The River - ReviewWERBUNG

Mit The River ist ein neues Brettspiel bei Days of Wonder erschienen, in dem es diesmal in die USA geht.

Dort siedeln wir entlang eines Flusses, sammeln Ressourcen und bauen Häuser. So weit, so bekannt.

Wie sich The River gespielt hat, was es ggf. an Besonderheiten hat und für wen es das richtige Spiel ist, erfahrt ihr in meinem Review.

(Hinweis: Das Spiel wurde mir vom Verlag kostenlos bereitgestellt.)

Wie gut ist The River? – Fazit

7.8

Keine Frage, The River ist ein gut aussehendes Familienspiel und ein guter Einstieg ins Worker Placement Genre. Dabei ist es aber nicht trivial und bietet auf dem Familienniveau interessante Entscheidungen und Möglichkeiten. Es hat mir gut gefallen und kam sowohl in der Familie, als auch in der Brettspielrunde gut an.

Dass die Gebäudestrategie ein wenig zu stark ist, trübt leider etwas den Gesamteindruck. Zudem bleibt von den Mechaniken nach ein paar Partien nichts besonderes übrig. Es gibt keine tollen Kombinationen, die entdeckt werden wollen oder ähnliches. Es bleibt ein einsteigerfreundliches Familienspiel ohne größeren Tiefgang.

Deshalb wird The River sicher keine anderen Worker Placement Top-Spiele verdrängen und dass wir es noch in 5 Jahren spielen, glaube ich auch nicht. Aber aktuell macht es Spaß und ist ein guter Einstieg für Neulinge.

Was ist The River?

Thematisch geht es in The River in die USA, auch wenn das in der Anleitung gar nicht so genau gesagt wird. Dazu aber am Ende des Artikels noch etwas mehr.

Auf jeden Fall geht es hier um die Erschließung von Land. Wir können es ertragreicher machen und es lohnt sich besonders Häuser zu bauen. The River ist bunt und sehr schön gestaltet, wie man es von Days of Wonder gewohnt ist. Da verwundert es auch nicht, dass es sich um ein familiengerechtes Worker Placement Spiel handelt.

Trotz der relativ einfachen Mechanismen besitzt es dennoch interessante Aspekte, auf die ich nun genauer eingehen werde.

The River
The River (deutsch
Geschichte
Brettspiel
2 - 4 Spieler
Autor: Ismaël Perrin, Sébastien Pauchon
ab 8 Jahren
Grafiker: Andrew Bosley
30 - 45 Minuten
Verlag: Days of Wonder
für Einsteiger
Veröffentlichung: 2018
BGG-Position: 2247
Sprache: Deutsch

Was ist drin?

Auf der wunderschönen The River Box befindet sich ein farblich wirklich tolles Cover. Das zeigt gleich mal sehr gut, dass es hier um ein Spiel für die Familie geht.

Das Spielbrett ist ebenfalls sehr schön gestaltet und enthält vor allem Arbeitereinsetzfelder, aber auch Platz für neue Geländeplättchen und Häuserkarten. Es gibt hier eine Vorderseite für 2 Spieler und eine Rückseite für 3 und 4 Spieler. Das ist eine schöne Sache, die gern mehr Brettspiele bieten dürfen.

Die Geländeplättchen kommen in 5 Landschaftsarten daher, was für die Bonuspunkte auf dem Tableau wichtig ist. Zudem zeigen sie jeweils etwas. Neben Ressourcen und Lagerhäusern gibt es noch einige Bonus-Fähigkeiten darauf. So z.B. Siegpunkte am Ende für bestimmte Landschaften oder Rohstoffe in der Aufräumphase jeder Runde.

Die Geländeplättchen bringen mehr Ressourcen, Lagerplätze und Boni

Die Geländeplättchen bringen mehr Ressourcen, Lagerplätze und Boni

Die kleinen runden Bonusplättchen sind die Belohnung für das Bauen von Häusern.

Wie bei einem Worker Placement Eurogame nicht anders zu erwarten, sind natürlich auch Holz-Ressourcen für die Rohstoffe dabei. Die sehen schön aus, da sie jeweils eine individuelle Form und Farbe haben. Allerdings ist bei mir von einer Holz-Ressource ein Teil der Farbe abgeplatzt, was nicht sein sollte.

Zudem gibt es niedliche Nahrungs-Meeple in Form von kleinen Truthähnen.

Die Gebäudekarten erfordern bestimmte Rohstoffe, um sie bauen zu können und bringen dann Siegpunkte. Leider sind die Häuser recht eintönig gezeichnet und unterscheiden sich nicht wirklich. Hier hätte man mehr Witz und Details einfließen lassen können.

Viele Siegpunkte gibt es für gebaute Häuser in The River

Viele Siegpunkte gibt es für gebaute Häuser in The River

Die 4 Spielertableaus enthalten je 12 Plätze für Geländeplättchen entlang eines Flusses. Zudem gibt es hier Platz für 5 Gebäude und die dazugehörigen 5 Bonusplättchen. Auf dem Tableau sind bereits Landschaften, Ressourcen und Lagerhäuser aufgedruckt, die wir mit besseren Plättchen überbauen.

Allerdings hat sich bei einem Spielertableau bei mir die obere Papier-Schicht von der Pappe darunter gelöst. Das kann man natürlich kleben, aber ideal ist auch das sicher nicht.

So funktioniert The River

The River ist ein relativ einfaches und klassisches Worker Placement Brettspiel, was nichts wirklich Neues macht.

Man setzt Arbeiter ein, um Rohstoffe zu erhalten und damit Häuser zu bauen. Allerdings gibt es dabei den einen oder anderen kleinen Kniff, der mir gefallen hat. Zu Anfang hat man 4 Arbeiter. Den fünften erhält man, wenn man das zweite Haus gebaut hat.

Am Anfang hat man 4 Arbeiter in The River

Am Anfang hat man 4 Arbeiter in The River

Es gibt aber auch Punkte für die Geländeplättchen auf dem eigenen Spielertableau, was zumindest für etwas Abwechslung sorgt.

Die Rohstoffe Holz, Lehm und Stein gibt es auf 3 verschiedenen Einsetzfeldern auf dem Spielbrett. Dort gibt es aber nur jeweils 2 Plätze für Arbeiter, so dass man hier schnell sein muss, will man davon etwas abhaben.

Viel Gedränge gab es bei uns bei 2 und 4 Spielern, weil die beschränkten Einsetzfelder für Ressourcen schnell besetzt waren.

Die Ressourcen bekommt man auf diesen Einsetzfeldern.

Die Ressourcen bekommt man auf diesen Einsetzfeldern.

Bei den Geländeplättchen gibt es jeweils 2 Einsetzfelder pro Spielerfarbe, was die Sache etwas entspannter macht. Allerdings sollte man auch hier nicht zu lange warten, denn dann sind die wirklich guten Geländeplättchen weg. Neue kommen dann erst in der nächsten Runde.

Bei den Häuserkarten gibt es nur 2 Einsetzfelder insgesamt. Allerdings baut man hier nicht, sondern reserviert sich eine Hauskarte, um diese später verbilligt zu bauen.

Gebaut wird auf dem Baufeld des Spielbrettes, wo sich beliebig viele Arbeiter hinstellen können. Die reservierten Hauskarten kosten 1 Rohstoff weniger, was schon nicht schlecht ist, aber dafür hat man eine Aktion zusätzlich zum Reservieren aufgewendet. Wer direkt ein Haus aus der Auslage baut, spart eine Aktion für das Reservieren, muss dafür dann aber die komplette Rohstoffe-Anforderung erfüllen.

Zudem sind die Ressourcen oft mal vergriffen, da diese von den Spielern gesammelt werden und doch recht limitiert in ihrer Zahl sind. Da ist es dann etwas ärgerlich, wenn man eigentlich 5 Steine bekommen könnte, aber nur noch 2 da sind.

Die Ressourcen bekommt man durch einen witzigen Mechanismus. Man setzt einen Arbeiter auf das entsprechende Ressourcen-Feld des Spielbretts und bekommt dann die Anzahl des Rohstoffes, wie oft dieser auf dem eigenen Tableau zu sehen ist.

Man ist hier also selbst dafür verantwortlich, von welchen Rohstoffen man wie viel bekommt. Man muss sich halt die passenden Geländeplättchen besorgen und dabei auch aufpassen, dass man immer von allen Rohstoffen-Plättchen mindestens eines auf dem Spielertableau hat. Oder man verzichtet auf einen Rohstoff und nutzt den Truthahn als Joker.

Nach und nach wächst das Spielertableau in The River

Nach und nach wächst das Spielertableau in The River

Es gibt auch Häuser, die nur 1 oder 2 Rohstoff-Arten benötigen, aber man kann sich nicht darauf verlassen, dass genau diese ausliegen. Hier ist leider der Zufallsfaktor etwas hoch, denn welche Gebäude baubar sind, kann man nicht beeinflussen.

Zudem sollte man immer genug Lagerhäuser auf dem eigenen Tableau haben, denn die erhaltenen Rohstoffe muss man auch auf dem Spielertableau lagern. Das finde ich schöne Sache und sehr thematisch.

Der Hausbau ist sehr lohnend, gerade am Anfang, da es dann noch zusätzlich Bonusplättchen mit Punkten gibt. Der Run auf die Häuser ist entsprechend hoch, da gerade am Anfang die Bonusplättchen mit hohen Werten (6,5 und 4 Punkte) sehr interessant sind.

Deshalb überlegt man schon, ob man lieber schneller kleinere Häuser bauen sollte oder auf die teureren Häuser mit mehr Siegpunkten darauf spart?

Wie oben schon erwähnt, sind die Häuser ansonsten aber nicht so toll. Hier gibt es leider keine Sonderfähigkeiten oder ähnliches auf den Gebäuden. Da hätte man noch ein wenig mehr Abwechslung reinbringen können.

Eine Runde endet, wenn alle Spieler ihre Arbeiter eingesetzt haben. Dann werden gebaute Hauskarten ersetzt und neue Geländeplättchen ausgelegt. Ggf. bekommen Spieler auch einen Rohstoff in dieser Phase, wenn sie das entsprechende Geländeplättchen haben. Dann geht es mit dem Startspieler in die neue Runde.

Eine Partie The River endet nach der aktuellen Runde, wenn der erste Spieler 5 Häuser gebaut oder 12 Landschaftsplättchen bei sich eingebaut hat.

Wie spielt sich The River?

The River ist ein sehr zugängliches Gateway Worker Placement Brettspiel. Die Angabe “ab 8” kann ich unterschreiben. Man kommt sehr schnell rein und die schöne Gestaltung hilft ebenfalls dabei Nichtspieler anzulocken.

Die Regeln sind insgesamt sehr einfach und die klaren Aktionen sorgen für ein schnelles Spiel mit wenig Downtime.

Die 2 Hauptelemente für Siegpunkte dominieren das Spiel. Das sind die Häuser und die Geländeplättchen. Für die Häuser muss man Rohstoffe beschaffen, welche die Geländeplättchen bringen.

Aber es gibt auch Bonussiegpunkte auf manchen Geländeplättchen und zudem Siegpunkte, wenn 2 oder 3 gleiche Geländeplättchen untereinander auf dem eigenen Tableau liegen.

Das ergibt insgesamt doch wieder eine gewisse Herausforderungen und Varianz. Man muss gut überlegen, welche Aktionen man mit den eigenen Arbeitern wann nutzt. Nimmt man zuerst ein Geländeplättchen, dann wird es bei den Rohstoffen eng. Geht man zuerst auf die Rohstoffe, dann ist ggf. das ideale Geländeplättchen weg.

Hinzu kommt, dass nur 4 Häuserkarten ausliegen. Nur wenn Häuser gebaut oder reserviert werden, kommen in der nächsten Runde neue hinzu. Da ist man etwas abhängig vom Zufall, welche Karten ausliegen, denn man kann maximal 2 Hauskarten reservieren und dadurch neue Häuser aufdecken, aber manchmal passt das einfach nicht zu den Rohstoffen, die man hat.

Das insgesamt recht einfache Spiel bekommt durch den Mix dieser Elemente doch einen gewissen Anspruch, bleibt aber dennoch im Familienspiel-Bereich.

Zu starke Gebäude?

Nach ein paar Partien The River haben wir gemerkt, dass die Häuser lukrativer sind und das Spiel eigentlich immer endet, wenn jemand 5 Häuser gebaut hat. Die 12 Geländeplättchen waren nie der Spielende-Auslöser.

Vor allem durch die Bonus-Plättchen, die am Anfang relativ viele Bonus-Punkte geben, ist es viel lohnender darauf zu gehen. Oft geht man erstmal nur auf 3-4 Geländeplättchen, um mehr Lagerhäuser und noch 2-3 zusätzliche Rohstoffquellen zu bekommen, ohne einen Arbeiter abgegeben zu müssen. Aber dann ist es oft lohnender sich auf den Hausbau zu konzentrieren.

Die an sich gute Idee der Abgabe von Meeples an bestimmten Stellen des Tableaus, wenn man viele Geländeplättchen “einbaut”, trägt ebenfalls dazu bei, dass man sich mehr auf die Häuser konzentriert. Es tut schon weh, wenn man Arbeiter abgeben muss.

Alles in allem hatten wir aber auch enge Partien, wenn jemand hauptsächlich auf die Geländeplättchen gegangen ist. Aber mir scheint die Hausbau-Strategie die etwas stärkere zu sein, was schade ist, aber das Spiel auch nicht kaputt macht. Es ist dann halt ein Ansturm auf die Häuser.

Hier scheint The River nicht ganz ausbalanciert zu sein, was schade ist. Das an sich recht einfache Spiel hätte doch relativ einfach gebalanced hätte werden können, denke ich. Wir haben übrigens eine Testpartie ohne die hohen Bonusplättchen gespielt und da ist es schon deutlich ausgeglichener.

Unter dem Strich ist das aber auch nichts dramatisches, denn Spaß macht das Spiel trotzdem.

Ist das Thema ein Problem?

Ein anderes Thema ist z.B. in Foren aufgekommen. Manch einer scheint sich am (kaum vorhandenen) Thema zu stören. Es wird nicht explizit erwähnt, aber es ist schon recht klar, dass wir hier den Westen der USA besiedeln. Der Truthahn ist hier ein Indiz.

Und dabei wurden in der Realität die Ureinwohner verdrängt und getötet. Dass hier in keiner Form darauf eingegangen wird, stört den einen oder anderen, wobei das Spiel so thematisch abstrakt und gewissermaßen fiktiv ist, dass es mich persönlich nicht gestört hat.

Was denkt ihr, hätte man diesbezüglich lieber ehrlicher und deutlicher sein sollen?
Stört euch das?

Die andere Frage lautet: Warum heißt es eigentlich The River?
Gut, man baut entlang eines Flusses auf dem eigenen Tableau, aber sonst hat das ganze Spiel nichts mit einem Fluss zu tun. Weder die Ressourcen, noch die Geländeplättchen, noch die Häuser.

Das stört mich auch nicht sonderlich, aber bei dem Namen hätte ich doch eine etwas stärkere thematische und mechanische Einbindung des Flusses erwartet.

The River

7.8

Spielidee

6.0/10

Qualität

8.0/10

Zugänglichkeit

9.0/10

Spielspaß

8.0/10

Preis/Leistung

8.0/10

Vorteile

  • leichter Einstieg ins Worker Placement
  • guter Mix aus Mechaniken
  • schöne Gestaltung
  • relativ kurze Spielzeit

Nachteile

  • Materialqualität nicht optimal
  • nicht genug Tiefe für Vielspieler
  • Hausbau-Strategie etwas zu stark