Ich habe gerade Der Unterhändler vorbestellt und werde das Gleiche auch mit Dawn of the Zeds machen. Beide Brettspiele erscheinen im Verlag Frosted Games.

Anlässlich dieser Neuigkeiten habe ich die Chance genutzt und mit Verlags-Inhaber Matthias ein Interview geführt. Darin geht es um die Entstehung des Verlags, Risiken, kommende Brettspiele und vieles mehr.

Viel Spaß.

Hallo Matthias. Wie bist du zu Brettspielen gekommen und was findest du daran toll?

Gute Frage. Vielleicht habe ich es vermisst zu spielen? Meine Eltern haben keine Spiele mit mir gespielt, aber ich mochte die Herausforderung, als ich älter wurde. Ich spielte in jungen Jahren Das Schwarze Auge und Brettspiele waren halt auch in den Rollenspielläden zu haben.

Ich schätze an Brettspielen sehr viel. Ich finde es hervorragend, dass Spiele zu jeder Stimmung passen. Ich will Party machen, dann spiele ich ein Partyspiel oder Kommunikationsspiel. Ich will entspannen, dann spiele ich einfache Kartenspiele oder Absacker. Ich will eine Herausforderung, dann spiele ich ein anspruchsvolles Strategiespiel. Ich will was als Gruppe erleben oder erfahren, dann spiele ich ein kooperatives Spiel.

Die Möglichkeiten sind endlos und es gibt für jede Stimmung das richtige gute Spiel.

Wie ist Frosted Games entstanden und wie hat es sich seitdem entwickelt?

Frosted Games ist entstanden, weil ich diese verrückte Idee eines Adventskalenders hatte und das unabhängig von den anderen Verlagen rausbringen wollte. Wenn man was macht, dann muss man sich auch um den ganzen Unterbau kümmern, damit das klappt.

Eigentlich sollte das auch der Schwerpunkt des Verlages sein und ich arbeite daneben weiterhin als Freelancer für viele Verlage. Inzwischen hat sich das aber geändert. Vom Adventskalender kann man schlecht leben, vor allem, wenn ein Teil der Einnahmen als Spenden wieder abfließen.

Dazu kommt das ich mich ungern langweile. Wenn ich keine Arbeit habe, mache ich mir welche und habe angefangen auch Spiele zu lokalisieren und rauszubringen. Gerade weil es mich traurig stimmt, dass bestimmte Highlights in Deutschland nicht kommen. Natürlich verstehe ich die großen Verlage, warum sie es nicht machen, aber ich als kleiner Verlag kann mit kleinen Mengen arbeiten und in der Richtung meine Erfolge haben.

Was ist das Besondere an Frosted Games gegenüber dem Wettbewerber?

Der Adventskalender. Eigentlich ist es schwer über Wettbewerber zu reden, denn ich sehe das meist nicht als “die oder ich”. Ich denke gerade im Brettspielbereich sind wir sehr familiär. Viele Redakteure arbeiten zusammen, sei es auf Seminaren oder auf anderen Treffen, und helfen sich gegenseitig bei Prototypen.

Ich finde es daher toll, dass ich meine Freude über diese Arbeit in einem Adventskalender ausdrücken kann. Dass ich für die anderen Verlage Werbung machen kann, die auch alle einen tollen Job machen. Und ich habe nicht das Gefühl, dass andere Verlage das viel anders sehen.

Ansonsten versuche ich einen Schwerpunkt im Verlag auf Spiele für eine feste Spielerzahl zu legen. Viele Verlage machen gerne Spiele für eine breite Menge an Spielerzahlen, was sehr viel Sinn macht mit einem Blick auf den Markt. Aber es gibt einfach so viele tolle Spiele, die nur alleine, zu zweit oder zu dritt gespielt werden können. Oder Krimispiele für die man am besten gleich zu acht ist. Da bin ich zur Stelle.

Was ist dein bisher erfolgreichstes Brettspiel und woran liegt das deiner Meinung nach?

Frosted Games FRG00010 13 Tage-Die Kubakrise 1962, BrettspielWERBUNG

Ein Blick auf meine Zahlen sagt mir, es ist 13 Tage – Die Kubakrise 1962.

Ich kann nur raten, ich würde sagen es hat einen Nerv getroffen, für die Zahl der wachsenden Mengen an Spielern, die sich sowas auf Deutsch gewünscht haben, aber es sich vor 10 Jahren für die Verlage noch nicht gelohnt hat.

Nun sieht es anders aus. Zumindest für die Menge, die ich bediene. Ich bin sehr glücklich hier schon eine zweite Auflage drucken zu können. Mit einem Blick auf die Zukunft wird aber Reykholt eine deutlich größere Auflage erreichen. Da werde ich Uwe wohl lange für Dankbar sein. Sein Name ist einfach ein Garant. Die grandiose Illustration von Lukas Siegmon haben definitiv auch geholfen.

In diesem Jahr gibt es gefühlt eine starke Steigerung des Outputs in deinem Verlag? Was ist der Grund dafür und wie viel Arbeit ist das?

Der Kampf gegen die Langweile und das Unvermögen Nein zu sagen. Ich glaube damit lässt sich das gut zusammenfassen.

Ich habe Lunte gerochen und nun bin ich begierig zu schauen, was ich alles schaffen kann. Aber ich merke auch, dass es vielleicht etwas viel Arbeit wird. Vor allem die Herzensangelegenheiten, die kurzfristig mit auf den Tisch kommen, welche ich mir aber schon lange gewünscht habe, wie Dawn of the Zeds. Da muss dann auch Hilfe her. Um so cooler, wenn man daran wächst.

Wie schwer ist es generell als Einzelkämpfer bzw. Kleinverlag in dieser Branche? Wie groß ist das Risiko?

Es ist deutlich schwerer, als man glauben mag. Es gibt eine kleine Gruppe an Leuten, die mich kennen und mich an allen Stellen supporten. Aber es gibt so viele da draußen, die mich nicht kennen, oder selbst wenn die mich kennen, nicht mitbekommen was ich mache. Ich merke täglich, dass es schwer ist die Aufmerksamkeit zu bekommen. Und da bin ich nicht alleine. Es geht ja allen Verlagen so. Selbst etablierte Verlage müssen in der Menge rudern und kämpfen.

Und das Risiko ist sehr groß. Ich versuche alles dafür zu planen nicht baden zu gehen, das Risiko zu verteilen, aber es kann halt passieren, dass wenn es richtig schiefläuft, ich mit einem ordentlichen Batzen Minus auf dem Konto dastehe. Aber was nützt es das Risiko zu bejammern. Wer nicht wagt der nicht gewinnt, daher schaue ich lieber positiv in die Zukunft und hoffe den Nerv der Zeit zu treffen und meine Nische zu besetzen.

Was hältst du von Kickstarter und Co.? Wäre das ein Weg für dich Brettspiele zu veröffentlichen?

Ich wünschte mir es würde gehen, aber die Wahrheit ist, dass man soviel Arbeit in einen Kickstarter stecken muss, vor, während und nach der Kampagne, dass ich in der Zeit zwei andere Spiele fertigbekomme. Es haut einfach Zeit- und Ressourcenmäßig nicht hin.

Daher nehme ich davon Abstand und mache lieber reguläre Vorbestellungen auf meiner Seite. Denn mehr ist es oft nicht. Vorbestellungen für Spiele. Aber so kann ich besser kalkulieren, denn ich muss nicht einer anderen Seite noch 10% von den Einnahmen abgeben.

Und wenn es wirklich mal nicht feststehen sollte, dann würde ich eher ein P500 machen. Also eine Absichtserklärungsvorbestellung. Und wenn sich 500 finden, dann würde ich das Spiel machen und nicht vorher.

Ich habe mir gerade “Der Unterhändler” vorbestellt. Wie findest du neue Brettspiele für deinen Verlag?

Die Frage ist, wie sortiere ich Spiele aus, die man mir anträgt.

Bei Der Unterhändler war es so, dass ich selber auf das Spiel gewartet und mich total darauf gefreut hatte. Dann kam die Absage von Asmodee, woraufhin ich am selben Tag in der Redaktion anrief und fragte, ob ich es dann machen könnte. Sie vermittelten mich an den Lizenzgeber und ich wurde schnell mit ihm einig.

Bei manchen Spielen habe ich sie gespielt und dachte mir, cool das will ich auf Deutsch haben, und wenn es kein anderer macht, dann halt ich. Wie bei Trick ‘n Trouble.

Aber es gibt auch Autoren, die zu mir kommen und mir Spiele zeigen. Dann macht es manchmal klick. Das ist kein Hexenwerk. In der Beziehung arbeite ich nicht anders, als andere Verlage.

Welche sonstigen Neuerscheinungen haben wir in 2018 von Frosted Games noch zu erwarten?

Kurz überlegen. Hochverrat, Paper Tales und 13 Minuten sind schon raus, genauso wie der zweite Druck von 13 Tage und die englische Version von Ausgespielt.

Im Juli kommt Eiserner Vorhang und Trick ‘n Trouble.

Zu Essen dann der Adventskalender 2018, die DSP Box 2018, der neue Wandkalender, Reykholt als große Neuheit, Der Unterhändler und Vetternkrieg, die deutsche Version von Cousins’ War.

Kurz nach Essen sollten dann auch noch die ersten 4 Erweiterungspacks für Der Unterhändler kommen. Fürs nächste Jahr ist dann schon einiges bekannt, wie Dawn of the Zeds, Revolution of 1828 und Cooper Island, aber das ist noch nicht alles.

Natürlich muss ich dich auch nochmal auf den Podcast Bretterwisser ansprechen. Wie kam es dazu und wie schaffst du den auch noch?

Ich bin ein Podcast Fan. Ich hatte 2010 angefangen aus Langweile zu bloggen und hatte mir selber als Disziplin aufgelegt, ein Jahr lang jeden Tag einen Post zu schreiben. Ich habe über 1.100 Tage durchgehalten.

In der Zeit hatte ich mit dem Guido Heinecke, damals noch von Tric Trac, ein Podcast Projekt angefangen, welches aber leider wieder einschlief (Café Brettgeflüster – ist sogar noch online zum nachhören). Als ich mit Arne und Rene dann zwei Interessierte fand, die ebenfalls Bock auf sowas hatten, habe wir einfach mal gemacht. Und mit Bretterwisser können wir halt nicht mehr aufhören.

Wie gesagt, es zu schaffen ist oft nicht das Problem. Bevor man Langweile hat, macht man halt noch sowas. Und wenn man dann drin ist, ist es auch nicht schwer noch einen weiteren Podcast mit Ben zu machen (So you wanna go to Germany …).

Zum Schluss würde mich interessieren, was deine aktuellen Lieblings-Brettspiele sind?

Schlauer Junge. 10 Fragen ankündigen und dann mit einer 11. Frage überraschen. Hast gut bei Harald Schmidt gelernt. Aber das ist echt schwer zu beantworten.

Ich habe bei den Bretterwissern gerade eine Top 100 abgeschlossen. Wenn eins von den Spielen auf dem Tisch landet, bin ich immer dabei.

Danke für das Interview und viel Erfolg mit Frosted Games