Als Brettspieler wünscht man sich frische Themen, anstatt den tausendsten Mittelalter-Aufguss. Nusfjord von Uwe Rosenberg hat ein unverbrauchtes Thema, was mich sofort positiv angesprochen hat. Als Besitzer einer kleinen Fischfangflotte geht es nach Norwegen.

Ich konnte das Brettspiel bereits einige Male spielen und möchte im Folgenden meinen Ersteindruck schildern. Dabei gehe ich sowohl auf die Mechaniken, als auch das Spielgefühl genauer ein.

Worum geht es in Nusfjord?

Ich selber besitze Nusfjord nicht, aber in einer meiner Spiele-Runden hatte es jemand auf der SPIEL in Essen gekauft und so konnten wir das Brettspiel von Lookout schon recht zeitnah ausprobieren.

Das Spiel hat ein wirklich schönes Thema. Mit der eigenen kleinen Fischfangflotte, die man mit verschiedenen Schiffen weiter ausbauen kann, holt man jede Runde Fische an Land. Aber man muss nicht nur erstmal Fisch für andere Dinge ausgeben, sondern man hat auch nur eine begrenzte Rücklage. Hinzu kommt, dass man diese auch erstmal flüssig machen muss, aber dazu später mehr.

Am Anfang jeder Runde bekommt man so viele Fische, wie die eigene Flotte einbringt.

Danach müssen erst die Ältesten (diese besitzen Sonderfähigkeiten und müssen erst angeheuert werden) „gefüttert“ werden, dann muss man je einen Fisch auf einen eigenen Anteil legen, der auf dem Aktions-Board oder bei anderen Spielern liegt. Erst danach kann man Fische auf eigene realisierte Anteile (zu Anfang 2 von insgesamt 5) legen und dann kommen noch Fische in die Rücklage (max. 8 Fische dürfen dort zu Beginn lagern). Was zu viel an Fischen ist, kommt wieder weg.

Zur Verfügung hat man aber erstmal nur die 2 Fische von den eigenen Anteilen. Um an die Fische aus der Rücklage zu kommen, muss man die Aktion „Rücklagen flüssigmachen“ nutzen. Das ist dann aber schon eine der 3 verfügbaren Aktionen pro Runde.

In Worker Placement Manier, nur dass es hier 3 Schreiben und keine schönen Arbeiter-Meeples sind, kann man pro Runde 3 Aktionen nutzen. Auf dem Aktions-Tableau gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Schiffbau, Abholzen, Durchforsten, Rücklagen flüssigmachen und ein paar weitere, aber wie so oft sind diese Aktionen beschränkt. Viele kann nur ein Spieler pro Runde nutzen, andere sind zwei- oder dreimal nutzbar. Das hängt teilweise auch von der Spieleranzahl ab.

Über dieses Aktions-Tableau kommt man übrigens an den zweiten Rohstoff des Spiels, das Holz. Gerade für die A-Gebäude zu Beginn braucht man vor allem Holz. Dazu hat man auf dem eigenen Spielertableau neben dem Platz für die Ältesten und der Rücklage auch Land, dass entweder schon abgeholzt ist oder wo schöner Wald drauf ist.

Nusfjord - Spieler-Tableau

Nusfjord – Spieler-Tableau mit Wald, einem Ältesten und einem Gebäude

Diese Bäume kann man entweder fällen und damit Platz für Gebäude schaffen, durchforsten, was weniger Holz bringt, aber dafür bleibt der Wald bestehen oder wieder aufforsten, wobei auf ein leeren Landstrich wieder Wald drauf kommt. Das finde ich eine sehr gelungene und thematisch passende Mechanik.

Zudem gibt es ein Tableau mit einer Gebäude-Auslage, die sich während des Spiels auch noch verändert. Man kann für eine Kombination aus Fisch, Holz und Geld Gebäude kaufen und auf freie Plätze auf dem eigenen Tableau bauen. Diese bringe entweder sofort Boni, dauerhafte Vorteile und/oder Siegpunkte am Ende.

Auf diese Weise geht es also durch die 7 Runden, wobei später dann noch neue Gebäude in die Auslage kommen, die mehr Boni oder sogar Siegpunkte für die Endwertung bringen. Dazu zählt auch das Geld, was man angesammelt hat. Siegpunkte bringen daneben noch die Schiffe, bestimmte Gebäude und realisierte Anteile im eigenen Besitz. Minuspunkte bringen unbebaute freie Felder auf dem Spielertableau und nicht realisierte eigene Anteile.

Die meisten Siegpunkte bringen aber bestimmte Gebäudekombinationen, was gut sein kann, aber bei mir auch einen etwas gemischten Eindruck hinterlassen hat. Mehr dazu weiter unten.

Spielmaterial

Bevor ich zu meinem Ersteindruck-Fazit komme, noch ein paar Worte zum Spielmaterial. Mir gefällt die Grafik von Patrick Soeder sehr, zumindest da, wo sie auch wirklich vorhanden ist (mehr dazu gleich). Sowohl die Ältesten, als auch die Boote sind hübsch und passend gezeichnet. Ebenso finde ich die Tableaus allesamt gut gemacht.

Die beiden Ressourcen Fisch und Holz sind ebenfalls schön haptisch, während das Geld leider zu klein geraten ist. Da muss man mit dickeren Fingern manchmal ganz schön fummeln.

Aber insgesamt ist die Qualität des Spielmaterials gut, so dass man für sein Geld ein ordentliches Spiel bekommt.

Mein erster Eindruck von Nusfjord

Nach einigen Spielen muss ich grundsätzlich sagen, dass ich Nusfjord für ein gutes Spiel halte. Es spielt sich recht flüssig und man kann verschiedene Strategien ausprobieren, um zum Sieg zu kommen.

Es hat auch eine gute Variabilität durch die zufälligen Gebäude, die 3 verschiedenen Gebäude-Sets und die verschiedenen Möglichkeiten. Wie so oft kann man hier nicht alles machen und man muss sich recht zeitig auf eine Strategie festlegen, um sich nicht zu verzetteln.

Mir gefällt bei Nusfjord ebenfalls, dass es interessante Mechanismen und Kettenbildungen gibt. Allein die Tatsache, dass der von der eigenen Flotte gefangene Fisch einem nicht komplett zur Verfügung steht, sondern man erstmal nur einen kleinen Teil davon bekommt, fand ich gut. Zumal man das später durch bestimmte Dinge beeinflussen kann.

Ein Beispiel für so eine Kette ist die Nutzung von Ältesten. Obwohl man diese auf dem eigenen Tableau hat, muss man einen Fisch von einem der Teller nehmen, um diese dann auch nutzen zu können. Blöd, wenn nichts auf den Tellern ist und keiner was dagegen tut.

Auch der Gebäudebau macht Spaß, zumal man Boni bekommt oder sogar Siegpunkte. Das man dabei die Fläche managen muss, die man abholzt, ist ebenfalls interessant.

Was hat mir nicht so gut gefallen?

Allerdings gab es auch ein paar Punkte, die mir nicht so gut gefallen haben.

Zum einen ist es die schon erwähnte fehlende Grafik auf den Gebäudekarten. Ja, da stehen Informationen drauf, aber eine schöne Grafik hätte nicht nur der Stimmung geholfen, sondern man hätte auch schneller erkannt, was die Gebäude bringen. So muss man immer erstmal alle Karten lesen (was über Kopf besonders viel „Spaß“ macht) und in der nächsten Runde wieder, weil man schon wieder die Hälfte vergessen hat und ja auch neue Gebäude dazukommen. Mag sein, dass man nach 15 Spielen die Karten auswendig kennt, aber soweit sind wir noch nicht.

Die Ältesten konnte ich oft nicht wirklich gut nutzen, da entweder die Teller leer waren oder es einfach nicht mehr so sinnvoll war. Nach meiner Erfahrung macht es wenig Sinn wirklich viele Älteste zu haben, außer man hat ein passendes Gebäude, was Siegpunkte dafür bringt.

Das bringt mich zu meinem Hauptproblem mit Nusfjord, wobei ‚Problem‘ etwas zu negativ klingt. Zumindest in meinen Partien war es so, dass die C-Gebäude oft den Unterschied zwischen Sieg und Niederlage ausgemacht haben. C-Gebäude sind Siegpunkt-Bringer, die irgendwelche Voraussetzungen haben. Das Problem war zumindest oft bei mir, dass ich einfach nicht das passende C-Gebäude für meine Strategie bekam. Dann war es kaum möglich noch groß gegenzusteuern. Dass dann alle zu Beginn der 6. und damit vorletzten Runde ihre C-Gebäude von der Hand auslegen, war auch nicht besonders hilfreich.

Mag sein, dass das mit mehr Spielen besser wird, weil man die C-Gebäude (und die notwendigen Kombinationen) besser kennt und zumindest sich noch 1-2 Möglichkeiten gegenzusteuern frei halten kann. Aber mir kam es schon recht zufällig vor, wer dann am Ende durch die C-Gebäude richtig viele Punkte machen konnte.

Unter dem Strich also ein guter Ersteindruck, der allerdings ein wenig getrübt ist.

Wie ist es euch ergangen mit Nusfjord? Wie viel Spaß macht es euch und was seht ihr anders als ich?