Mit Hallertau bringt Lookout Spiele sicher eines der am heißesten erwarteten Brettspiele der SPIEL.digital 2020 heraus. Ich konnte mit Sören von Lookout Spiele ein Interview führen, in dem es unter anderem um Neuheiten des Verlages, aber auch um die Herausforderungen einer digitalen Messe geht.

Zudem erfahrt ihr, was Lookout Spiele auf der SPIEL.digital vorhat, was mein Gesprächspartner von Solo-Spielen hält und einiges mehr. Viel Spaß.

Hallo Sören. Wie geht es dir in diesen nicht so leichten Zeiten?

Hallo Peer. Ich gehöre zu den Glücklichen, denen die Pandemie nur wenig anhaben konnte.

Da ich bei Lookout auch schon vorher im Home-Office unterwegs war, sind es eigentlich „nur” die persönlichen Kontakte zur Familie, Freunden und Kollegen die mir wirklich fehlen. Alles andere hat sich kaum verändert.

Wie hat sich der Lookout Spiele Verlag seit unserem letzten Interview 2018 entwickelt?

Nach außen hat sich in den letzten zwei Jahren relativ wenig geändert, hinter den Kulissen dafür umso mehr. Der Wechsel von Mayfair Games zu Asmodee hat dazu geführt, dass sich einige Strukturen ändern oder sogar neu eingeführt werden mussten, denn in keinen zwei Firmen läuft alles gleich.

Da wir in Deutschland aber trotz Wechsel der Muttergesellschaft keinen Vertriebswechsel hatten – und immer noch mit der Altenburger Spielkartenfabrik zusammenarbeiten – haben unsere deutschen Kunden quasi gar nichts mitbekommen.

Für unsere internationalen Kunden hat, nach ein paar anfänglichen Problemen, der Wechsel aber durchaus positive Veränderungen gebracht, wie z.B. bessere Verfügbarkeit von unseren Spielen.

Wie sehr hat die Corona-Krise Lookout getroffen? Wie hat sich eure Arbeit verändert?

Nicht nur ich, sondern auch meine Kolleginnen und Kollegen arbeiten von zuhause aus, wodurch wir bisher – zum Glück – personell gar nicht getroffen wurden (toi, toi, toi). Verändert hat sich bei uns also kaum etwas.

Wirkt sich die Corona-Krise auf kommende Brettspiele bei euch aus?

Im generellen nicht. Allerdings hat die Pandemie ja nicht nur Auswirkungen auf uns, sondern auch auf unsere Partner, also Produzenten, Logistiker, etc., wodurch sich die Produktion einiger Spiele verschoben hat.

Darunter haben einige Nachdrucke gelitten, die in der Prioritätenliste leider nach unten wandern mussten. Dafür konnten wir aber unsere Termine bei fast allen Neuheiten halten. Nur eine Neuheit (Cantaloop) wird nicht rechtzeitig fertig und erreicht uns wohl erst nach der SPIEL.digital.

Wie spielst du in diesen Zeiten? Mehr online, solo oder mit der Familie?

Ich bin mit meiner Lebensgefährtin erst Ende letzten Jahres umgezogen, wodurch wir hier noch nicht viele Bekanntschaften schließen konnten. Von daher haben wir uns im Moment eh eher auf gemeinsames Spielen zu zweit eingestellt.

Außerdem bin ich ganz allgemein ein Spielkind und liebe neben Brett- auch Computerspiele. Ersteres spiele ich, wie gesagt, meist zu zweit mit meiner Freundin, letzteres dann eher online mit Freunden aus ganz Deutschland.

Steht ihr schon im Stress wegend der SPIEL? Was ist in diesem Jahr durch die digitale Messe anders als sonst?

Eine SPIEL ist aus organisatorischer Sicht immer stressig. Zum Glück ist es jedoch eine Art von Stress, die ich einmal im Jahr ganz gut vertragen kann und der mir sogar Spaß macht.

Verändert hat sich vor allem die Art wie und der Inhalt den wir präsentieren werden. Bei der analogen SPIEL geht es uns vor allem um den persönlichen Kontakt mit den Menschen die unsere Spiele spielen, also um viele Erklärtische mit unseren Helfern, persönliche Beratung am Verkauf und natürlich auch die kollegialen Freundschaften mit (Stamm-) Kunden und innerhalb der Branche.

Durch die Digitalisierung fällt dieses persönliche vordergründig natürlich weg. Entsprechend wollen wir mit unseren Aktionen zur SPIEL.digital auch gar keine „möglichst normale SPIEL“ abliefern, sondern versuchen uns daran, die Emotion und das Gefühl einer SPIEL zu transportieren.

Welche Neuheiten hat Lookout Spiele für die SPIEL.digital geplant?

Für uns ist es ein spannendes Jahr, da wir sowohl unserer Tradition treu bleiben, als auch etwas ganz neues probieren wollen. So haben wir zum einen unsere Erweiterungen zu bekannten Spielen, also das Agricola: Dulcinaria-Deck und das Nusfjord: Lachs-Deck. Beide enthalten wieder genau das, was die Fans erwarten und aus vorherigen Erweiterungen kennen.

Außerdem hat in diesem Jahr unsere 2-Spieler Serie wieder Zuwachs bekommen. Auch wenn Glasgow bereits erschienen ist, werden wir es natürlich auf der SPIEL.digital vorstellen.

Glasgow

(Lookout Spiele)
Die 2 Spieler reisen durch die Stadt, sammeln Ressourcen, nutzen besondere Aktionen und errichten Gebäude. Wer weiter hinten auf dem Rundlauf steht, ist dran.
Autor: Mandela Fernandez-Grandon
Grafiker: Klemens Franz
2
Spieler
ab 0
Jahren
-
Minuten
7.4 von 10
BGG Bewertung
Pos. 4049
auf BGG
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2020

Dann wäre da natürlich noch Hallertau, was als „großer Uwe Rosenberg“ wieder vielen Spielerinnen und Spielern Freude bereiten wird und ein echter Brocken ist (sowohl spielerisch, als auch vom Inhalt).

Als typisches „Lookout Messe Special“ gibt es Sondereditionen zu Patchwork. Einmal als Winter-Edition passend zu Weihnachten und als limitierte Sammleredition in unserer neuen „Folklore“ Serie. Dabei haben wir unsere internationalen Partner gefragt, ob sie „Patchwork“ grafisch im typischen Stil ihres Landes neu gestalten möchten – China und Taiwan machen dabei den Anfang.

Über unseren Tellerrand schauen wir mit Cantaloop – Buch 1: Einbruch in den Knast. Es ist der erste Band unserer neuen interaktiven Abenteuerbuchserie, von der wir uns viel erhoffen. Fans von klassischen Point and Click Adventures, „Choose your own adventure“ Büchern und Escape Room Spielen kommen hier voll auf ihre Kosten.

Mit Hallertau kommt wieder ein Rosenberg-Schwergewicht. Kannst du genaueres darüber erzählen?

Für richtig „intime“ (Entwicklungs-) Details muss ich da an meine Kollegen aus der Redaktion verweisen. Ich kann zu Hallertau nur sagen, dass es das ist, worauf alle hoffen.

Ein neues, großes Uwe Rosenberg Spiel, bei dem er gekonnt bekannte Mechnismen mit neuen verwoben hat. Die ganze Box bringt nicht nur gewichtstechnisch einiges auf die Waage, immerhin kommt das Spiel in der Caverna-Box und mit etlichen hundert Holzteilen daher, sondern bietet auch strategisch eine Menge.

Dazu die wunderschönen Illustrationen von Lukas Siegmon, der in Zusammenarbeit mit Klemens ein wirklich stimmiges Spiel geschaffen hat. Unterm Strich also eine Arbeit auf die wir wirklich stolz sind und ein Rosenberg, bei dem nicht nur Fans einen Blick riskieren sollten.

Hallertau

(Lookout Spiele)
In der größten Hopfen-Anbaufläche der Welt versuchen wir als Spieler erfolgreich zu sein. Per Worker Placement nutzen wir die Aktionen.
Autor: Uwe Rosenberg
Grafiker: Klemens Franz, Lukas Siegmon
4 - 1
Spieler
ab 12
Jahren
90 - 180
Minuten
8.5 von 10
BGG Bewertung
Pos. 4156
auf BGG
zu Milan Spiele*



 
60

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2020

Was plant Lookout Spiele zur SPIEL.digital sonst noch so, um den virtuellen Besuchern etwas zu bieten?

Neben den grundlegenden Funktionen der Homepage der SPIEL.digital, also unserem „Online-Stand“ ganz allgemein gesprochen, planen wir zusätzlich einen eigenen Live-Stream. Wie bereits erwähnt geht es uns dabei vor allem darum das Gefühl einer SPIEL zu transportieren und weniger um den Versuch eine „normale“ SPIEL nachzustellen. Also keine betreuten, digitalen Spieletische, sondern eher ein Programm mit Eventcharakter.

Dazu stehen wir mit Freunden aus der Szene in Kontakt und hoffen Interviews, Q&As, Blick in die Spiele und hinter die Kulissen von Lookout und noch viele andere Sachen anzubieten. Natürlich werden wir in diesem Programm, das noch bekannt gegeben wird, sobald wir mit der Planung soweit zufrieden sind, auch Vorstellungen der Neuheiten und Aktionen zu diesen einplanen, so dass die Spielerinnen und Spieler sich auch dort über diese informieren können.

Und wenn das Ganze doch ins Wasser fällt, weil wir uns übernommen haben (immerhin dauert es bis zur SPIEL.digital nicht mehr lange), dann stellen wir zumindest die vorab produzierten Videos zur Verfügung und geniesen eben die freie Woche in einer Zeit, in der wir sonst nie frei haben. ;-)

Für Patchwork gibt es einen Solo-Modus und Hallertau ist auch alleine spielbar. Was hältst du von Solo-Spielen und wird das in Zukunft als Trend bleiben?

Ganz persönlich mag ich Solo-Spiele vor allem dann, wenn sie eher in die Knobel-Richtung gehen und dabei eine Geschichte erzählen. Reine Punktejagden holen mich da nicht ganz so ab. Aber das ist reine Geschmackssache und das stellen wir schon seit Jahren fest.

Solo-Modi sind in Lookout Spielen keine Neuheit und schon z.B. Agricola von 2007 hatte einen. Entsprechend bin ich auch davon überzeugt, dass es diesen „Trend“ schon immer gab und auch immer geben wird. Das er im Moment eine Art „Hoch“ hat freut mich da einfach nur noch mehr.

Und warum auch nicht? Alleine spielen mag auf den ersten Blick unattraktiver wirken, als mit Freunden an einem Tisch zu sitzen, aber es kann auch etwas ungemein spannendes und gleichzeitig beruhigendes haben das Problem, vor das mich das Spiel stellt, ganz alleine mit mir auszumachen. Und von dem Vorteil bei der Terminsuche für das nächste Spiel möchte ich hier gar nicht erst sprechen… ;-)

Danke für das Interview