Friedemann Friese hat in seinem 2F-Spiele Verlag schon viele interessante und auch erfolgreiche Brettspiele veröffentlicht. Mit Feierabend und Faiyum stehen auch in diesem Jahr zwei sehr interessante Neuheiten an.

Ich habe mit Friedemann über die aktuelle Situation seines Verlages 2F-Spiele, Quarantäne, Arbeitstage und schlechte Jahre gesprochen. Aber natürlich geht es auch um seine aktuellen Spiele-Neuheiten.

Viel Spaß.

Hallo Friedemann. Wie geht es dir in diesen nicht so leichten Zeiten?

Naja, gerade sind wir in Quarantäne. Alle unsere Tests sind aktuell negativ, aber wir hatten vor 9 Tagen Kontakt zu einer positiv getesteten Person. Hoffentlich kommen wir dann am Freitag wieder „frei“.

Diese Zeiten sind aktuell nochmal schwieriger, da wir nun zu viert in einer Wohnung festhängen und nicht wie im April wenigsten einkaufen und in den Garten fahren konnten.

Die Kreativität steht nun auch still. Immerhin kommen fast täglich Spiele ins Haus. Wir haben die Grundbox von Andor jetzt endlich mal fertig spielen können, ein EXIT Kids haben wir geschafft und ich habe Empyreal: Spells & Steam gerade heute ausgeplöppt.

Was reizt dich daran Brettspiele zu designen und was ist das schwerste daran?

Brettspiele sind schon toll, weil man so beschränkt ist, mit dem Material, das man hat. Und da bin ich auch irgendwie „alte Schule“. Mir reicht ein Pack mit 60 Karten oder ein Plan mit ein paar Figuren. Ich brauche keine grossen Miniaturen Spiele (auch wenn Empyreal schon beeindruckend ist, s.o.).

Damit ist das Schönste auch gleichzeitig das Schwerste: Die Beschränkung. Bei einem Computerspiel kann man Berge von Daten hinterlegen, jede Wahrscheinlichkeitsverteilung, die man will, einfach mit Zahlen hinterlegen.

Beim klassischen Brettspiel muss man da pfiffiger vorgehen und mit dem vorhandenen Material neue Wege beschreiten, aber das ist ja toll.

Wie sieht dein typischer Arbeitsalltag bei 2F-Spiele aus?

Den gibt es nicht. Das kann schon sehr anstrengend sein, ist aber auch sehr befreiend. Häufig ist es auch das Warten auf Inspiration. Dann kann es schon sein, dass ich mein Spieleregal aufräume (selten), im Netz nach Information über Spiele browse (sehr häufig), einkaufen fahren (für die Familie, immer gerne wieder) etc..

Wenn die neue Idee dann da ist, dann bin ich schon sehr beschäftigt (—> Der Flow).

Für administrative Aufgaben wird das immer schwierig. Entweder ich warte auf Inspiration (da ist Buchhaltung einfach nicht zu gebrauchen) oder ich bin im Flow (das ist auch nicht perfekt für die Buchhaltung).

Die nicht vorhandene Struktur ist für manche Menschen schwer verständlich, aber ich wundere mich immer wieder, wenn ich Leuten begegne, die eine klare Arbeitsstruktur haben. Immerhin schaffe ich Strukturen (= Spiele) :-).

Wie hat sich der 2F-Spiele Verlag in den letzten Jahren entwickelt?

2F-Spiele konnte sich über den riesigen Erfolg von Funkenschlag hervorragend entwickeln, das ging ungefähr ab 2010 richtig los.

Funkenschlag

(2F-Spiele)
Autor: Friedemann Friese
Grafiker: Domonkos Bence, Antonio Dessi, Lars-Arne "Maura" Kalusky, Prapach Lapamnuaysap, Harald Lieske
2 - 6
Spieler
ab 12
Jahren
ca. 120
Minuten
7.9 von 10
BGG Bewertung
Pos. 38
auf BGG
44,90 € *
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2004

Dann kamen noch die Fauna/Terra Familie bei Huch! dazu, Freitag und Fabelsaft. Der Verlag erholt sich gerade von dem schlechten Jahr mit Futuropia, Feiner Sand, Foppen und Fatal. Wenn man vier Spiele gleichzeitig macht und keines davon über die erste Auflage hinaus kommt, wird es eng.

Wir (Henning Kröpke und ich) haben ja nun auch über die Jahre viele internationale Partner bekommen und die hatten durch das extrem schlechte Jahr ebenfalls zu leiden und die Corona Zeit hat uns gezwungen jetzt erstmal wieder wie früher Auflagen ohne Partner zu machen (in diesem Fall dann bilingual englisch/deutsch).

Das läuft schon ganz gut an: Feierabend, im Sommer ohne BerlinCon, hat noch nicht ganz die Aufmerksamkeit bekommen, die wir erhofft hatten, aber da kommt ja noch der Herbst/Winter. Faiyum hingegen hat schon jetzt vor Veröffentlichung einen Buzz bekommen, da freuen wir uns natürlich sehr.

Feierabend

(2F-Spiele)
Als After-Worker Placement Spiel wird das hier bezeichnet. Nach einem harten Arbeitstag versuchen wir Erholung zu finden und setzen unsere Arbeit auf Einsetzfelder.
Autor: Friedemann Friese
Grafiker: Lars-Arne "Maura" Kalusky
1 - 6
Spieler
ab 12
Jahren
45 - 75
Minuten
7.3 von 10
BGG Bewertung
Pos. 10246
auf BGG
zu Milan Spiele*


 
4

(Like)
2020

Was war das bisher erfolgreichste Brettspiel von 2F-Spiele? Was sind deiner Meinung nach die Gründe dafür?

Wie schon erwähnt bleibt Funkenschlag das erfolgreichste Spiel des Verlags. Fauna ist das erfolgreichste nicht selbst verlegte Spiel. Funkenschlag ist ein Spiel, welches die Vielspieler komplett überzeugt und begeistert (immerhin bei BGG bis auf Platz 2 gekommen), aber auch mit Familie spielbar ist, weil die Aktionen alle thematisch verstehbar sind.

Das ist da sehr ähnlich zu dem zur gleichen Zeit sehr erfolgreichen Agricola (Thema hilft beim Verständnis der Regeln und gleichzeitig ein hervorragendes Strategiespiel). Beim Thema Stromerzeugung sind die Menschen ja erstmal nicht begeistert, aber das Thema passt so 100% zum Spiel, dass hier auch ohne niedliche Tierchen ein großer Erfolg möglich war.

Worum geht es in deinem neuen Spiel Feierabend und was ist das Besondere daran?

Bei Feierabend gehen wir alle gemeinsam in den wohl verdienten Feierabend, also wir machen after-work Tätigkeiten. Nun schien da ein Worker Placement Mechanismus sehr sinnvoll.

Bei fast allen Worker-Placement Spielen schickt man Leute zur Arbeit raus, um Gewinne zu erwirtschaften. Wir machen hier aber das Gegenteil: Wir gehen los und verjuxen unser wohlverdientes Geld für jede Menge Spaß.

Leider ist das am Anfang des Spiels nicht besonders einfach, da wir einfach lausig verdienen und eine 70 Stunden Woche ohne Urlaubsanspruch haben. Das Spiel beginnt im Hamsterrad: Die Erholung, die wir uns leisten können, wird durch die nächste Schicht in der Fabrik immer wieder total zerstört und an ein gutes Leben ist nicht zu denken.

Da wir aber doch alle Zeit und Geld haben wollen, müssen wir wohl mit der Gewerkschaft zusammen bessere Arbeitsbedingungen durchsetzen. Mechanisch ist es ein „leichtes“ Worker Placement Spiel, aber man sollte sich nicht täuschen lassen, es ist schon sehr strategisch, da man sich auf verschiedene Aspekte des Spiels ausrichten kann: Mehr Urlaub (ist das beste im Spiel, aber auch am Schwersten zu erreichen), weniger Arbeitszeit (lohnt sich langfristig am meisten, aber wie lange geht das Spiel?), mehr Geld (ist sehr direkt spürbar), etc..

Vom Spiele-Design ist das Wichtigste, dass man im Zug 0-3 Arbeiter einsetzen kann und sofort, wenn man alle Arbeiter gesetzt hat, sie alle wieder bekommt, aber dafür dann auch Arbeiten gehen muss. Erholung geht dann runter, aber man bekommt ja auch sein Geld und Streikpunkte.

Bei Feierabend sollte man sich nicht vom Thema täuschen lassen, da ist noch mehr drin. Kann man gut in der Solo-Kampagne mal ausprobieren.

Mit Faiyum erscheint auch ein anspruchsvolleres Strategiespiel im Herbst. Was kannst du uns dazu erzählen?

Faiyum hat viel Aufmerksamkeit bekommen, da es den Kraftwerksmarkt von Funkenschlag benutzt, das Karten spielen von Concordia und die Tatsache, dass niemanden etwas gehört, von Roads und Boats.

Gleichzeitig gibt es einen schönen neuen Deckbuilding Mechanismus und der Spielplan ist eine grosse Fläche fürs Workerplacement, nur dass man ja keine eigenen Worker hat, sondern die Worker neutral sind, aber die Felder natürlich begrenzt sind. Das Ganze dann noch bei einer Spiellänge von 2 Stunden, spricht die Spieler scheinbar an.

Faiyum

(2F-Spiele)
Als Berater des Pharaos bauen wir die Oase Faiyum aus. Aus einer Mischung von Deckbau und einem Markt-Mechanismus wie in Funkenschlag wird ein strategisches anspruchsvolles Spiel.
Autor: Friedemann Friese
Grafiker: Harald Lieske
1 - 5
Spieler
ab 12
Jahren
110 - 140
Minuten
8.3 von 10
BGG Bewertung
-
auf BGG
zur Spiele-Offensive*


 
6

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2020

Was ist in diesem Jahr durch die SPIEL.digital Messe anders als sonst?

Alles wird anders. Ich kann keine Leute persönlich auf der Messe treffen. Ich kann meinem Team leider auch keine Arbeit geben (die arbeiten wirklich gerne), ich kann nicht sinnlos shoppen gehen.

Es ist schon ganz anders.

Was plant ihr als Verlag für die SPIEL.digital?

Naja, wir planen die beiden Neuheiten auch gleich online spielbar zu machen, wird wohl über Tabletopia klappen. Ich stehe für Online-Aktionen zu Verfügung: Interviews, Podiumsdiskussionen, etc..

Durch die Corona-Krise gab es einen Boom bei Solo-Spielen. Was hältst du von Solo-Spielen?

Ich finde Solo-Spiele super. Habe ja nun auch einige gemacht und die beiden Neuheiten haben dann auch eigene Solovarianten bekommen. Leider bin ich von vielen Solovarianten und Automata Regeln oft nicht überzeugt, da ich es schon im normalen Brettspiel langweilig finde nur auf Siegpunkte zu spielen und wenn Spiele sonst nichts zu bieten haben, dann mag ich die Spiele nicht.

Also wenn ich nur Solo auf Siegpunkte Ziele spielen soll, bin ich gelangweilt. Dann spiele ich doch lieber Computerspiele.

Viele der aktuellen Spiele sind logischerweise gut alleine spielbar, da sie auf wenig Interaktion designt sind, z.B. Underwater Cities. Ich habe das 1x zu zweit gespielt und es hat total Spaß gemacht, was man da tut, aber nach 2 Stunden habe ich dann beim Spielende aufgeblickt und gemerkt, dass ich gar nicht alleine bin.

Ich habe mir dann mal von meinen Spielpartner erzählen lassen, was er denn so die letzten 2 Stunden gemacht hat. Das Spiel habe ich dann sofort verschenkt. Obwohl ich total Spaß daran hatte, dafür muss ich mich nicht mit Menschen treffen, denn solo auf Siegpunkte zu spielen ist, wie gesagt, nicht mein Ding.

Zum Schluss würde mich interessieren, welche deine aktuellen Lieblings-Brettspiele sind.

Naja mein Lieblingsspiel ist immer das an dem ich gerade arbeite. Wenn ich was spielen will hängt das Lieblingsspiel immer davon ab, mit wie vielen Spielern ich spielen werde und ob es Freunde oder Familie sind.

Je nach Situation kommt da was anderes bei raus und je nach Tagesform sogar auch immer was anderes. Ausserdem spiele ich lieber neue Spiele, als bekannte.

Danke für das Interview