einfach den QR-Code der anderen Person ein. Genauso funktioniert es mit den Hinweis-Karten. Die App übernimmt dabei dann immer den jeweiligen Gesprächspartner und so erfährt man von diesen Personen eine Menge oder bekommt Infos zu den Orten.

Eine Besonderheit sind die 4 sogenannten Forensischen Kontakte, die man bei den Ermittlungen um Hilfe bitten kann. Der Hacker hilft einem z.B. dabei Computer zu analysieren oder Daten zu beschaffen. Die Wissenschaftlerin analysiert Blut oder andere Gegenstände. Der Arzt obduziert eine Leiche und so weiter.

Das Highlight des Ganzen und der Startpunkt der Fälle ist aber der 3D Modus. Mit Hilfe des Smartphones und der 3D Brille kann man sich darin frei umsehen und den anderen Mitspielern sagen, was man dort sieht. Diese Hinweise und Gegenstände suchen die Mitspieler dann aus den Hinweiskarten heraus. Im späteren Verlauf der Fälle gibt es dann weitere Möglichkeiten sich in 3D Umgebungen umzusehen.

Die gefundenen Hinweise werden anschließend auf die beschriebene Art analysiert, wobei sich dabei herausstellt, welche für den Fall wichtig sind und welche nicht. Und so erhält man nach und nach weitere Informationen, befragt Personen, gelangt zu neuen Orten und so weiter. Auf diese Weise kommt man dem Geheimnis des Falles näher, aber es gibt auch immer wieder Wendungen und neue Informationen. Richtige Aha- bzw. WTF-Momente hat man ja sonst auch nicht so oft in Brettspielen.

Am Ende sollte man vor Ablauf des Arbeitstages dem Inspektor einige Fragen richtig beantworten können, um die beste Punktzahl zu erreichen. Dabei spielen nicht nur die richtigen Antworten eine Rolle, sondern auch die Zeit, die man benötigt hat. Denn jede Fahrt zu einem anderen Ort, jedes Gespräch und jede Analyse kosten Zeit. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass man alles fünfmal macht. Auf der anderen Seite lässt einem das Spiel aber auch die Freiheit länger zu brauchen und so kann man das Spiel spielen, wie man es möchte.

Wie spielt sich Chronicles of Crime?

Da Chronicles of Crime ein kooperatives Spiel ist, welches zudem von den eigenen Schlussfolgerungen und der Kommunikation untereinander lebt, treten die Mechaniken in der Hintergrund. Einzig die Nutzung der QR-Codes muss man erstmal verstehen, was aber im Tutorial sehr gut erklärt wird. Hier lernt man, wie das Spiel grundsätzlich funktioniert.

In den richtigen 5 Fällen der Grundbox aber fühlt man sich wie Ermittler, die den Spuren folgen, neue Hinweise/Beweise finden und mit Personen sprechen. Ich habe bisher kein anderes Spiel gespielt, bei dem man sich wirklich so sehr wie ein Ermittler fühlt und einen realen Kriminalfall bearbeitet.

Ich würde immer ein Smartphone empfehlen, da dies einfacher zu handhaben ist, als ein Tablet, und auch die 3D-Brille für Smartphones gedacht ist. Man kann zwar auch ohne 3D spielen und die Orte einfach in 2D und 360 Grad Rundumsicht untersuchen, aber 3D ist schon deutlich cooler.

Hin und wieder kommt man an den Punkt, wo man Personen einfach mal blind nach anderen Personen oder Hinweisen befragen muss, weil einem noch eine heiße Spur fehlt. Aber meist hat man immer irgendwelche Hinweise, denen man nachgehen kann und die einem zu neuen Hinweisen und Personen führen. Wir sind jedenfalls nie in eine Sackgasse geraten.

Problematisch könnte in einigen Gruppen das Alpha-Spieler-Problem werden. Zumindest gibt es potentiell die Gefahr, dass ein Spieler alles an sich reißt, das Smartphone nicht aus der Hand gibt und so das Spiel dominiert. Das war bei uns aber nicht der Fall. Wir haben das Smartphone immer wieder weitergegeben, so dass jeder mal damit dran war die Texte vorzulesen bzw. die Orte in 3D zu untersuchen.

Wir haben uns zudem keine Gedanken über die Zeit gemacht, die wir verbrauchen. Ortswechsel benötigen z.B. 20 Minuten Spielzeit im Spiel und Befragungen bzw. Hinweisanalysen kosten jeweils 5 Minuten. Will man die optimale Punktzahl am Ende erreichen, muss man also ein wenig darauf achten, nicht zu viel Zeit zu verschwenden, denn es gibt eine Ziel-Uhrzeit im Spiel (Feierabend). Aber man kann Chronicles of Crime auch ganz entspannt spielen und einfach die Geschichte genießen.

Es kommen mehr Fälle

5 Fälle plus ein Tutorial sind in der Grundbox enthalten. Weitere Fälle für die Grundbox gibt es bereits für je 5,49 Euro als Download in der App und weitere sind für die nächsten Monate angekündigt. Wenn das Spiel gut ankommt, sind weitere Fälle wahrscheinlich. Den Preis pro Fall finde ich für gute 2 Stunden sehr gute Unterhaltung okay. Der Vergleich mit einem Kinoabend (der deutlich teurer ist) ist auch hier wieder ganz gut passend. Da man jeden Fall aber im Grunde nur einmal spielen kann, mag sich der eine oder andere an den Preisen stören. Das ist halt sehr subjektiv.

Chronicles of Crime - Abenteuer Brettspiele Thematische EmpfehlungIch freue mich jedenfalls schon sehr auf die beiden Erweiterungen, die Anfang 2019 erscheinen sollen. Diese bringen neuen Karten und Orte mit und beinhalten teilweise sogar neue Mechaniken.

Das Insert der Grundbox ist bereits für das Material der beiden Erweiterungen vorbereitet, was ich echt gut finde.

Chronicles of Crime

9.1

Spielidee

9.5/10

Qualität

9.0/10

Zugänglichkeit

9.0/10

Spielspaß

9.5/10

Preis/Leistung

8.5/10

Vorteile

  • 5 tolle Kriminal-Geschichten plus Tutorial
  • einfache Spiel-Mechanik
  • App ist sehr gut umgesetzt
  • Immersion ist sehr gut
  • weitere Fälle zum Download

Nachteile

  • Alpha-Spieler Gefahr
  • Fälle nur einmal spielbar
  • weitere Fälle kosten Geld

1 Kommentar

  1. Super Bericht! Hab mir das Spiel gekauft und das Tutorial gespielt. Das macht definitive Lust auf mehr. Wo ich mir unsicher bin, sollten die Kampagnen genau in der vorgegebene Reihenfolge (App) gespielt werden?
    Bin mir unsicher, da direkt die 1. Kampagne aus drei Fällen besteht (leicht, schwer, schwer). Die 2. Kampagne nur aus einem Fall (leicht) und die 3. ebenfalls aus einem Fall (mittel). Vom Gefühl her würde ich die Reihenfolge 2, 3 und abschließend 1 bevorzugen. Oder bauen die Kampagnen aufeinander auf?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.