Das Schöne an Brettspielen ist ja gerade, in gemütlicher Runde mit Freunden ganz ohne Technik Spaß zu haben. Da wirkt die steigende Zahl an Brettspiel-Apps merkwürdig. Mit Phillip Dao von Asmodee Digital spreche ich über diesen Trend und aktuelle Neuerscheinungen zur Messe in Essen.

Zudem geht es um die Herausforderungen bei der Umsetzung von Analog in Digital und die Zukunft der Brettspiele generell.

Viel Spaß damit.

Hallo. Bitte stell dich meinen Lesern vor.

Hallo, mein Name ist Phillip Dao. Ich arbeite schon seit langem im Bereich Unterhaltungsmedien und insbesondere an Videospielen. Zu Asmodee Digital bin ich gestoßen, da mich das Vorhaben gereizt hat, großartige Brettspieltitel auch auf die Bildschirme zu bringen und so die besten Eigenschaften beider Welten zusammenzubringen.

Wie bist du zum Brettspiel-Hobby gekommen?

Schon als Kind habe ich viele Brett- und Kartenspiele zusammen mit meiner Familie und Freunden gespielt. Manchmal durften wir sogar in der Schule spielen – wenn genug Zeit war und der Lehrer es erlaubt hat.

Was gefällt dir an Brettspielen besonders gut?

Ich mag sowohl die lustigen Elemente, als auch die strategische Komponente der meisten Brettspiele. Viele haben zwar einen einfachen Einstieg, zeigen aber erst nach einigen Partien ihre wirkliche Tiefe und sind deshalb auch langfristig spannend.

Was sind deine Lieblings-Brettspiele?

Ich war schon immer ein großer Fan von Catan, Carcassonne und Zug um Zug.

Wie ist die Idee bei Asmodee entstanden Brettspiele digital umzusetzen?

Wir haben Asmodee Digital ins Leben gerufen, um digitale Versionen unserer Lieblingsspiele zu entwickeln, damit Fans sie einfacher spielen können und neue Spieler die Chance bekommen sie auszuprobieren und sich dafür zu begeistern. Unser Ziel ist es, die Brettspielerfahrung möglichst vielen Spielern über digitale Medien zugänglich zu machen.

Erfahrene Brettspieler können jetzt ihre Lieblingstitel als Mobile- oder PC-Version spielen und sparen sich so unter anderem den Auf- und Abbau, die ja je nach Spiel schon einige Zeit in Anspruch nehmen können. Außerdem sind die mobile-Versionen insofern praktisch, da sie auch unterwegs verfügbar sind und man kurzfristig eine Partie spielen kann.

Im Gegensatz dazu ist es für neue Spieler wichtig für wenig Geld an die Titel zu kommen, da diese im Vergleich zum physischen Brettspiel deutlich preisgünstiger sind. So lassen sich zum einen mehr potentielle Spieler erreichen und andererseits können für das gleiche Geld mehr Spiele ausprobiert werden. Idealerweise gefallen den neuen Spielern dann die Spielprinzipien, die sie in den digitalen Versionen finden und sie entschließen sich dazu auch die analoge Variante für Zuhause zu erwerben. Für uns als Brettspiel-Fans ist es das Größte, jemanden der bisher noch nicht viel mit Brettspielen anfangen konnte, dafür zu begeistern und zu zeigen wie viel Spaß sie machen.

In Kürze erscheinen einige neue Spiele bei Asmodee Digital. Welche sind das? Welche gibt es schon?

Momentan freuen wir uns vor allem auf die SPIEL in Essen, die Ende des Monats stattfindet. Wir haben vor dort einige neue Titel zu präsentieren und werden auch neue Inhalte für die bereits erschienenen Spiele präsentieren. Gespielt wird bei Asmodee Digital zur Zeit vor allem Ticket to Ride: First Journey (Zug um Zug). Außerdem freuen wir uns darauf die nächsten Titel wie Smash Up: Conquer the Bases in Zusammenarbeit mit Your Factions zu veröffentlichen und mit Catan Stories das erste Adventure, das im Catan-Universum spielt, herauszubringen.

Wie wählt ihr die Spiele aus, von denen ihr eine digitale Version erstellt?

Bevor wir entscheiden, ob eine digitale Version eines Brettspiels möglich ist, müssen wir vieles planen, ehe wir mit der Entwicklung loslegen können. Da sind wichtige Faktoren, wie Spieldesign, Benutzerinterface, Mehrspielererfahrung und Spielökonomie, die es zu beachten gibt. Außerdem müssen wir uns überlegen, wie wir die Regeln anpassen und Karten, Würfel, Spielfelder sowie weitere Spielinhalte darstellen, um das Brettspiel auch in der digitalen Version gut abzubilden. Zum Schluss steht dann noch die Frage welches Geschäftsmodell für den jeweiligen Titel in Frage kommt, ob es als Premium oder Freemium zu haben sein wird.

Deshalb bewerten wir alle diese Faktoren einzeln und entschließen uns dann, wie wir das Spiel umsetzen. Wir lernen dabei immer noch bei jedem Titel dazu und können diesen Prozess so schrittweise verbessern. Bei all dem war uns immer wichtig, dass von Anfang an Spieler aus der Brettspiel-Community mit dabei sind, die uns ihre Meinung sagen und qualifiziertes Feedback geben, auf das wir aufbauen können.

Wie ist bisher das Feedback der Spieler auf eure digitalen Brettspiele?

Bis jetzt können wir nicht klagen – die Rückmeldungen die wir bekommen sind sehr positiv. Das motiviert ungemein. Da auch die Reviews unserer bisher erschienenen Titel in dieselbe Richtung gehen, denke ich, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden. Die Spieler und Communities schon sehr früh im Entwicklungsprozess mit einzubeziehen, ihr Feedback ernstzunehmen und so möglichst gute Brettspieladaptionen zu entwickeln, trägt mit Sicherheit dazu bei. Da wir vom Erfolg dieses Vorgehens überzeugt sind und auch die Rückmeldungen aus den Communities stimmen, haben wir vor, auch bei zukünftigen Adaptionen so zu verfahren.

Könnt ihr die Brettspiele eins zu eins umsetzen oder müssen Anpassungen für die digitale Version vorgenommen werden?

Das ist in der Tat eine weitere Herausforderung. Wir wollen für jedes unserer Spiele eine State-Of-The-Art-Erfahrung anzubieten. Deshalb versuchen wir immer zuallererst ein Konzept zu finden, das auch als digitale Version des Brettspiels funktioniert. Anschließend wird probiert welcher Modus am besten zur Adaption passt. Nachdem das Grundgerüst steht, führen wir erste Tests mit Spielern durch. Während dieser ersten Schritte wird natürlich auch immer noch viel angepasst und ausprobiert, ehe wir die beste Konstellation finden. Erst wenn wir mit dem Konzept der digitalen Adaption zufrieden sind, geht es in die nächste Entwicklungsphase.

Verdeutlichen lässt sich das gut an einem Beispiel: Wenn wir ein zugrundeliegendes Spielprinzip haben, in dem Spieler nacheinander ziehen, müssen in die digitale Version entsprechende Features, wie eine Zeitbeschränkung, eingebaut werden. Unser Ziel ist es, die Regeln so zu gestalten, dass für alle Spieler ein reibungsloser Ablauf gewährleistet und gleichzeitig der Spezialfall berücksichtigt wird, dass ein Spieler seine Runde nicht wahrnehmen kann. Hier kommt das Feedback der Spieler zum tragen. Wie soll bei einer nicht wahrgenommenen Runde verfahren werden? Soll der Zug übersprungen werden oder soll eine KI für den Spieler ziehen? Wir versuchen bei diesen Anpassungen immer den Grundgedanken des Spiels im Auge zu behalten und diese durch das eingeholte Experten-Feedback so zu gestalten, dass sie auch für Spieler Sinn machen.

Werden digitale Brettspiele die analogen Brettspiele in Zukunft verdrängen?

Nein, und das sollen sie auch nicht. Vielmehr denke ich, dass sich digitale und analoge Brettspiele ergänzen. Beide bieten den Spielern durch ihre jeweilige Spielwelt unterschiedliche Erfahrungen.

Auf welche drei Brettspiele freust du dich auf der SPIEL am meisten?

Da ich ein großer Fan von Catan und Game of Thrones bin, freue ich mich schon sehr darauf die Game of Thrones Edition von Catan zu spielen. Außerdem werde ich mich zusammen mit meiner Familie in den neuen Erweiterungen für Ticket to Ride:First Journey Frankreich und Deutschland bereisen.