Sniper Elite: The Board Game – Umsetzung, Besonderheiten & Tipps

Die Brettspiel-Umsetzung des erfolgreichen Computerspiels Sniper Elite sieht spannend aus und ich konnte mit den beiden Designern ausführlich darüber sprechen, wie das Spiel Sniper Elite: The Board Game entstanden ist.

Dabei geht es unter anderem darum, wie man das Gefühl eines Videospiels in ein Brettspiel überträgt und wo da die größten Herausforderungen liegen. Viel Spaß.

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Sniper Elite: The Board Game – Interview

David Thompson ist ein erfahrener Brettspiel-Designer, der einige tolle Spiele veröffentlicht hat. Dagegen hat Roger Tankersley vorher noch nichts veröffentlicht.

Zusammen haben die beiden an der Computerspiel-Umsetzung Sniper Elite: The Board Game gearbeitet und geben im folgenden Interview interessante Einblicke in die Entstehung.

Ich selber habe schon einige Teile von Sniper Elite gespielt und konnte auch schon den neuen 5. Teil ausprobieren. Deshalb freue ich mich sehr auf die Brettspiel-Umsetzung.

Bitte stellt euch kurz vor.

Roger: Ich bin Roger Tankersley, ein langjähriger Brettspieler, der jetzt das Glück hat, meine erstes Design zu veröffentlichen. Ich lebe in den Vereinigten Staaten und arbeite als Geograph, der schwierige Probleme mit Karten löst. Außerhalb der Arbeit und der Brettspiele bin ich ein begeisterter Vogelbeobachter und ein Pfadfinderführer.

David: Hallo, ich bin David Thompson. Ich habe 2012 angefangen Brettspiele zu spielen und fast sofort damit angefangen, eigene zu entwickelt. Sniper Elite ist mein 18. veröffentlichter Titel. Wenn ich nicht gerade Spiele designe, arbeite ich als Beamter in den USA und verbringe Zeit mit meiner Familie.

Wie seid ihr zum Brettspiel-Hobby gekommen?

Roger: Ich spiele Spiele, solange ich denken kann – angefangen damit, dass mein Vater mir Schach beibrachte, als ich 8 Jahre alt war, über Rollenspiele bis hin zu Hobby-Brettspielen. Ich bin in den 1980er Jahren aufgewachsen und Videospiele haben Spaß gemacht, aber sie waren nicht so fesselnd wie heute. Brettspiele und Rollenspiele haben mich wirklich in ihren Bann gezogen.

David: Ich habe mit Rollenspielen angefangen, als ich etwa 10 Jahre alt war. Ich habe mich bis Mitte 20 intensiv mit diesem Hobby beschäftigt, bis ich eine Familie gründete. Ich hatte das Gefühl, dass ich zu viel Zeit damit verbrachte meine eigenen Abenteuer in Rollenspielen zu entwerfen, also habe ich das Brettspiel-Hobby als Alternative gefunden. Ich hatte keine Ahnung, dass mich dieses Hobby so sehr in seinen Bann ziehen würde!

Was waren die ersten Brettspiele, die ihr gespielt habt und was fasziniert euch an diesem Hobby?

Roger: Die ersten Spiele, die mich wirklich gefesselt haben, waren in den 1980er Jahren die Lost Worlds-Reihe, in der es um den Kampf zwischen verschiedenen Charakteren ging, darunter Ninjas, Zauberer und Drachen. Die Vorstellung, dass ein Thema oder eine Erfahrung durch eine interaktive Geschichte erzählt werden kann, bei der ich Entscheidungen treffen kann, die sich auf das Ergebnis auswirken, hat mich fasziniert. Und die Darstellung dieser Handlung mit Hilfe von Illustrationen und einfachen Regeln.

Dann hat mich der unglaubliche Spieleboom der letzten 10 bis 15 Jahre immer weiter in das Hobby hineingezogen, und jetzt bin ich von bunten Schachteln umgeben, von denen jede eine einzigartige Sicht auf eine andere Welt enthält.

David: Wie ich bereits erwähnt habe, bin ich erst mit Ende 20 richtig in das Brettspiel-Hobby eingestiegen, aber ich habe schon früh einige Brettspiele gespielt, die mich geprägt haben. Als Kind habe ich gerne Abenteuerspiele wie HeroQuest gespielt (ähnlich wie meine Liebe zu Dungeons & Dragons). Ich habe auch viel Blood Bowl gespielt – das Skirmish-Fantasy-Football-Spiel von Games Workshop.

Das erste moderne Hobby-Brettspiel, das ich gespielt habe, war X-Wing von Fantasy Flight Games. Im Laufe der Jahre habe ich mich immer weniger für thematische Spiele interessiert, sondern mehr für historische Spiele mit Eurogame-Einflüssen.

Wie kam es dazu, dass ihr damit angefangen habt Brettspiele zu entwickeln? Was macht euch dabei besonders viel Spaß und was nicht?

Roger: Ich lernte David kennen, als wir beide in Großbritannien lebten, und wir spielten viele Spiele zusammen – so viele, dass er mich bat, ihm beim Testen einiger seiner Prototypen zu helfen. Ich war wirklich fasziniert von der Entwicklung und dem Designprozess.

Also hat David mich gebeten, ihm bei Sniper Elite zu helfen, und da sind wir nun! Ich mag es sehr, Thema und Mechanik miteinander zu verbinden und nach der perfekten Balance zwischen Regeln und Spielerinteraktion zu suchen. Wenn dieses Gleichgewicht stimmt, ist es wirklich cool zu sehen, wie die Regeln in den Hintergrund treten und die Spieler das Spiel einfach spielen.

Wenn ich mir einen Teil aussuchen müsste, der mir nicht so viel Spaß macht, dann ist es die Phase des Designs, in der man es fast geschafft hat, aber man muss sich wirklich mit der Mathematik und den Grenzfällen beschäftigen, um sicherzustellen, dass man alles berücksichtigt hat. Das ist absolut entscheidend, macht aber vielleicht weniger Spaß, als die Themenfindung und die ersten Konzepte!

David: Wie bereits erwähnt, bin ich mit Rollenspielen aufgewachsen, und ich war immer der Spielleiter. Anstatt vorgefertigte Abenteuer zu verwenden, habe ich immer meine eigenen erstellt. Ich habe Stunden damit verbracht eine Welt aufzubauen und Abenteuer zu entwerfen. Das war ein großartiges kreatives Ventil.

Als ich anfing Brettspiele zu spielen, nutzte ich das Spieldesign in ähnlicher Weise als kreatives Ventil. Es ermöglicht mir, mich auf eine kreative Weise auszudrücken, die ich mit anderen teilen kann.

Der beste Teil des Spieldesigns ist die Interaktion mit anderen – mit Designpartnern, Entwicklern/Redakteuren, Künstlern und Spieletestern und schließlich mit der Spielergemeinschaft.

Der Teil, den ich nicht so sehr genieße, ist, wenn ich dabei bin ein Spiel zu entwickeln und es einfach nicht das gewisse Etwas hat, das mich dazu bringt zurückzukommen und das Spiel zu beenden.

Mit Sniper Elite: The Board Game habt ihr eine spannende Brettspiel-Umsetzung eines Computerspieles veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Roger: David hatte in der Vergangenheit mit Duncan Molloy zusammengearbeitet und sie sprachen darüber, das erste Spiel für Rebellion Unplugged zu entwerfen. Duncan wusste, dass David die Herausforderung meistern konnte Thema und Gameplay so zu vereinen, dass es das Videospiel widerspiegelt. Und es war ein 2. Weltkriegs-Thema – etwas, das David in vielen seiner Spiele behandelt hat.

Sniper Elite ist von Natur aus ein Spiel mit versteckten Bewegungen, was mich besonders gereizt hat – Spiele mit Hidden Movement gehören zu meinen Favoriten.

Wir haben also ein paar Runden Sniper Elite 4 im Koop gespielt und schnell gemerkt: „Oh ja, das wird ein großartiges Hidden Movement Spiel.“

Sniper Elite: The Board Game

(Rebellion Unplugged)
Als Scharfschütze im 2. Weltkrieg versucht ein Spieler Ziele zu erfüllen, während die anderen versuchen das zu verhindern.
Autoren: Roger Tankersley, David Thompson (I)
Grafiker: Jose David Lanza Cebrian, Edouard Grould, Ed Savage
1 - 4
Spieler
ab 16
Jahren
40 - 70
Minuten
8 von 10
BGG Bewertung
Pos. 2738
auf BGG
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2022

Wie funktioniert Sniper Elite: The Board Game? Was sind die wichtigsten Mechaniken?

Roger Im Kern ist es ein klassisches Hidden Movement Brettspiel – one vs. many, wobei der Scharfschütze versteckt agiert und versucht Ziele zu erreichen, bevor er von den Verteidigern eliminiert wird.

Einer der Hauptunterschiede ist, dass der Scharfschütze viel aktiver ist, wenn es darum geht die Verteidiger auszuschalten: Der Scharfschütze schleicht nicht nur, er kann auch in die Offensive gehen.

Uns gefällt sehr gut, wie die Schuss-Mechanik die Spannung eines langen Scharfschützenschusses einfängt, der den Weg zu einem Ziel freimacht, aber auch die Verteidiger alarmieren kann.

Eine weitere wichtige Mechanik ist in das Spielbrett selbst eingebaut. Wir wollten unterschiedliche Schuss-Schwierigkeiten simulieren, ohne einen Haufen Regeln über Entfernungen und Geländetypen hinzuzufügen. Deshalb haben wir die Felder benutzt, um diese Variation in das Spielbrett einzubauen – große Felder stellen offene Bereiche dar, durch die man sich leicht bewegen und schießen kann. Kleine Felder stellen Bereiche dar, in denen die Bewegung eingeschränkt ist und Schüsse schwierig sind.

Für die Verteidiger haben wir Rollen mit unterschiedlichen Fähigkeiten geschaffen, die ihnen dabei helfen, Informationen über den Aufenthaltsort des Scharfschützen herauszufinden, ihn in die Enge zu treiben und hoffentlich auszuschalten. Die Fähigkeit der Verteidiger Bewegungskorridore zu blockieren, hat einen großen Einfluss darauf, wie sich der Scharfschütze bewegt und ob er schießen wird.

Was macht Sniper Elite: The Board Game besonders?

Roger: David und ich sind uns einig, dass das Schlüsselelement eines Hidden Movement Brettspiels darin besteht, dass beide Seiten glauben: „Ich kann das unmöglich gewinnen.“

Solche Spiele sind großartig, um Spannung zu erzeugen, besonders gegen Ende eines Spiels, wenn die Möglichkeiten und der Platz auf dem Spielbrett begrenzt sind.

Wir wollten die Spieler gleich zu Beginn des Spiels in diese angespannten Situationen versetzen, damit die Verteidiger sofort wissen, wo sich der Scharfschütze aufhält, und auch dem Scharfschützen sofort die Möglichkeit geben, entscheidende Aktionen zu unternehmen. Wir sind sehr zufrieden damit, wie wir das erreicht haben!

Was waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung des Computerspiels als Brettspiel?

Roger: Sniper Elite ist ein First-Person-Stealth-Action Computersspiel, das den Spieler wirklich in die Rolle eines Scharfschützen im Zweiten Weltkrieg eintauchen lässt, und es ist schwer, diese First-Person-Immersion auf ein Brettspiel zu übertragen.

Also haben wir einen Blick auf das Spiel geworfen und uns gefragt: „Was ist der Kernelement des Spiels, das auf einem Spielbrett dargestellt werden kann?“

Wir kamen zu dem Schluss, dass der Haupt-Aspekt von Sniper Elite die Fähigkeit ist, sowohl im Stealth-, als auch im Action-Modus effektiv zu sein – sich manchmal zu verstecken und sich zu anderen Zeiten aus einer brenzligen Situation herauszuschießen. Wir glauben, dass die Spieler genau das spüren, wenn sie uns sagen, dass wir das Gefühl des Videospiels wirklich gut eingefangen haben.

Wie viel Wiederspielreiz ist enthalten? Wie viele unterschiedliche Missionen gibt es?

Roger: Das Kernspiel von Sniper Elite besteht aus zwei Spielbrettern mit jeweils neun Zielen. Der Scharfschütze muss zwei Ziele pro Spiel erfüllen, die zufällig ausgewählt werden, es gibt also eine Menge Kombinationen.

Die Spielbretter sind auch sehr unterschiedlich – eine ist sehr lokal und innerhalb einer einzigen Basis, die andere ist eine weitläufige Landschaft. In Kombination mit den Ausrüstungskarten der Scharfschützen gibt es viele Möglichkeiten die Ziele zu erreichen!

Für die Verteidiger gibt es verschiedene Rollen, die die Spieler übernehmen können – vom Sanitäter über den Hundeführer, bis hin zum gegnerischen Scharfschützen – und diese Rollen können von Spiel zu Spiel unterschiedlich kombiniert werden.

Eine der wichtigsten Herausforderungen des Spiels besteht darin, wie die Verteidiger die wahrscheinlichsten Ziele herausfinden können, ohne zu viel vom restlichen Spielfeld unbedeckt zu lassen. Dieses Rätsel wird uns nie langweilig!

Es gibt auch einen Solomodus von Dávid Turczi und Noralie Lubbers, der dem Spiel eine wirklich einzigartige Note verleiht. Es gibt also all diese Variabilität im Basisspiel, und dann kann man die Erweiterung Eagle’s Nest hinzufügen, die zwei weitere Spielbrett-Karten, vier weitere Scharfschützen und zusätzliche Ausrüstungskarten enthält.

Sniper Elite: Eagle's Nest

(Rebellion Unplugged)
Die Erweiterung bringt neue Spielpläne, weitere Scharfschützen und zusätzliche Ausrüstung mit.
Autoren: Roger Tankersley, David Thompson (I)
Grafiker: Jose David Lanza Cebrian, Edouard Grould, Ed Savage
Erweiterung zu: Sniper Elite: The Board Game
1 - 4
Spieler
ab 16
Jahren
40 - 70
Minuten
8.1 von 10
BGG Bewertung
-
auf BGG
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2022

Was sind Tipps für die erste Partie Sniper Elite: The Board Game. Wie kommt man da am besten rein?

Roger: Als Scharfschütze sollte man dem Drang widerstehen, zum ersten Ziel zu eilen. Verbringt einige Zeit damit, die Verteidiger zu verwirren, gib einige Schüsse ab, um ihren Verdacht auf bestimmte Teile des Spielfelds zu lenken, und mach dann deinen Zug.

Scheue dich nicht, deine Ausrüstungskarten zu benutzen! Es ist ein schlechtes Gefühl das Spiel zu verlieren und festzustellen, dass man eine zusätzliche Schalldämpfer-Karte hatte.

Überlege dir als Verteidiger den besten Weg, um das Spielfeld abzuriegeln. Und dann keine Panik! Wenn der Scharfschütze anfängt zu schießen und du Informationen erhältst, widerstehe dem Drang alle Verteidiger zu diesem Teil des Spielfelds zu hetzen. Zu viel Engagement kann zu einer Katastrophe führen, wenn du versuchst an anderen Stellen des Spielfelds wieder in Position zu kommen.

Und genau wie beim Scharfschützen mit seinen Ausrüstungskarten solltest du dich nicht scheuen, deine Fähigkeiten schon früh im Spiel einzusetzen. Sie bis zum Ende zu behalten, könnte dich den Sieg kosten.

Zum Schluss würde mich interessieren, was derzeit deine Lieblingsspiele sind.

Roger: Brian Boru gefällt mir sehr gut – es ist eine tolle Abwandlung eines Gebietskontrollspiels und ich bin überrascht, dass auch weniger erfahrene Spieler sehr wettbewerbsfähig sein können.

Außerdem habe ich vor kurzem 51st State entdeckt und spiele es mit meinem Sohn im Teenageralter mit viel Spaß. Und zwei Spiele, auf die ich immer wieder zurückkomme, sind Dune: Imperium und Die Quacksalber von Quedlinburg. Das sind einfach großartige Spiele, die ein völlig anderes Spielerlebnis bieten.

Ehrlich gesagt ist es immer schwer Favoriten zu bestimmen, und meine Sammlung wächst ständig. :-)

David: Ich habe generell ein paar verschiedene Kategorien von Spielen, die ich sehr mag. Eine davon sind Teamspiele, wobei mein Lieblingsspiel wahrscheinlich 1754: Conquest (Academy Games) ist.

Ich mag auch kurze spannende Kartenspiele wie 13 Days (Jolly Roger Games). Ebenso mag ich leichtere Block Wargames wie French and Indian War 1757 – 1759 (Worthington) und Santa Cruz 1979 (Bellica Third Generation). Aber mein Lieblingsspiel wird immer El Grande sein!

Danke für das Interview

2 Kommentare

  1. Lutz

    Tach! Danke für das interessante Interview! WEiß man ob das Spiel auch in deutsch veröffentlicht wird? Bzw. ich habe irgendwo gelesen, dass es für Kickstarter deutsche regeln gibt, aber kommt man da ran, wenn man zb. die englische Version kauft ?_?. Spiel interessiert mich total, mag die Videospiele auch sehr ^^. Aber Regeln lernen auf englisch ist so garnicht meins…

    • Peer

      Wüsste ich derzeit nicht, dass da eine deutsche Version geplant ist,

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