Die SPIEL.digital war in diesem Jahr trotz kleiner technischer Probleme und wenig Vorbereitungszeit ein Erfolg und unter anderem der offzielle Messe-Livestream hat viele Brettspieler angelockt.

Dennoch vermissen viele den normalen Messe-Besuch in Essen und da stellt sich doch die Frage, ob eine digitale Brettspiel-Messe überhaupt einen Platz in Zukunft hat.

Ich gehe im Folgenden dieser Frage nach, schildere verschiedene Szenarien und freue mich natürlich auch über eure Meinung dazu.

Ein digitaler Erfolg

148.000 individuelle Besucher waren über die 4 Messetage auf der Website der SPIEL.digital und haben sich dort auf den Ständen umgesehen.

SPIEL.digital Stand

Aber nicht nur das, viele haben auch über Tabletopia und Discord Spieleerklärungen genutzt und selber online Neuheiten ausprobiert.

SPIEL.digital Tabletopia

Verlage wie Frosted Games, Pegasus Spiele und Board Game Circus berichten über viel Interesse seitens der Messe-Besucher und waren mit der Veranstaltung sehr zufrieden.

Und auch die sonstigen Medienangebote wurden gut genutzt. Der offizielle Messestream hat tausende Zuschauer gleichzeitig und kam in der Community gut an.

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Ergebnis

Kritische Stimmen zur SPIEL.digital

Allerdings war nicht alles perfekt. Viele virtuelle Messe-Stände waren so leer wie die Toilettenpapierabteilung im Supermarkt am Anfang der Pandemie. Viele Verlage, gerade ausländische, haben zwar einen Stand auf der SPIEL.digital gebucht, aber kaum Informationen darin bereitgestellt. Oft bliebt es bei einem Brettspiel-Cover und 2 Sätzen.

Und auch von einer Standbetreuung mit virtuellen Spieltischen war auf vielen Ständen nichts zu sehen. Deshalb waren da sicher auch nicht viele Besucher unterwegs.

Kritisch äußerte sich auch Uli von Spielworxx, der einige nachvollziehbare Punkte genannt hat, aber bei manchen meiner Meinung nach auch zu kritisch ist. Dass kleinere Verlage nicht so viel Aufmerksamkeit bekommen haben, wie große Verlage, ist bei der normalen SPIEL auch so. Und dass viele Stände schlecht besucht waren lag eben vor allem daran, dass dort nichts geboten wurde.

So einen virtuellen Messe-Stand muss man halt genauso ernst nehmen, intensiv vorbereiten und betreuen, wie einen normalen Stand auf der SPIEL. Aber da kommen halt auch viele nur mit einem Poster und 2 neuen Spielen und bieten nichts weiter an. Das mag auf der normalen Messe reichen, da eben doch immer wieder Leute durch die Gänge kommen und vorbeischauen. Bei einer virtuellen Messe reicht das aber dann nicht, um Interesse zu wecken.

Was vielen kleinen Verlagen vor allem gefehlt hat, war der Verkauf an die Messe-Besucher direkt am Stand. Auch wenn es einige Online-Shop Verlinkungen gab, so ist es doch was anderes einfach direkt Spiele auf der Messe zu kaufen und mitzunehmen. Zudem ist die SPIEL oft die einzige Möglichkeit Spiele von kleineren ausländischen Verlagen zu kaufen, weil sie diese eben zur Messe mitbringen. Das ist auf einer digitalen Messe so natürlich nicht möglich.

Hat eine digitale Brettspiel-Messe einen Platz in der Zukunft?

All diese Erfahrungen in diesem Jahr führen natürlich zu der Frage, welchen Platz eine digitale Brettspiel-Messe in Zukunft einnehmen kann.

Hier spielen die Erfahrungen von Verlagen rein, wie die oben genannten positiven und negativen. Aber auch die Spieler selbst muss man hier natürlich beachten. Denn auch wenn die gesamten Besucherzahlen und die hohen Zuschauerzahlen auf YouTube sehr positiv sind, waren sicher nicht alle diesmal auf der digitalen Messe, die sonst in Essen sind.

Mit Tabletopia und Discord hatte ich selbst schon ein wenig zu kämpfen und viele Wenigspieler, die technisch sonst nichts damit zu tun haben, werden sich sicher schwer getan haben. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass Verlage, die vor allem Familienspiele und Kinderspiele veröffentlichen, nicht so stark oder gar nicht auf der SPIEL.digital aktiv waren.

Auf der anderen Seite waren es wohl eher die Kenner- und Expertenspieler, die sich sowieso intensiver mit der Brettspiel-Welt beschäftigen, die an der SPIEL.digital teilgenommen haben.

Am Ende kann man aber natürlich nicht wirklich sagen, wer auf der SPIEL.digital war und wer nicht, aber es war in diesem Jahr auf viele Arten einfach etwas anderes.

Deshalb sind sich natürlich alle, sowohl Verlage, als auch Spieler, darüber einig, dass eine normale SPIEL in den Messehallen in Essen besser ist und jeder hofft, dass es nächstes Jahr wieder so sein wird. Wird es dennoch Platz für eine digitale Spielemesse geben?

Variante 1: Parallel zur SPIEL?

Ich bin zwar sehr gern in Essen, fand aber auch die digitale Berichterstattung in diesem Jahr toll. Ich schaue einfach gern Streams und habe mich an Tabletopia gewöhnt. Deshalb würde es mich persönlich freuen, wenn der digitale “Schwung” aus diesem Jahr zumindest teilweise in die Zunkunft mitgenommen wird.

Eine Möglichkeit wäre eine digitale SPIEL in Zukunft parallel zur normalen SPIEL durchzuführen. Das würde sicher vielen Spielern entgegenkommen, die es nicht nach Essen schaffen oder einfach nicht unter so vielen Menschen sein wollen. Auch jene, die nur ein oder zwei Tage auf der SPIEL sind, können dann zusätzlich auch das digitale Angebot an diesem langen Wochenende nutzen.

Hier sehe ich also schon Bedarf, so dass in Zukunft analog und digital nebeneinander existieren könnten. Allerdings werden viele Verlage es nicht parallel stemmen können.

So hat Frosted Games in diesem Jahr einige Spieleerklärer auf Tabletopia eingesetzt und selbst Streams gemacht bzw. war bei welchen dabei. Und das war viel Aufwand. Nächstes Jahr so ein digitales Programm anzubieten und zusätzlich noch den normalen Messestand mit Spieltischen etc. ist nicht möglich. Und so wird es sicher den meisten Verlagen gehen.

Deshalb sehe ich eher die Möglichkeit die mediale Berichterstattung ähnlich wie in diesem Jahr parallel zur normalen SPIEL durchzuführen, also Live-Streams über die 4 Tage, da dies von Medienschaffenden gemacht wird und Verlagsvertreter hier “nur” mal reinschauen müssen für Interviews und Probepartien.

Variante 2: Eine eigene digitale Brettspiel-Messe?

Eine andere denkbare Möglichkeit wäre eine eigene digitale Brettspiel-Messe zu einem anderen Zeitpunkt. Das würde es theoretisch ermöglichen, dass die Verlage ein digitales Angebot wie in diesem Jahr auf die Beine stellen, zumindest jene, die dazu bereit sind. Gerade Vielspieler würde man damit sicher erreichen können und für die betreffenden Verlage wäre das sicher interessant.

Eine SPIEL.digital also z.B. im November gut einen Monat nach der normalen SPIEL?! Man könnte noch all die Herbst-Neuheiten präsentieren und die Spiele wären dann wohl auch schon zum Bestellen verfügbar.

Allerdings würde das natürlich bedeuten, dass die Verlage zweimal im Herbst ein langes Messe-Wochenende haben und auf diese Weise nicht nur mehr Kosten (nochmal Erklärer anheuern etc.) sondern dafür natürlich auch viele zusätzliche Arbeitstage draufgehen würden (inkl. Vorbereitung).

Deshalb halte ich auch diese Variante für nicht sehr wahrscheinlich.

Die normale SPIEL wird der Fokus bleiben!

Auch wenn mir persönlich die SPIEL.digitalsehr gut gefallen hat und sie die beste digitale Messe war, die bisher veranstaltet wurde, so sehe ich dennoch keine rosige Zukunft dafür. Die meisten Verlage und auch Spieler freuen sich schon wieder auf die normale SPIEL in Essen und sehen die digitale Variante in diesen Jahr nur als Notlösung an.

Wenn es im nächsten Jahr (vorausgesetzt es gibt eine normale SPIEL) dann wieder darum geht, wie man seine Ressourcen nutzt, dann werden die allermeisten Verlage wieder das machen, was sie schon immer gemacht haben. Es wird Zeit, Geld und Arbeit in einen Messestand vor Ort in Essen investiert.

Sicher werden einige digitale Angebote übrigbleiben. So werden einige Verlage weiter ihren Discord-Server nutzen und auch weiterhin Tabletopia-Partien anbieten. Aber der Fokus wird meiner Meinung nach ganz klar auf dem analogen Auftritt in Essen liegen.

Aber gerade das Brettspiel-Hobby, das ja vom Anfassen der Spielmaterialien und der Gesellschaft lebt, braucht eine Messe vor Ort, wo man sich treffen und es in echt ausprobieren kann. Online spielen macht mir Spaß, aber ersetzt auch für mich nicht die analoge Erfahrung. Deshalb würde ich mich im Zweifel auch für die SPIEL in Essen entscheiden.

Hat eine digitale Brettspiel-Messe einen Platz in der Zukunft?

So sah es auf der SPIEL im letzten Jahr aus.

Deshalb denke ich, dass von der SPIEL.digital vor allem die Live-Streams überleben werden, denn das müssen die Verlage nicht unbedingt selbst stemmen und es ist eine tolle Präsentationsmöglichkeit für Neuheiten.

Was haltet ihr von einer eigenen digitalen Brettspiel-Messe?

Ich sehe es also eher etwas negativ für eine eine eigenen digitale Brettspiel-Messe und erwarte, dass sich alles eher wieder dahin entwickelt, wie es vor der Corona-Pandemie war. Also eine große SPIEL in Essen und ein kleines digitales Rahmenprogramm.

Was ist eure Meinung dazu?

Wünscht ihr euch eine große digitale Brettspiel-Messe auch in Zukunft oder war die SPIEL.digital für euch in diesem Jahr nur eine schlechte Notlösung?

Ich freue mich auf eure Kommentare.