Warum ich von Kickstarter Sammelbestellungen die Finger lasse

Über meine Erfahrungen mit Kickstarter habe ich ja schon mal ausführlich berichtet und mittlerweile sind viele weitere ‘gebackte’ Brettspiele hinzugekommen, ein Teil davon über Sammelbestellungen.

Was meine Erfahrungen mit diesen Kickstarter Sammelbestellungen waren, was das überhaupt ist und warum ich in Zukunft die Finger davon lasse, erfahrt ihr im Folgenden.

Ich freue mich zudem sehr über eure Erfahrungen dazu, wenn ihr bereits selber bei Sammelbestellungen mitgemacht habt.

Was sind Sammelbestellungen?

Wie Kickstarter grundsätzlich funktioniert, muss ich hier sicher nicht mehr genauer erläutern.

Als Unterstützer wählt man ein Pledge-Level aus und wenn die Finanzierung dann am Ende des Finanzierungszeitraums geklappt hat, bucht Kickstarter den Betrag von der eigenen Kreditkarte ab und Monate (oder Jahre) später erhält man dann das unterstützte Brettspiel.

Allerdings gibt es dabei häufig das Problem, dass die Kickstarter aus Amerika stammen und für Europäer oft hohe Versandkosten anfallen. Gerade in den letzten Monaten sind diese teilweise exorbitant angestiegen. So hatte ich erst letztens ein eigentlich interessantes Spiel für 29 Dollar gesehen, bei dem man aber nochmal zusätzlich 28 Dollar Versand nach Deutschland bezahlen sollte.

Gerade die Versandkosten haben zur Idee der Sammelbestellung geführt. Viele Kickstarter-Anbieter bieten schon von vornherein einen Pledge aus 4, 6 oder 10 Spielen an. Dabei sind die Spiele oft selbst schon etwas günstiger und auch die Versandkosten liegen deutlich niedriger.

Ein Beispiel. Für Tiny Epic Pirates gibt es gerade, als ich den Artikel schreibe, eine Sammelbestellung. Ein Spiel kostet für einen deutschen Unterstützer auf Kickstarter 42 Dollar inklusive Versand. Wenn man dort ein Zehner-Pledge nimmt, kosten dieser insgesamt 335 Euro inkl. Versand. Das sind dann pro Spiel nur noch 33,50 Euro. In dem Fall spart man (auf den ersten Blick) also 8,50 Euro und das ist schon ordentlich.

Die Sammelbestellung funktioniert dann in der Regel so, dass eine Person diese Sammelbestellung ins Leben ruft und sich Leute dafür in einem Forum melden können. Zu einem Stichtag überweisen die Teilnehmer der Sammelbestellung das Geld an den Organisator, der dann wiederum die entsprechenden Pledges in Kickstarter platziert.

Soweit, so gut. Wenn dann die Auslieferung des Spiels ansteht, bekommt der Organisator ein großes Paket oder eine ganze Palette an Spielen (je nachdem wie umfangreich die Sammelbestellung war).

Und dann muss er dafür sorgen, die Spiele weiterzuverteilen. Das ist sehr aufwändig, weshalb oft nur kleine lokale Sammelbestellungen in einer Stadt oder einem Gebiet organisiert werden.

Mehr Infos zu Sammelbestellungen finden sich im Forum der Spiele-Offensive, wo auch eine Liste mit aktuellen Sammelbestellungen zu finden ist.

Warum ich von Kickstarter Sammelbestellungen die Finger lasse

Diese Kickstarter habe ich direkt unterstützt und problemlos erhalten.

Meine Erfahrungen mit Kickstarter Sammelbestellungen

Das hört sich doch super an. Wer hat schon Geld zu verschenken und wenn ich ein neues cooles Kickstarter-Brettspiel für 15 oder 20% weniger bekommen kann, ist das doch eine tolle Sache.

Das habe ich mir auch gedacht und in der Vergangenheit an 3 Sammelbestellungen teilgenommen. Das war für die Spiele Monster Slaughter, Snowdonia Deluxe und Minerva.

Bei der Organisation lief alles problemlos und nachdem ich das Geld überwiesen hatte, begann das Warten. Das ist man bei Kickstarter ja gewöhnt.

Allerdings kam dann die Zeit, als die Brettspiele ausgeliefert wurden und es gab auch die Info, dass der Organisator diese erhalten hat. Nur kam und kam mein Spiel nicht bei mir an.

Auf Nachfrage hieß es dann zum Beispiel, dass die Zeit knapp ist und es noch etwas dauert. Okay, kein Problem. So eilig ist es nicht. Teilweise wurde aber lange nicht auf meine Nachrichten beantwortet.

Weitere Wochen und Monate verstrichen bei allen 3 Sammelbestellungen. Irgendwann bekam ich dann meine Brettspiele, aber das war jeweils Monate später als die normalen Backer, teilweise sogar mehr als ein halbes Jahr später.

Wie sind deine Erfahrungen mit Kickstarter-Sammelbestellungen?

Ergebnis

Warum ich von Sammelbestellungen die Finger lasse

Ich möchte vorausschicken, dass es sicher auch viele positive Erfahrungen mit Sammelbestellungen gibt und gerade kleinere Sammelbestellungen mit mehreren Personen in einem Ort sehr gut funktionieren können. Bei mir war das leider nicht so.

Auch wenn ich bei allen 3 Sammelbestellungen am Ende mein Brettspiel bekommen habe und ich den Organisatoren gar keinen persönlichen Vorwurf machen möchte, denn so etwas ist nun mal aufwändig, lasse ich in Zukunft die Finger davon.

  • Zum einen ist die oben gezeigte Rechung eher eine Milchmädchenrechnung. Am Ende spart man weit weniger oder legt sogar was obendrauf. So kommt natürlich der Versand innerhalb Deutschlands noch hinzu, wenn man nicht gerade in Reichweite des Organisators lebt. Zudem erwarten diese, auch nachvollziehbar, ein kleines Trinkgeld für ihre Arbeit. Unter dem Strich spart man meist dann nur noch ein paar Euro, wenn überhaupt.
    Bei dem Beispiel Tiny Epic Pirates bleiben von der ursprünglichen Ersparnis von 8,50 Euro nach Abzug des Portos für den Weiterversand in Deutschland und einem Tringeld vielleicht noch 2-3 Euro übrig. Das lohnt sich eigentlich nur, wenn man im selben Ort wohnt, wie der Organisator, und es selbst abholen kann.
  • Noch weit schlimmer fand ich aber die Wartezeit. Es ist frustrierend, wenn die normalen Backer ihr Spiel schon längst haben und man selbst muss noch Monate warten. Und wenn man dann noch in einer eher ländlichen Region wohnt, wie ich, dann muss man seinem Spiel teilweise noch “hinterherlaufen”, bis es dann doch mal versendet oder vorbeigebracht wird (wie in einem Fall).
  • Was man bei Sammelbestellungen meist auch nicht nutzen kann, sind Early Bird Preise (günstigerer Preis in den ersten 24 oder 48 Stunden) und Early Bird Boni (z.B. eine zusätzliche Miniatur, wenn man innerhalb der ersten 24 Stunden einsteigt). Da die Sammelbestellung-Pledges erst am Ende der Kickstarter-Phase platziert werden, hat man i.d.R. davon nichts.
  • Viele Kickstarter bietet optionale Addons an, die man auch nicht wirklich gut über eine Sammelbestellung abwickeln kann.
  • Und was ist bei Problemen mit dem gelieferten Spiel? Nicht selten fehlt etwas oder ein Teil ist kaputt. Man selbst ist offiziell kein Backer bei einer Sammelbestellung und kann sich nicht direkt an der Hersteller wenden. Viel Spaß, wenn man das über den Organisator regeln will.

Aber auch über andere Probleme wird immer wieder berichtet. So gab es z.B. Probleme bei der Nemesis Sammelbestellung (wie hier zu lesen), wo am Ende gar keine Sammelbestellung zustande kam und die Backer nichts erhalten haben (aber zum Glück ihr Geld zurückbekamen).

Wie gesagt, sicher kann man auch positive Erfahrungen machen, aber gerade bei sehr großen Sammelbestellungen sollte man sich der Nachteile bewusst sein.

Sammelbestellungen – Nein danke!

Der Gedanke hinter einer Sammelbestellung mag gut sein und viele Brettspieler müssen auf jeden Euro schauen. Deshalb kann ich die Verlockung so einer Sammelbestellung verstehen.

Aber am Ende überwiegen in meinen Augen die Nachteile viel zu stark. Der Organisator spart sicher einiges an Geld und hat sein Spiel schnell. Aber dafür hat er riesigen Zeit- und Arbeitsaufwand. Das würde mir nie in den Sinn kommen.

Ich finde es toll, wenn sich Menschen finden, die diese Arbeit übernehmen, aber der eine oder andere hat sich auch schon übernommen und dann leiden alle darunter.

Wie auch immer, ich werde nie wieder bei Sammelbestellungen mitmachen und lieber ein paar Euro mehr auf Kickstarter zahlen, aber dafür dann zeitnah das Spiel erhalten.

Wie sind eure Erfahrungen mit Sammelbestellungen?

5 Kommentare

  1. Fabian

    Bei der Nemesis Sammelbestellung ist ja wieder Licht am Ende des Tunnels. Ab einer gewissen größe machen Sammelbestellungen einfach keinen Sinn mehr und dabei kann zuviel schief gehen.
    Werde aber auch nie wieder bei einer Sammelbestellung mit machen. Die Nachteile überwiegen einfach gegenüber den paar Euros die man spart.

  2. Tanja & Marcus Meusel

    Wir sind auch bei der Nemesis Sammelbestellung dabei. Auch wenn es jetzt wieder Hoffnung gibt, dass wir unsere Spiele doch noch bekommen, werden wir zukünftige Sammelbestellungen meiden.
    Zu groß war jetzt die Enttäuschung bei Nemesis. Ich muß aber dabei sagen, dass wir ansonsten keinerlei Probleme hatten und alle anderen immer sehr gut geklappt haben. Liegt aber auch daran, dass wir die Leute aus vergangenen SB’s persönlich kannten. Die Übergabe fand meistens durch persönliche Übergabe statt.
    Aktuell sind wir noch bei 4 SB’s drin. Nemesis (SB kennen wir nicht persönlich), Gugong Erw. (SB kennen wir nicht persönlich), Merchants Grove (SB kennen wir nicht persönlich) und Anachrony Erw. (SB kennen wir persönlich und werden es wieder abholen).
    Ich habe immer die Hände über die Sammelbesteller gehalten, wenn andere Leute angefangen haben zu fragen ob es neue Infos gibt und die Sammelbesteller sich nicht gemeldet haben. Wir haben ja auch das Glück gehabt, dass wir einige persönlich kennen und immer Infos aus erster Hand bekommen haben. Aber seit Nemesis ist jetzt Schluß. Da hieß es ja auch immer, wenn es Neuigkeiten gibt, wird er sich melden. Was soll er auch jede schreiben, dass er noch nichts hat, dachten wir uns. Aber dann, keine 24 Std. vor Beginn des KS von Nemesis Lockdown, die erschreckende Nachricht. Bei der Sammelbestellung geht jetzt nicht mehr ums Geld sondern um eine deutsche Ausgabe mit allem drum und dran.
    Wir hoffen, dass alles gut wird bei Nemesis und die 3 anderen gut verlaufen.
    NIE WIEDER SAMMELBESTELLUNGEN!!!
    Die Meusels
    Tanja & Marcus

    • Peer

      Das ist sicher ein guter Tipp, dass man den SB-Organisator persönlich kennen sollte. Und eben kleine Sammelbestellungenvon 4 oder 6 Leuten. Das ist sicher einfacher zu organisieren.

  3. Michael Lehmann

    Ich habe auch schon an diversen Sammelbestellungen teilgenommen. Und gleich vor weg: ich werde das auch weiterhin tun!
    Wer etwas bei Kickstarter backt, der weiß, dass von den versprochenen Fertigstellungsterminen die wenigsten gehalten werden. Teilweise liegen die Auslieferungstermine 1-2 Jahre (und teilweise noch länger!) hinter dem ursprünglich veranschlagten Termin.
    Jetzt muss man außerdem noch wissen, dass viele der Hersteller Sammel-/Grossbestellungen erst zuletzt ausliefern. Daran sollte man denken, wenn man an einer Sammelbestellung teilnimmt. Und sobald die Sammelbestellung dann angekommen ist, steht der der Sammelbesteller vor diversen logistischen Problemen. Wenn ich den Versand von 150 Spielen organisieren wollte, wäre ich wahrscheinlich 3-4 Monate beschäftig. Und wenn dann etwas nicht in Ordnung ist, dann dauert es halt noch wieder länger, bis man Ersatz bekommt.
    Da ich das alles weiß, (und weil ich keinen Lagerplatz habe), biete ich selbst auch keine Sammelbestellungen an, sondern nehme nur daran teil. Und die Ersparnis bei der Sammelbestellung muss mich auch überzeugen (20US$ oder mehr, inkl. Versand zu mir). Oder ich sehe den Sammelbesteller mindestens 2x im Jahr für eine persönliche Übergabe. Ich nehme diese Wartezeiten also bewusst in Kauf.
    Ich kann schon verstehen, wenn man seine Deluxe Collectors Edition eines Spiels möglichst schnell in den Händen halten will! Zumal dieses Spiel meistens wegen der ganzen Extras erst sechs Monate nachdem die Standard-Version im freien Verkauf verfügbar ist, geliefert wird. Aber das Spiel und die Ausstattung ist drei Monate später immer noch genauso toll. Und evtl. hat man bis dahin schon mal eine Grundversion gespielt und kennt die Basisregeln. Und kann sich dann noch mehr seiner Luxus-Version erfreuen!
    Daher möchte ich mich bei allen Organisatoren von Sammelbestellungen bedanken. Ihr leistet tolle Arbeit, die leider meistens viel zu wenig gewürdigt wird. Ich freue mich immer wieder, wenn ich sehe, wenn entsprechende Konditionen für die Spieler-Gemeinschaft aushandelt und ich davon profitieren kann. Macht bitte alle weiter so!

    Das eine Sammelbestellung komplett schief läuft, ist sicherlich ärgerlich (ich habe Nemesis übrigens direkt selber gebackt, weil mir die Ersparnis bei der SB nicht groß genug war). Auf gut deutsch: Scheiße. Aber sowas kann passieren. Das wäre als Sammelbesteller wahrscheinlich auch mein größter Albtraum!

    Wenn man also als Mitbesteller kein Sitzfleisch hat, dann sollte man wirklich die Finger von Sammelbestellungen lassen. Wenn man aber gerne Schnäppchen macht und sich hinterher über die tolle Ersparnis für ein tolles Spiel erfreut, egal, wann es ankommt und wer es schon vor einem hat, dann sollte man getrost an Sammelbestellungen teilnehmen.

    Mit besten Grüßen

    Michael

    P. S. Was man nicht außer Acht lassen darf: auch, wenn man ein Spiel direkt backt, bewahrt einen dies nicht davor, dasselbe Spiel erst zwei Monate später als andere zu bekommen. Das ist mir schon mindestens dreimal so passiert.

    • Peer

      Danke für deine Erfahrungen. Natürlich hast du recht, es kann auch eine normale Kickstarter-Auslieferung länger dauern oder man selbst als Backer bekommt sein Spiel nicht, weil es auf dem Postweg verloren gegangen ist oder so. Das sind natürlich alles Risiken, die einem bewusst sein sollten und gute Sammelbestellungen, wo alles reibungslos funktioniert, gibt es natürlich auch.

      Wenn man zentral wohnt, die SB-Organisatoren am besten noch persönlich kennt und dieser sich dann auch nicht mit der Arbeit übernimmt, ist das eine schöne Sache und man kann gut was sparen.

      Aber das muss halt jeder für sich einschätzen und abwägen, welche Verzögerungen und andere Risiken ihm da ggf. die Ersparnis wert sind.

      Ich bin den Organisatoren auch dankbar und respektiere den Aufwand und die Mühe, die sie investieren, wie du ja auch schreibst. Aber teilnehmen möchte ich da halt nicht mehr, da ich für mich die Vorteile da nicht so sehr sehe.

      Aber wie gesagt, das muss halt jeder selber entscheiden und man sollte auf jeden Fall nicht allein die finanzielle Ersparnis sehen, sondern sich auch der ggf. vorhandenen Nachteile bewusst sein.

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