Cascadia, Calico, Design-Ablauf, Kickstarter-Erfahrungen … Interview mit Flatout Games

Abseits der großen Brettspiel-Verlage gibt es viele kleinere Verlage, die tolle Spiele herausbringen, wie z.B. Flatout Games aus Nordamerika. Nicht nur mit dem tollen Punktesalat haben die 3 Gründer für Aufsehen gesorgt.

Ich hatte die Gelegenheit mit einer der Gründerinnnen, Molly Johnson, zu sprechen und bekam tolle Einblicke in die Entstehung des Verlages, die Ideefindung, Kickstarter-Erfahrungen und vieles mehr. Viel Spaß.

Hallo Molly. Bitte stell dich kurz vor.

Ich bin Molly Johnson, Mitbegründerin bei Flatout Games. Als Spieldesignerin arbeite ich mit Shawn Stankewich und Robb Melvin zusammen, den beiden anderen Mitbegründern von Flatout.

Letztes Jahr haben wir außerdem beschlossen, Spiele als Teil des Flatout Games CoLab zu veröffentlichen.

Wie bist du zum Brettspiel-Hobby gekommen und was waren deine ersten Spiele?

Wir alle bei Flatout haben schon immer Spiele geliebt. Wir waren alle Gelegenheitsspieler und spielten die Klassiker der neuen Generation (Catan, Zug um Zug, Power Grid, Pandemic).

Als Shawn und ich nach Seattle zogen, entdeckten wir, dass es in unserer Nachbarschaft einen der besten Spieleläden gab (Blue Highway Games). Der Laden veranstaltete viele Events, brachte Spiele aus Essen mit, und so lernten wir so viel mehr über das Hobby.

Wir fingen an, viel mehr Brettspiele zu spielen und über das Design nachzudenken. Zwei unserer ersten Entwürfe sind Dollars to Donuts und Abstract Academy (das 2021 von Crafty Games veröffentlicht werden wird). Während Punktesalat unser erstes veröffentlichtes Spiel war, war es nicht unser erstes Design.

Punktesalat

(Pegasus Spiele)
Ein schnelles Card Drafting Spiel, mit sehr vielen Möglichkeiten Punkte zu machen. 6 Typen von Gemüse sind auf den Karten abgebildet.
Autoren: Molly Johnson, Robert Melvin, Shawn Stankewich
Grafiker: Dylan Mangini
2 - 6
Spieler
ab 14
Jahren
15 - 30
Minuten
7.3 von 10
BGG Bewertung
Pos. 380
auf BGG
zur Spiele-Offensive*



 
40

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2020

Ihr habt den Brettspiel-Verlag Flatout Games gegründet. Warum und was bedeutet der Name?

Das ist eine gute Frage. Wir kommen alle drei aus der kanadischen Prärie, die ziemlich flach ist. Außerdem wird das klassische Brettspiel flach ausgelegt. :-)

Und wahrscheinlich genauso wichtig – wir sind mit vollem Einsatz dabei – arbeiten also FLAT OUT.

Welche Art Spiele wollt ihr bei Flatout Games veröffentlichen?

Wenn wir über die Arten von Spielen nachdenken, die wir veröffentlichen wollen, denke ich, dass das erste, worüber wir nachdenken, ist „ist das ein Spiel, das uns wirklich Spaß macht?“. Das ist sehr wichtig.

Zweitens wollen wir Spiele veröffentlichen, die für eine Vielzahl von Spielern zugänglich sind. Ist dies ein Spiel, das ich herausziehen könnte, wenn ein Nicht-Spieler sagt, dass er Lust hätte es zu spielen? Ist dies ein Spiel, das für eine Familie geeignet ist?

Mit Calico wurde gerade euer erster Kickstarter ausgeliefert. Worum geht es in dem Brettspiel?

Calico ist ein Spiel über Quilts und Katzen, entworfen von Kevin Russ und illustriert von Beth Sobel. Jeder Spieler hat sein eigenes „Quilt-Board“ und kann auf drei verschiedene Arten punkten: durch das Erfüllen der Quilt-Design-Ziele, durch das Anlocken verschiedener Katzentypen und durch das Sammeln von Knöpfen.

Es kann in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gespielt werden – ist aber in jeder Hinsicht ein Puzzle. Calico hat ein sanftes Thema, bei dem das Gehirn ein wenig gefordert ist.

Calico

(Ravensburger Spieleverlag GmbH)
In diesem Tile-Laying Game puzzeln wir eine Quilt zusammen, damit sich unsere Katze darauf wohl fühlt. Das ist optisch schön gestaltet und ein gutes Familienspiel
Autor: Kevin Russ
Grafiker: Beth Sobel
1 - 4
Spieler
ab 13
Jahren
30 - 45
Minuten
7.9 von 10
BGG Bewertung
Pos. 266
auf BGG
36,99 € (-8%) *
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Cascadia, Calico, Design-Ablauf, Kickstarter-Erfahrungen ... Interview mit Flatout GamesWerbung/Bild:Amazon



 
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2020

(Hinweis: Übrigens wird Calico 2021 bei Ravensburger auf deutsch erscheinen.)

Wie gut lief der Calico Kickstarter und was habt ihr daraus gelernt?

Wir waren sehr zufrieden mit unserem ersten Kickstarter. Ich denke, wir werden immer ein wenig nervös sein, wenn wir ein Projekt starten (denn wer weiß schon, was passiert!!), aber wir wollten unbedingt, dass unser erstes Angebot gut in der Crowdfunding-Welt ankommt.

Wir hatten in den sechs Monaten zuvor auf Kongressen und anderen Veranstaltungen so viele tolle Kontakte geknüpft, dass wir dachten, es gäbe wahrscheinlich ein Publikum. Was wir nicht wussten war, ob es auf Kickstarter einen Markt für diese Art von Spiel gab – aber wie sich herausstellte, gab es ihn.

Mit Cascadia war auch euer zweiter Kickstarter ein Erfolg. Was kannst du uns über Cascadia erzählen? Wird es auch eine deutsche Version geben?

Cascadia ist ein puzzleartiges Kachel-Legespiel, das im pazifischen Nordwesten spielt, entworfen von Randy Flynn und illustriert von Beth Sobel. Es ist auch ein Doppelpuzzle. Man erhält Punkte für die größten zusammenhängenden Flächen der gleichen Landtypen und auch für das Erfüllen der Wertungsbedingungen der verschiedenen Tierarten.

Man legt das eigenen „Spielbrett“ nach und nach an und muss jeweils ein Landplättchen und ein Tierplättchen als Paar ziehen. Das bedeutet, dass man einige härtere Entscheidungen treffen muss, da man Platz braucht, um ein Tier zu platzieren, oder es wird in den Beutel zurückgelegt.

Wir hoffen, dieses Spiel so schnell wie möglich an Unterstützer ausliefern zu können (der Pledge Manager soll Anfang 2021 öffnen). Wir wissen nicht, ob es einen breiteren Retail-Release haben wird, aber wir würden uns natürlich freuen, wenn es ein Zuhause in Deutschland findet!

Cascadia

(Flatout Games)
Per Tile Laying geht es in den Pazifischen Nordwesten der USA. Wir locken damit Tiere an und versuchen ausgeglichene Ökosysteme aufzubauen.
Autor: Randy Flynn
Grafiker: Beth Sobel
1 - 4
Spieler
ab 14
Jahren
30 - 45
Minuten
7.7 von 10
BGG Bewertung
Pos. 3745
auf BGG
W. Eric Martin (CC3.0)



 
9

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2020

Gibt es eine Möglichkeit für einen Cascadia Late Pledge?

Ja! Wir hoffen, den Pledge-Manager Anfang 2021 zu öffnen und werden dann „Late Pledges“ annehmen. Es gibt einen Link auf der Kickstarter-Seite.

Wie läuft die Umsetzung eines Brettspiels von der Idee bis zum fertigen Spiel?

Wow. Nun, zunächst einmal haben wir so viele Ideen. Wir sprechen die ganze Zeit über Mechaniken und Themen. Wir lassen uns von so vielem um uns herum inspirieren (andere Spiele, Dinge in der Natur, Kunst, etc.).

Sobald ein Konzept ein wenig mehr Substanz hat, lassen wir normalerweise so schnell wie möglich einen Prototyp anfertigen. Heutzutage bedeutet das auch, es in den Tabletop Simulator zu bringen, damit wir es aus der Ferne spielen können. Manche Spiele werden auf Eis gelegt, manche werden gespielt und gespielt und gespielt.

Sobald wir wissen, dass es etwas gutes gibt, beginnen wir mit dem Pitching. Wenn ein Spiel unter Vertrag genommen wird, bekommt es normalerweise mehr Entwicklungsarbeit und Kunst. Und dann gibt es Produktionsentscheidungen zu berücksichtigen: Materialien, Komponenten, Schachtelgröße, Veröffentlichungsdatum, usw..

Sobald die Dateien „druckfertig“ sind, werden normalerweise ein oder zwei Produktionskopien erstellt, um herauszufinden, ob alles richtig gedruckt wird usw.. Und dann werden die Spiele hergestellt.

Für unser Team im Flatout CoLab bedeutet das, dass wir Leute zusammenbringen müssen, welche die Zeit für all diese Dinge aufbringen. Hinzu kommen die Entwicklung der Kickstarter-Seite, die Beschaffung von Exemplaren für Rezensenten/Previewer (normalerweise von handgefertigten Prototypen), die Durchführung der Kickstarter-Aktion, die Organisation des Pledge Managers und ein Großteil der Versand- und Lieferlogistik.

Es ist so toll zu sehen, wie die Leute ihre Unboxing-Videos oder ihren ersten (oder 10.) Spieldurchlauf posten! Es gibt auch die weniger sexy Aufgaben nach der Veröffentlichung, wie z.B. die Behebung von fehlenden Teilen oder einige Exemplare, bei denen die Boards falsch zusammengesetzt wurden. Es gibt viele Teile des Prozesses, die weit über das fertige Spiel hinausgehen, wie bei jeder Produktveröffentlichung.

Was sind die Pläne von Flatout Games für das nächste Jahr?

Es ist schwer, genau zu wissen, was das Jahr 2021 bringen wird. Wir haben einige unserer eigenen Entwürfe herausgebracht (Public Market, mit Talon Strikes, und die Spiele mit Crafty).

Außerdem haben wir mindestens ein weiteres, noch nicht angekündigtes Projekt, das im Jahr 2021 herauskommen wird. Für das CoLab planen wir Cascadia auszuliefern.

Wir haben ein paar andere Spiele (von einigen fantastischen Designern), die in der Warteschlange sind. Wir hoffen, dass wir bald ein paar Neuigkeiten über sie haben werden. Folgt uns auf den sozialen Medien für alle Neuigkeiten und Updates!

Zum Schluss würde mich interessieren, welche deine aktuellen Lieblings-Brettspiele sind.

Wir kommen heutzutage nicht mehr so oft dazu andere Spiele zu spielen, was traurig ist. Shawn und ich haben gerade angefangen My City (Reiner Knizia) zu spielen und es macht uns wirklich Spaß. Wir haben gestern Abend auch Cloud City gespielt und wurden daran erinnert, warum Phil Walker-Harding einer unserer Lieblingsdesigner ist.

Ich habe Mandala (Trever Benjamin & Brett J. Gilbert) Anfang 2020 gespielt und wollte es schon lange wieder auf den Tisch bringen.

Danke für das Interview und die tollen Einblicke

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1 Kommentar

  1. Jens

    Hallo! Schönes Interview, vielen dank für den Beitrag.
    Man vergisst bzw unterschätzt oft was für ein Aufwand so eine Spielentwicklung ist. Wie viele Menschen am Ende an so einem Projekt mitarbeiten und wie viel Zeit es in Anspruch nimmt. Viele „Benutzer“ wunder sich woher man die Preise für Zitat: „das bisschen Pappe“ kommen. Dabei betrachten sie eben nicht das Gesamtbild.
    Ich hatte Einblick in die Entwicklung eines Spiel für Kommunikation (simonjan.de/collections/erzaehlt-euch-mehr) und war auch sehr erstaunt, was bei einem recht simplen Kartenspiel für Aufwand betrieben wird. Von Grafikern bis Psychologen, etc. Aber was gut werden soll braucht eben auch viel Liebe. :)
    Es ist schön zu hören, dass auch kleine Unternehmen von Ihrer Arbeit leben können und Erfolge verzeichnen. Dass ihnen die Arbeit Spaß macht sieht man ja an den Produkten.
    LG Jens

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