Interessante Kickstarter-Projekte schaue ich mir gern genauer an und das heute gestartete Chibi Army of Doom gehört dazu. Nicht nur finde ich die Idee cool, sondern es stammt auch noch von einem Spieleentwickler ganz in der Nähe.

Deshalb habe ich die Chance genutzt und ein Interview mit Tom geführt, der seit vielen Jahren an seinem Battle Royal Brettspiel mit Chibi Charakteren arbeitet und das ihr ab sofort auf Kickstarter unterstützen könnt.

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Hallo Tom. Wie bist du zum Brettspiel-Hobby gekommen?

Eigentlich spiele ich Brettspiele seitdem ich denken kann. Früher als ich noch jünger war, haben meine Eltern jeden Sonntag Nachmittag einen Brettspiele Abend gemacht. Wahrscheinlich kommt meine Begeisterung daher.

Was waren deine ersten Brettspiele und was fasziniert dich daran?

Der Tatsache geschuldet, dass ich recht früh angefangen habe, war das erste Brettspiel an das ich mich erinnern kann Mensch ärger dich nicht. Aber ich habe auch damals schon recht viel Monopoly gespielt.

Als ich dann älter wurde, hab ich mich in Trading Card Games wie Magic: The Gathering oder Yu-Gi-Oh! verliebt und da war ich auch recht gut drin. Es gab zu der Deutschen Meisterschaft 2008 in Yu-Gi-Oh! mal einen Artikel, als ich im Viertelfinale ausschied, „Tom-Kevin Zürner der Ultimative Alptraum“.

Die Liebe zu Brettspielen wurde dann 2012 mit Super Dungeon Explore neu entfacht. Bis dato kannte ich nur die Klassiker, doch dann habe ich bemerkt, dass es unglaublich viele schöne Spiele gibt, die vor allem auch richtig viel Story haben.

Mittlerweile treffen wir uns einmal die Woche mit Freunden, um dann ein Brettspiel zu spielen. Aktuell sitzen wir am Pathfinder Abenteuerkartenspiel, eine Art Deckbuilder.

Warum hast du begonnen Brettspiele zu entwickeln?

Ich hab irgendwie schon immer kleine Erweiterungen für vorhandene Spiele selbst gemacht. Als Kind aus Papier selbstgebastelt. Später dann am Computer designed, ausgedruckt und laminiert.

Manchmal fand ich aber auch einige Spiele vom Gameplay her recht unfair und habe daran Optimierungen vorgenommen. Balancing ist mir persönlich recht wichtig.

Aus diesen kleinen fixen Ideen sind immer wieder vollkommen andere Spiele entstanden.

Wie kamst du auf Idee für Chibi Army of Doom und um was geht es genau?

Die Idee zu Chibi Army of Doom hatte ich vor acht Jahren, damals war das ein spontaner Einfall. Allerdings muss ich da etwas weiter ausholen.

Ich habe noch ein anderes Hobby, das ist Cosplay. Ich baue dabei gerne riesige Waffen und Rüstungen, in denen ich dann zu Events oder Fotoshootings gehe. Von einem Schwert, das ich mal gebaut hatte, waren Styropor-Reste übrig geblieben, die wie lauter kleine Spielsteine aussahen. Diese hatte ich dann einfach grundiert und in jeden Spielstein eine kleine Einkerbung eingeritzt, damit ich später Papier Figuren da reinstecken konnte.

Daraufhin habe ich jeder Figur Fähigkeiten zugeordnet und mit ein paar Freunden Testspiele gemacht. Allerdings hatte ich damals keine Ahnung von Design, wenn ich die Spielkarten von damals mit heute vergleiche, dann liegen da Welten dazwischen.

Da ich von vielen Leuten positives Feedback zu dem Spiel bekommen hatte, verselbstständigte sich die Idee dann fast. Nach und nach habe ich mehr Charaktere entworfen. Dabei habe ich mich an klassische Fantasy Charakterklassen aus Computerspielen orientiert wie Schurke, Magier, Krieger usw..

Chibi Army of Doom lebt von Kontrasten. Man hat unglaublich niedliche Charaktere, die sich aber gegenseitig besiegen müssen. Das Grundprinzip ist ein Battle Royal Modus, bei dem jeder gegen jeden spielt. Der Begriff Battle Royal entstand in einem japanischen Film von 2000 und wird heute in vielen Computerspielen verwendet.

Chibi Army of Doom

(TKZ Games)
10 unterschiedliche Chibi-Charaktere kämpfen in einem Fantasy Battle Royal gegeneinander. Dabei werden die Charaktere durch individuelle Kartendecks gesteuert.
Autor: Tom-Kevin Zürner
Grafiker: keine Angabe
2 - 10
Spieler
ab 14
Jahren
30 - 60
Minuten
10 von 10
BGG Bewertung
-
auf BGG
Das sieht nicht nur niedlich aus, sondern klingt auch spielerisch interessant.
Kickstarter beendet
Ziel: 7.500 €



 

(Like)
2022

Welche Mechaniken erwarten uns im Spiel und was ist das Besondere daran?

Man merkt schon, dass ich einige Mechaniken von Spielen, die ich mag, in Chibi Army of Doom übernommen habe, welche aber so in der Kombination noch nicht in (mir bekannten) Brettspielen verwendet wurden.

Besonders sind jedoch zwei Spielmechaniken, die ich hervorheben möchte. Das ist zum einen die Bewegung der Figuren, denn es gibt kein Schachbrettmuster oder ähnliches, da man die Figuren frei bewegen kann. Man misst die Entfernungen in Kartenlängen. Dabei legt man einfach eine beliebige Karte an die Figur an und bewegt die Figur auf die andere Seite der Karte. Wenn eine Entfernung von zwei angegeben ist, legt man halt zwei Karten an und so weiter.

Sollte man seine Figur aber drehen, dann muss man die Karte dafür quer anlegen, das wäre dann theoretisch eine halbe Kartenlänge. So kann man sich frei in 360° bewegen.

Chibi Army of Doom - Karten

Die andere Mechanik ist das Schadenssystem. Da ich von Würfeln nicht sonderlich begeistert bin, weil der Erwartungswert immer 3,5 ist und man auf die Art zu einfach einen Erfolg oder Misserfolg vorher ausrechnen kann. Auf fast allen Karten in Chibi Army of Doom wird der Schaden mit X angegeben, genau wie im Mathe-Unterricht.

Jedes mal, wenn man also X bestimmen möchte, zieht man eine Karte vom X Stapel. Darin befinden sich 20 Karten auf denen Ziffern von 1 bis 5 abgebildet sind. Vier Karten des Stapels sind sogenannte „Kritische Treffer“-Karten, bei denen man eine weitere Karte ziehen darf und dadurch das Ergebnis höher wird.

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(Mehr Infos zu Chibi Army of Doom inkl. PlayTrough und Regelerklärung gibt es im YouTube-Kanal von Tom.)

Das Thema ist ungewöhnlich. Wie kam es dazu?

Das Thema selbst ist ja erst mal dem Fantasy Bereich zuzuordnen und dort gibt es haufenweise Spiele. Wie es dann jedoch zu Chibis gekommen ist, weiß ich gar nicht mehr so genau. Irgendwie hat sich das ergeben.

Wahrscheinlich weil es das war, was ich damals zeichnen konnte. Und das „of Doom“ am Ende ist ein kleiner Witz zwischen meinem Bruder und mir, da wir der Überzeugung sind, dass alles besser klingt, wenn man „of Doom“ hinten anhängt. Wie „Die Mächtige Bartaxt of Doom“ oder der „Schnürsenkel of Doom“. ;-)

Wie lief die Entwicklung deines Brettspiels ab und wie lange arbeitest du schon daran?

Die Idee dazu hatte ich vor ca. acht Jahren, damals entstand auch der Name dazu. Seitdem habe ich immer wieder kleine Veränderungen daran vorgenommen.

Zu Beginn hatte das Spiel nur fünf Charaktere, damals hatten die auch gar keinen Namen, sondern es gab immer eine männliche und eine weibliche Version von Krieger, Schurke, Magier, Priester und Nekromant. Die anderen Charaktere kamem mit der Zeit dann dazu.

Meistens habe ich dann das Spiel zu einem Nerdtreffen mitgenommen und dort mit Freunden getestet. Nach jedem Test habe ich wieder Anpassungen vorgenommen. Mir war es damals schon wichtig, dass jeder Charakter in etwa gleich stark ist.

Jedoch habe ich erst im Sommer 2021 beschlossen, das ganze Spiel nochmal aufzuarbeiten und eine Version zu kreieren, die man auch verkaufen kann. Da ist dann auch das neue Design entstanden. Zudem habe ich vieles von früher verändert. Zum Beispiel hat jetzt jeder Charakter einen festen Namen und eine eigene Hintergrundgeschichte erhalten. Alle Charaktere sind auf irgendeine Art miteinander verbunden.

Chibi Army of Doom Playm

Wer hat die Gestaltung übernommen und wie aufwändig ist so etwas?

Die Gestaltung muss man aus zwei Blickwinkeln betrachten. Auf der einen Seite habe ich zehn Zeichner*innen über Instagram gefunden und beauftragt, jeder hat einen Charakter gezeichnet. Dabei habe ich darauf geachtet, dass alle zehn aus unterschiedlichen Ländern kommen. Ich habe lediglich das Farbschema und die Klasse, sowie den Chibi-Stil vorgegeben. Was die Zeichner*innen dann daraus gemacht haben, war ihnen überlassen.

Jedoch jegliche andere Gestaltung, vom Kartendesign, über das Erstellen der 3D-Modelle, bis hin zu den Hintergründen, hab ich alleine gemacht. Dabei stecken locker nochmal 1000 Stunden von mir drin.

Wie sieht es mit der Ausstattung eures Spiels aus und welche Stretch Goals gibt es für Kickstarter-Backer?

Neben den Sachen, die ein Spiel immer haben sollte, wie ein Regelheft, befinden sich die zehn Charaktere in der Box, wobei man wählen kann, ob man sie als Pappaufsteller möchte oder als 3D Modell.

Das Spiel selbst besteht aus 18 Figuren, da sowohl die Nekromantin, als auch die Mechanikerin zusätzliche Modelle mitbringen. Für jeden Charakter gibt es dann ein 30 Karten Deck, mit Karten, die auf diesen Charakter zugeschnitten sind, sowie einen Charakterbogen, der gleichzeitig als Spielunterlage gilt.

Auf deren Rückseite steht dann auch die Hintergrundgeschichte des Charakters. Zudem gibt es über 150 Token und 45 Hindernisse und natürlich auch die 20 X Karten, die ich eingangs erwähnte.

Als Stretch Goals soll es zusätzliche Spielmodi geben. Zum einen den King of the Hill Modus, bei dem man einen bestimmten Ort eine gewisse Zeit lang halten muss. Bei einem anderen möchte ich noch einen storybasierten Einzelspielermodus hinzufügen.

Ich sehe halt Stretch Goals eher als eine Option, dass wenn ich mehr Unterstützer habe, das Spiel noch besser machen kann. Ansonsten beziehe ich mich eher auf Quests, das heißt wenn während der Kickstarter Kampagne die Follower auf den Social Media Kanälen durch die Kampagne wachsen, dann gibt es zusätzliche Karten, die es nur in der Kickstarter Kampagne gibt. Ich erhoffe mir davon eine Art Hype auszulösen, damit mehr Menschen auf die Kampagne aufmerksam werden.

Warum bist du mit Chibi Army of Doom überhaupt auf Kickstarter gegangen? Was sind die größten Herausforderungen dort?

Der Grund, wieso ich auf Kickstarter bin, ist recht einfach. Damit man so ein Spiel in einer hohen Auflage drucken kann, braucht man ca. 10.000€ Euro, die ich einfach nicht habe. Man könnte das Spiel auch in einer kleineren Auflage drucken, doch dann müsste ich das Spiel für mehr als 100 Euro anbieten. Das würden die wenigsten bezahlen.

Die Herausforderung auf Kickstarter ist, dass ca. zwei von drei Kickstarter Kampagnen scheitern, da zu wenig Menschen diese Kampagne überhaupt sehen. Hinter den erfolgreichen stecken dann meistens Entwicklerstudios, die schon mehrere Kampagnen erfolgreich durchgeführt haben, da man diesen auch mehr vertraut. Als neuer Anbieter muss ich daher sehr viel Wirbel um meine Kampagne machen. Dazu nutze ich größtenteils Facebook und Instagram, aber auch Mundpropaganda von Freunden und Co. ist nicht zu vernachlässigen.

Die weltweite Logistik ist durch Corona aktuell ein großes Problem. Wo produzierst du das Spiel und wie lange wird es dauern, bis das Spiel an die Backer ausgeliefert wird?

Ich stehe mit einer Fabrik, welche sich auf das Anfertigen von Brettspielen spezialisiert hat, in der Nähe von Hongkong in stetiger Verbindung. Normalerweise würde der Prozess vom Druckauftrag bis zum fertigen Produkt drei Monate dauern, durch Corona glauben wir aber, dass dies nun doppelt so lange dauern wird.

Was sind deine aktuellen Lieblings-Brettspiele?

Ich bin ein riesen Fan von Super Dungeon Explorer, welches mir auch für mein Projekt als Vorbild dient. Mit der Zeit fand ich immer komplexere Systeme spannend, so habe ich neulich mit ein paar Freunden einen ganzen Tag lang Eldritch Horror gespielt.

Danke für die interessanten Einblicke und viel Erfolg