Als Fan-Projekt hat mein heutiger Interview-Partner den Brettspiel-Verlag Game’s Up 2016 ins Leben gerufen. Wie es dazu kam, welche Herausforderungen bewältigt werden mussten und wie es in Zukunft weitergeht, erfahrt ihr im Folgenden.

Zur SPIEL in diesem Jahr kommt zwar nur ein Brettspiel von Game’s Up heraus, aber das ist schon jetzt eines meiner Highlights der kommenden Messe.

Viel Spaß mit dem Interview.

Hallo Ralph. Bitte stell dich kurz vor.

Gerne: Ralph Bienert, Mitte vierzig und aus Ingolstadt.

Wie bist du zum Brettspiel-Hobby gekommen und was waren deine ersten Spiele?

Von den 80ern bis in die 00er Jahre war ich Rollenspiel-Fan (Pen & Paper) und spielte nebenher einige Brett- und Kartenspiele. Irgendwann war beim Rollenspiel für mich die Luft raus.

Auch wurde es immer schwieriger, eine Kampagne durchzuziehen, weil man ja wegen Job und Familie weniger Zeit hatte. Brettspiele sind zumeist an einem Abend durch, dass ist einfacher. Und so verlegte ich mich zunehmend darauf.

Die ersten Spiele von früher waren Scotland Yard und Cluedo und das bayrische Kartenspiel Watten. Von den modernen Titel natürlich Catan, dann (ganz wichtig) Carcassonne, und dann der Schritt ins gehobene Niveau mit Agricola.

Wie ist der Verlag Game’s Up entstanden und seit wann veröffentlichst du Brettspiele?

Game’s Up ist eigentlich ein “Fan-Projekt”, und weniger der Versuch, groß ins Business einzusteigen. Ich wollte (wie so viele) ein Spiel herausbringen, also Teil der Szene sein, die mich seit meinen Messebesuchen In Essen so faszinierte. Der Entschluss reifte 2015 und seit 2016 läuft es.

Welche Spiele sind bisher bei Game’s Up erschienen und wie gut sind diese angekommen?

Carthago: Merchants & Guilds - Deutsch - English - FrancaisWERBUNG

2016 erschien The Arrival von Martin Wallace und 2017 Carthago von Bernd Eisenstein und mir. Diesen Herbst (2019) wird “Maracaibo” von Alexander Pfister kommen. Zwischendrin gab es die ein oder andere Mini-Erweiterung.

Von der Resonanz war ich bei beiden bisherigen Spielen sehr zufrieden, ich konnte auch Lizenzpartner gewinnen, was ja schon einiges sagt.

Generell sind es ja kleinere Auflagen und da war es eher das Ziel, kostendeckend zu arbeiten.

Wie findest du neue Brettspiele für Game’s Up? Auf was achtest du da besonders?

Ich mache das ja nebenbei, also habe ich (und werde ich) nur handverlesene Titel rausbringen, und auch nicht so oft. Ich sehe Game’s Up nun auch als Entwicklungsstudio und will vor allem den mühsamen Vertrieb komplett delegieren.

Wie die Spielideen zu mir finden? Ganz unterschiedlich: bei Arrival hatte ich einfach Martin Wallace noch einem Konzept gefragt, bei Carthago bin ich auf Bernd Eisenstein zugegangen und bei Maracaibo hat es sich so ergeben, als ich Alex in Wien traf.

Auf was achte ich besonders? Kann ich so nicht sagen. Es muss einfach passen (Bauchgefühl!).

Was sind die größten Herausforderungen bei der Etablierung eines neuen Brettspiel-Verlages?

Das Zeug auch an den Mann zu bekommen (also der Vertrieb). Und durchzuhalten, denn der Markt ist eigentlich schon gesättigt.

Wie seht ihr die Entwicklung in der Brettspiel-Branche? Mehr Umsatz, aber auch mehr Konkurrenz und Kickstarter.

Genau, wie du sagst. Aber die Leute können jeden Euro nur einmal ausgeben und eine begrenzte Menge an Spielen spielen.

Ich sehe durchaus die Gefahr, dass sich die Marktsättigung noch stärker zeigen wird. Irgendwann schielen die Leute auf ihr Spieleregal und erkennen, wie viel da noch unausgepackt rumliegt. Und dann kommen sie ins grübeln und überlegen sich nächstes mal gut, ob sie diese und jene Neuheit wirklich brauchen …

Die SPIEL 2019 ist nicht mehr weit entfernt. Wird es dort Neuheiten von deinem Verlag zu sehen geben?

Geplant ist Maracaibo, das voraussichtlich am Stand von dlp games (mein Vertriebspartner für Deutschland) und am Stand von Brettspielnews zu haben sein wird.

Preorder ist für Mitte August geplant.

Welche Bedeutung haben Messen wie die SPIEL und andere Veranstaltungen für dich?

Die SPIEL ist sicher die wichtigste Messe und hier präsent zu sein, ist schon ein Muss. Aber auch kleinere Events sind von Bedeutung, oft kann man sich da auch mehr dem Spielen widmen, was ja zu begrüßen ist.

Zum Schluss würde mich interessieren, welche deine aktuellen Lieblings-Brettspiele sind.

Da hab’ ich jetzt lange überlegt und ich denke, es sind zu viele, und hier 5 oder so rauszupicken, fühlt sich irgendwie komisch an. Ich sag’ mal zuviel: Mau Mau gehört nicht dazu! ;-)

Danke für das Interview