Schmidt Spiele 49341 Die Quacksalber von Quedlinburg, blauWERBUNG
In Quedlinburg treffen sich jedes Jahr die Quacksalber aus dem ganzen Land, um ihre Tränke und Salben auf einem Basar zu verkaufen.

Die Spieler schlüpfen in Die Quacksalber von Quedlinburg jeweils in die Rolle eines solchen Quacksalbers und versuchen möglichst tolle Tränke in ihren Kesseln anzurühren.

Wie das neue Brettspiel des Autoren-Shootingstars Wolfgang Warsch funktioniert, was das Besondere daran ist und wie es mir gefällt, erfahrt ihr im Folgenden.

Was ist Die Quacksalber von Quedlinburg?

Zum Zeitpunkt meines Reviews steht Die Quacksalber von Quedlinburg auf der Nominierungsliste zum Expertenspiel des Jahres 2018. Und es hat gute Chancen zu gewinnen.

Das Spielmaterial hat einen hohen Aufforderungscharakter - Die Quacksalber von Quedlinburg

Das Spielmaterial hat einen hohen Aufforderungscharakter – Die Quacksalber von Quedlinburg

Wie schon im Einleitungstext angesprochen, versuchen wir möglichst viele Zutaten in unsere Kessel zu bekommen, um viele Siegpunkte und Geld zu erhalten. Von letzterem kaufen wir uns dann wieder neue tolle Zutaten, die wir beim nächsten Durchgang nutzen können.

2 bis 4 Spieler versuchen hier möglichst erfolgreich zu sein und am Ende der 9 Runden die meisten Siegpunkte zu haben.

Die Quacksalber von Quedlinburg
Schmidt Spiele 49341 Die Quacksalber von Quedlinburg, blau
Geschichte
Brettspiel
2 - 4 Spieler
Autor: Wolfgang Warsch
ab 10 Jahren
Grafiker: Dennis Lohausen
40 - 50 Minuten
Verlag: Schmidt Spiele
für regelmäßige Spieler
Veröffentlichung: 2018
BGG-Position: 1349
Sprache: Deutsch

Was ist drin?

Bevor ich zum Spielablauf komme, schauen wir erstmal auf bzw. in die Box. Das Box-Cover finde ich gut gelungen. Es schwankt etwas zwischen 90er Jahre und heute. Es ist sehr farbfroh und stimmt gut ins Thema des Spiels ein.

Die Anleitung ist gerade mal 8 Seiten “dick” und relativ groß beschrieben. Das zeigt schon, dass dieses Spiel nicht allzu kompliziert ist. Zudem ist als zweites Heft noch “Der Almanach der Zutaten” dabei, worin die jeweils 4 Seiten der Zutatenbücher beschrieben werden.

Das zentrale Spielbrett mit Rundenanzeiger in Form von Öl-Lampen und natürlich der Punkteleiste ist schön gestaltet. Zudem finden sich hier die einzelnen Schritte der Rundenwertung, was ich sehr hilfreich finde.

Auch der Rundenanzeiger samt Siegpunktleiste ist toll gestaltet - Die Quacksalber von Quedlinburg

Auch der Rundenanzeiger samt Siegpunktleiste ist toll gestaltet – Die Quacksalber von Quedlinburg

Vier Spieler-Tableaus sind natürlich auch mit dem. Diese zeigen vor allem den eigenen Kessel. Darin findet sich eine Spirale, auf die dann die Zutaten gelegt werden. Zudem finden sich Infos auf dem Tableau, was zum Start in den eigenen Zutatenbeutel kommt und wann der Kessel explodiert und was dann passiert.

Je mehr Zutaten man legen kann, um so mehr Punkte und Geld gibt es - Die Quacksalber von Quedlinburg

Je mehr Zutaten man legen kann, um so mehr Punkte und Geld gibt es – Die Quacksalber von Quedlinburg

Übrigens gibt es auf der Rückseite eine Kessel-Variante mit zusätzlichen Möglichkeiten, was ebenfalls für Abwechslung sorgt.

Ein weiteres zentrales Spielelement sind die 12 Zutatenbücher mit jeweils einer Vorder- und einer Rückseite. Darauf finden sich Informationen zum Kauf der Zutaten und deren Effekte während des Spiels bzw. am Rundenende.

Die verschiedenen Zutatenbücher bringen viel Abwechslung - Die Quacksalber von Quedlinburg

Die verschiedenen Zutatenbücher bringen viel Abwechslung – Die Quacksalber von Quedlinburg

Stichwort Zutaten. Über 200 Zutaten-Chips aus Pappe liegen dem Spiel ebenfalls bei. Diese erwirbt man, steckt sie in den eigenen Beutel und zieht diese dann zufällig, um dem eigenen Kessel damit zu befüllen.

Die Zutaten-Chips in ihrer ganzen farblichen Pracht - Die Quacksalber von Quedlinburg

Die Zutaten-Chips in ihrer ganzen farblichen Pracht – Die Quacksalber von Quedlinburg

Für jeden Spieler gibt es natürlich einen schwarze Beutel und es sind zudem 20 Rubine dabei, mit denen man bestimmte Dinge machen kann. Einige Marker und die Spielsteine finden sich ebenfalls in der Box. Letztere sind aus Holz, aber leider farblich nicht passend zu den sonstigen Spierlfarben.

Es gibt die Spielerfarben Blau, Gelb, Rotbraun und eine Art Armeegrün. Auf den Kesseln und Markern sind diese Farben auch so vorhanden. Die Holz-Spielsteine sind dagegen in den Farben Gelb, Braun, Silber und Gold gehalten. Eine sehr merkwürdige Farbwahl.

Zudem gibt es noch einen sechsseitigen Würfel mit Boni und zu guter Letzt noch Wahrsagerkarten, die für jede Runde bestimmte andere Voraussetzungen oder Änderungen bringen.

Eventkarten für jede Runde - Die Quacksalber von Quedlinburg

Eventkarten für jede Runde – Die Quacksalber von Quedlinburg

Insgesamt finde ich das Material von Die Quacksalber von Quedlinburg sehr schön und ansprechend.

So funktioniert Die Quacksalber von Quedlinburg

Hier erstmal die Kurzfassung:

Im Grunde funktioniert Die Quacksalber von Quedlinburg recht einfach. Die Spieler ziehen (gemeinsam) zufällig einzelnen Zutaten aus ihrem Beutel und platzieren diese in ihrem Kessel. Das machen Sie solange, bis sie aufhören wollen oder bis der Kessel explodiert, weil zu viele Knallerbsen gezogen wurden.

Sind alle Spieler fertig mit dem Auslegen der Zutaten, geht es zur Rundenwertung. Neben anderen Dingen bekommt man vor allem Siegpunkte und Geld, je nachdem wie weit man mit seinen Zutaten im Kessel gekommen ist. Die Siegpunkte werden auf der Siegpunktleiste abgetragen und mit dem Geld kann man bis zu 2 unterschiedliche Zutaten-Chips kaufen, um so den eigenen Beutel weiter zu füllen.

Ist der Kessel allerdings explodiert, hat man also 8 oder mehr Knallerbsen ausliegen, muss man sich für eines davon (Geld oder Siegpunkte) entscheiden, was schon weh tun kann.

Das geht insgesamt 9 Runden so und am Ende hat der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewonnen.

Etwas ausführlicher
Erklärt man dieses Brettspiel allerdings zum ersten mal, dauert es doch ein wenig länger. Das liegt an einigen kleinen Zusatzfeatures und vor allem den verschiedenen Zutaten und ihren Wirkungen.

Jeder fängt mit der selben Grundausstattung an. Das sind zum einen ein grüner Einser-Chip und ein orangener Einser-Chip. Zum anderen hat man diverse weiße Zutaten im Beutel und das sind die Knallerbsen. Ein Dreier-Chip, 2 Zweier-Chips und 4 Einser-Chips. Wer gut mitgezählt hat wird bemerkt haben, dass das zusammen 11 Knallerbsen sind. 7 darf man allerdings maximal in seinen Kessel legen, bevor dieser explodiert.

Das bedeutet, dass man zu Beginn weit weniger Chips legen kann, bevor man aufhören muss, bzw. der Kessel explodiert. Später kauft man sich verschiedene farbige Zutaten hinzu, wodurch man seltener die weißen an dem Beutel zieht und im Kessel weiter voran kommt.

Dabei wird eine Zutat immer soweit nach der vorherigen auf die Spirale im Kessel gelegt, wie sie wert ist. Eine rote Zutat mit dem Wert 4, wird also auf das vierte Feld nach der vorherigen Zutat gelegt.

Die Zutaten
Gerade für Einsteiger etwas anspruchsvoll machen es die verschiedenen Fähigkeiten der farbigen Zutaten. Abgesehen von den orangenen Zutaten haben diese entweder eine Sofort-Eigenschaft oder bieten Boni am Ende einer Runde. Und um es noch komplizierter zu machen, gibt es von den 5 farbigen Zutatenbüchern gelb, grün, rot, blau und lila auch noch 4 Seiten. Hier ändern sich dann auch noch die Fähigkeiten der Zutaten.

Am Anfang soll man mit den Einer-Seiten der Zutatenbücher spielen. Zieht man z.B. eine blaue Zutat, darf man diese normal legen und danach dann je nach Wert dieser Zutat (1,2 oder 4) entsprechend viele Zutaten aus dem Beutel ziehen und eine davon darf man dann legen.

Rote Zutaten-Plättchen machen an sich nichts, aber liegen ein oder zwei orangene Zutaten-Chips bereits vorher im Kessel, dann darf man den roten Chips ein Feld weiter setzen. Gibt es sogar schon 3 oder mehr orangene Plättchen, dann sogar 2 Felder weiter vorn.

Und so bietet jede der Zutaten bestimmte Vorteile und Boni. Es ist deshalb eine gute Strategie sich auf eine oder zwei Farbe zu konzentrieren, um diese Boni und Kombinationen voll auszuschöpfen.

Durch die 4 Varianten je Zutat gibt es insgesamt wohl rund 2.000 Kombinationen im Spiel, was die Abwechslung und den Wiederspielreiz natürlich enorm steigert.

Am Anfang jeder Runde wird zudem eine Wahrsagerkarte gezogen. Diese bestimmt, welche Sonderregel es in dieser Runde gibt. So wird z.B. für eine Runde das Maximum an Knallerbsen im eigenen Kessel von 7 auf 9 erhöht, bevor er explodiert. Hiermit wird jeder Runde eine keine Besonderheit hinzugefügt.

Rundenwertung
Sind alle Spieler fertig mit dem Ziehen und Legen von Zutaten, wird das Rundeende abgearbeitet, auf das ich oben schon mal kurz eingegangen bin. Als erstes darf der (oder die) Spieler einen Bonuswürfel werfen, der/die am weitesten in dieser Runde in ihrem Kessel vorangekommen sind, ohne dass dieser explodiert ist. Das können 1 oder 2 Siegpunkte sein, aber z.B. auch ein weiterer orangener Chip.

Als zweites werden die schwarzen, grünen und lilanen Chips abgearbeitet, da diese am Rundenende Boni bringen.

Danach wird geschaut, ob man einen Rubin bekommt, was der Fall ist, wenn auf dem nächsten Feld nach der letzten gelegten Zutat ein Rubin abgebildet ist.

Ebenfalls das nächste Feld nach der zuletzt gelegten Zutate ist wichtig für die Siegpunkte, die man bekommt und das Geld, was man zum Kaufen von Zutaten ausgegeben kann. Mit der Ausnahme, dass man bei einem explodierten Kessel nur die Siegpunkte oder das Geld nehmen kann.

Das Geld gibt es übrigens nicht in physischer Form. Man gibt es gleich wieder zum Kaufen von Zutaten aus. Was übrig bleibt, verfällt.

Zu guter Letzt kann man für 2 Rubine entweder den eigenen Tropfen im Kessel vorrücken, welcher den Startpunkt für das Auslegen von Zutaten kennzeichnet oder eine Flasche wieder auffüllen, die jeder Spieler hat. Das ist ein Joker, mit dem man einmalig eine gezogene Zutat wieder in den Beutel zurückwerfen kann, wenn man diese nicht legen möchte (außer sie bringt den Kessel zum explodieren, dann darf man den Joker nicht nutzen).

Sehr schön finde ich, dass es noch einen Aufholmechanismus gibt, die Rattenschwänze. Diese sind auf der Siegpunktleiste zu finden. Am Anfang jeder Runde schaut man, wie viele Rattenschwänze die Spieler 2 bis 4 vom Führenden trennen. So viele Felder weiter vorn darf man in der aktuellen Runde im Kessel mit dem Legen eigener Zutaten anfangen.

Nach der neunten und letzte Runde kann man das erreichte Geld und ggf. vorhandene Rubine dann noch in Siegpunkte umwandeln und dann steht der Sieger fest.

Wie spielt sich Die Quacksalber von Quedlinburg?

Während der eigentliche Grundmechanismus sehr schnell erklärt ist, brauchen die Details dann doch etwas länger. Das wird der Grund dafür sein, dass das Spiel als “Expertenspiel des Jahres” nominiert wurde und nicht als “Spiel des Jahres“.

Es bedarf schon 1-2 Spiele, bevor man die Details alle intus hat und dann kommen ja nach und nach noch die anderen Zutaten-Varianten, die wieder andere Strategien ermöglichen bzw. erfordern.

Gerade diese Vielfalt in den Kombinationen und unterschiedlichen Boni macht Die Quacksalber von Quedlinburg so abwechslungsreich. Während der Grundmechanismus sehr einfach ist, sind die neuen Zutaten und die möglichen Strategien das Salz in der Suppe.

Meiner elfjährigen Tochter hat es sehr gut gefallen. Das Ziehen der Zutaten aus dem Beutel ist spannend, da natürlich ein großer Glücksfaktor dabei ist. Aber umso schöner ist es, wenn man genau das zieht, was man sich erhofft hat.

Auf der anderen Seite hat meine Tochter sicher nicht alle taktischen und strategischen Möglichkeiten erkannt, die sich hier bieten, kann aber dennoch sehr gut mit uns spielen. Insofern ist es doch wieder ein tolles Familien-Brettspiel, wie ich finde.

Spielmaterial für ein 2 Spieler-Spiel - Die Quacksalber von Quedlinburg

Spielmaterial für ein 2 Spieler-Spiel – Die Quacksalber von Quedlinburg

Mein Fazit

Alles in allem gefällt mir Die Quacksalber von Quedlinburg sehr gut. Es ist unterhaltsam, bietet viele Möglichkeiten für strategische Überlegungen, beinhaltet dennoch einen gewissen Glücksfaktor und es gibt kaum Downtime, weil alle gleichzeitig ihre Zutaten ziehen können.

Sehr gut gefällt mir unter anderem der Aufholmechanismus mittels der Rattenschwänze. Etwas problematisch ist dagegen die letzte Runde, wo man explizit gleichzeitig ziehen soll, damit man nicht seine eigenen Aktionen von denen der Mitspieler abhängig machen kann. So ganz vermeiden lässt sich das aber nicht.

Ebenfalls nicht jedermans Sache ist sicher der “Push your Luck”-Faktor. Das mögen vor allem strategisch denkende Spieler nicht so sehr. Dabei kann es Frustmomente geben. Es kann halt passieren, dass man trotz vieler gekaufter Zutaten nur Knallerbsen zieht, was mir z.B. in einer der letzten Partien in der 9. Runde passiert ist und dann hat man keine Chance mehr zu gewinnen. Allerdings ist dafür die Spieldauer nicht so lang. Mit drei Spielern waren wir nach ein paar Partien bei rund 40 Minuten pro Spiel angekommen. Da habe ich dann auch nicht so das Problem mit ein wenig Zufall.

Die Quacksalber von Quedlinburg gefällt mir sehr gut und kam bei uns in der Familie sehr gut an. Deshalb kann ich die Nominierung zum Kennerspiel 2018 verstehen und eine Kaufempfehlung geben. Bei uns wird es sicher noch oft auf den Tisch kommen, bis wir auch die letzte Zutatenkombination ausprobiert haben.

Die Quacksalber von Quedlinburg

8.7

Spielidee

8.5/10

Qualität

9.0/10

Zugänglichkeit

8.0/10

Spielspaß

9.0/10

Preis/Leistung

9.0/10

Vorteile

  • Tolles Thema
  • Viel Abwechslung, u.a. durch Zutatenbücher
  • So gut wie keine Downtime
  • Schöne Gestaltung
  • Ideal für "Push Your Luck"-Fans

Nachteile

  • Zufallsfaktor ist nicht zu unterschätzen
  • Farben der Spielmarker nicht ideal