Stefan Dorra ist vielen Spielern sicher als Autor spannender Brettspiele bekannt, aber heute geht es um eine App, die er entwickelt hat. Tama heißt das Spiel und im Interview geht es unter anderem um die Entstehungen dieses digitalen Brettspiels.

Wie die Entwicklung ablief, was er für die Zukunft der Brettspiele erwartet und was seine aktuellen Lieblingsspiele sind, erfahrt ihr im Folgenden.

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Hallo Stefan, bitte stell dich kurz vor.

Ich wohne mit meiner Familie in der Nähe von Hannover und arbeite als Sprachtherapeut an einer Förderschule mit körperbehinderten Schülern und Schülerinnen.

Ich spiele leidenschaftlich gern, insbesondere Brettspiele aus dem Kennerspielbereich und ich habe ein besonderes Faible für Kartenstichspiele.

Daneben lese, reise und fotografiere ich sehr gern und spiele Badminton.

Wie bist du zu Brettspielen gekommen und was war das erste Brettspiel, dass du gespielt hast?

Ich bin ja nun schon ein bisschen älter. Die ersten Spiele in meiner Jugend waren beispielsweise Risiko, Stratego und Hase und Igel. Später kamen Spiele, wie Morgenland, Dampfross und Drunter & Drüber dazu.

Wann und warum hast du damit begonnen eigene Brettspiele zu entwickeln?

Ich habe irgendwann angefangen vorhandene Brettspiele mit eigenen Materialien und neuen Regeln zu erweitern. Diese Varianten kamen im Freundeskreis gut an und ermutigten mich, auch mal etwas ganz Neues zu entwickeln.

Wie kommst du auf Ideen für neue Brettspiele und wie läuft die Umsetzung dann im Großen und Ganzen ab?

Das ist sehr unterschiedlich. Meist suche ich nach neuen reizvollen Spielmechanismen. Sobald mich solch eine neue Spielidee fasziniert, überlege ich mit welchem Thema ich diese idealerweise verbinden könnte. Aus dem gewählten Thema entstehen dann zwangsläufig neue Spielregeln.

Was waren bisher deine größten Erfolge als Brettspiel-Entwickler?

W. Eric Martin (CC3.0)

Die Spiele Eselsbrücke (gemeinsam mit Ralf zur Linde), Seeräuber, Linie 1 und Razzia wurden zum Spiel des Jahres nominiert.

Das Spiel Land in Sicht wurde 2009 zum Kinderspiel des Jahres nominiert. Und Baluba (gemeinsam mit Manfred Reindl) wurde in Norwegen sogar zum Kinderspiel 2018 gewählt. In Deutschland gibt es das Spiel als Dschungelbande derzeit bei Kosmos.

Nach verkaufter Stückzahl sind meine Kartenspiele For Sale, Wizard extreme und Land unter am erfolgreichsten.

Mit Tama hast du nun eine Brettspiel-App veröffentlicht. Was muss man machen und wie funktioniert es?

Tama von Stefan Dorra – Interview über digitale Brettspiele und mehrBei Tama handelt sich um ein Brettspiel für 2 Personen, das mich schon jahrelang beschäftigt. Der Spielplan besteht aus 121 quadratischen Feldern (11×11). Der Spieler, der mit seinen Steinen die meisten Felder besetzt, gewinnt das Spiel.

Es gibt nur 2 Spielzüge. Kommt ein Spieler zum Zug, so kann er entweder einen eigenen Stein auf ein beliebiges freies Feld setzen oder er weitet sein Gebiet aus. Dazu bestimmt er eine Richtung (oben, unten, rechts oder links) und darf dann auf jedes freie Feld, das an sein eigenes Gebiet angrenzt, einen eigenen Stein setzen. Bei diesem Zug werden somit gleich mehrere Spielsteine eingesetzt.

Obwohl die Regeln sehr einfach klingen, ist das Spiel nicht so einfach zu gewinnen. Es gibt verschiedene Elemente (Blocker, Lava, Feuerball, Flut) die es zu entdecken und geschickt einzusetzen gilt.

Wie kam es dazu, dass du eine App auf den Markt gebracht hast? Wie aufwändig war die Entwicklung?

Tama von Stefan Dorra – Interview über digitale Brettspiele und mehrIch habe das Brettspiel zunächst mehreren Redakteuren vorgestellt, die die Spielidee durchaus sehr reizvoll fanden. In ihren Testspielen kam es aber manchmal vor, dass bei dem Zug Ausbreiten das ein oder andere Feld vergessen wurde. Das Handling erschien zu umständlich. Da lag es nahe, das Spiel als App zu entwickeln. Dann können sich die Spieler auf ihre Spielzüge konzentrieren und der Computer übernimmt das Platzieren der Steine beim Ausweiten und das Zählen der Punkte.

Die Programmierung der App hat mein jüngster Sohn Laurin übernommen. Es war wirklich sehr arbeits- und zeitaufwändig, insbesondere die Programmierung der 50 Levelspiele. Wenn er das vorher gewusst hätte, hätte er die Arbeit vielleicht gar nicht erst begonnen. ;-)

Bei Tama gibt es 3 verschiedene Spielmodi. Man kann an einem Gerät gegen einen Freund spielen. Man kann per Internet weltweit gegen Freunde spielen. Und man kann im Levelmodus allein gegen den PC spielen. Es gibt 50 Levelspiele. Sobald das erste Level gewonnen ist, wird das nächste Level freigeschaltet.

Diese Levelspiele sind das Kernelement von Tama. Die größte Schwierigkeit bestand darin, dem PC beizubringen in jedem Level halbwegs gut zu spielen, damit ein Spieler auch eine gewisse Herausforderung empfindet, gegen den Computer zu gewinnen. Ich glaube, dass das ganz gut gelungen ist. Bei manchem Level habe ich selbst mehrere Anläufe benötigt, bevor ich das Spiel gewonnen habe.

Für wen ist Tama das Richtige? Wer sollte sich die App anschauen?

Tama eignet sich für Spieler, die gern schnelle strategische Zwei-Personen-Spiele spielen und für solche, die gern allein gegen den PC spielen. Eine Partie dauert nur 2 Minuten. Und wenn sie verloren geht, sollte man Spaß daran haben, es noch einmal mit einer etwas anderen Startaufstellung zu versuchen.

Dadurch, dass alle Spieler in den Levelspielen gegen denselben PC spielen, eignen sich die Levelspiele auch für ein Rankingsystem. Es gibt 18 Stärkegrade, 9 Anfängergrade und 9 Meistergrade. Hat ein Spieler alle 50 Level gewonnen, kann er versuchen die Spiele noch etwas höher zu gewinnen, um im Ranking weiter aufzusteigen. Das Spiel eignet sich somit auch für alle Spieler, die immer schon mal einen 9. Dan erreichen wollten. ;-)

Wie siehst du die Zukunft bzgl. analogen und digitalen Brettspielen?

Es wird sicherlich weitere neue Brettspiele mit interaktiven digitalen Strukturen geben. Ich selbst spiele am liebsten analog und brauche beim Spielen keine digitalen Helfer.

Eine Spiele-App, wie Tama, ist für mich eher ein Zeitvertreib, beispielsweise auf einer Zugfahrt. Einen Spieleabend kann und soll solch eine App auch sicherlich nicht ersetzen.

Für die Zukunft des Karten- und Brettspiels bin ich sehr optimistisch gestimmt. Gemeinsames Spielen mit Freunden an einem Tisch fördert den Zusammenhalt. Es ist immer wieder reizvoll, ein neues Spiel zu entdecken und gemeinsam zu erleben.

Zum Schluss würde mich interessieren, was deine aktuellen 3 Lieblings-Brettspiele sind.

In letzter Zeit kamen am häufigsten Great Western Trail, Auf den Spuren von Marco Polo und Clans of Caledonia auf den Spieltisch.

Danke für das Interview