Mit Tungaru ist gerade ein Brettspiel-Crowdfunding von Louis und Stefan Malz auf Kickstarter am Start. Das Vater/Sohn Duo hat bereits ein paar sehr interessante Brettspiele entwickelt.

In meinem Interview mit Stefan geht es natürlich um Tungaru, ein Worker Placement und Set Collection Brettspiel. Es sieht wunderschön aus, bietet aber auch sehr interessante Mechaniken.

Zudem spreche ich mir ihm über ihre Zusammenarbeit, bisherige Erfolge und mehr.

Viel Spaß.

Wie seid ihr zum Brettspiel-Hobby gekommen?

Ich habe schon zu Schulzeiten viel gespielt, vor allem die Klassiker wie Skat, Monopoly, Risiko, Stratego und Schach. Während des Studiums war es dann meistens Doppelkopf, was allerdings bald zum Erliegen kam.

Als mein Sohn Louis dann groß genug war, haben wir viele Spiele mit ihm gespielt, wobei wir schnell gemerkt haben, dass er problemlos auch Spiele mitspielen konnte, deren Altersempfehlung weit über seinem Alter lag. Seitdem spielen wir regelmäßig als Familie, aber auch in größeren Spielerunden und auf Spielewochenenden in der Region.

Seit 2009 organisieren wir außerdem gemeinsamen mit anderen Spielesüchtigen die Veranstaltung Braunschweig spielt! und weitere Aktionen.

Was waren eure ersten Brettspiele und was fasziniert euch daran?

Das erste Brettspiel, an das ich mich erinnern kann, war Mensch ärgere Dicht nicht. Es war Pflicht bei allen Familientreffen.

Wirklich begeistern konnten mich diese ganzen Klassiker aber nicht, sie waren reiner Zeitvertreib. Und damit kommen wir zur nächsten Frage:

Warum habt ihr begonnen Brettspiele zu entwickeln?

Weil alle Spiele, die wir kannten, aus unserer Sicht “schlecht” im Sinne von unvollkommen, zu glückslastig oder zu banal waren. Ich hatte schon als Jugendlicher eigene Varianten von Spielen erdacht, um diese subjektiven Fehler auszumerzen.

Als dann auch Louis soweit war, ergab es sich fast von selbst, dass wir wieder anfingen, Spiele “verbessern” zu wollen. Und als wir dann in den Sommerferien 2008 einen Anfall von Langeweile hatten, haben wir einfach mal begonnen, ein komplett eigenes Spiele zu entwickeln.

Wie kommt ihr auf Ideen für neue Brettspiele und wie läuft die Umsetzung dann im Großen und Ganzen ab?

Wie die Grundideen zu Spielen zu uns kommen, kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. Sie sind irgendwann einfach da, manchmal träume ich sogar davon. Eine solche Grundidee besteht meist aus irgendwelchen Mechanismen und einem dazu passenden Setting.

Das wird dann nach und nach im Geiste verfeinert, was durchaus einige Wochen dauern kann, und dann am Computer als erster Prototyp erstellt. Der geht dann in den Test und wird anschließend meist noch einige Male komplett umgemodelt.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit bei euch vorstellen?

Normalerweise ist es so, dass ich mit der Grundidee komme und diese dann mit Louis diskutiere. Er analysiert das ganze eher abstrakt und mathematisch, während ich mich eher um das Spielgefühl und die passende Umsetzung in grafischer und thematischer Hinsicht kümmere. Daraus entstehen sehr lebhafte Diskussionen, die zu anfangs unerwarteten Wendungen führen.

Was war bisher euer größter Brettspiel-Erfolg?

RokokoWERBUNG

Unser größer Brettspielerfolg dürfte Rokoko sein, welches wir zusammen mit Matthias Cramer entwickelt haben. Es wurde zur Wahl zum Kennerspiel des Jahres 2014 nominiert und hat sich über viele Jahre gut verkauft.

Nachdem der Verlag trotz großer Nachfrage leider keine Neuauflage mehr drucken wollte, haben wir den Vertrag gekündigt und bereiten gerade mit Eagle-Gryphon Games eine komplett überarbeitete und veredelte Fassung unter dem Titel Rococo Deluxe vor, die im kommenden Jahr erscheinen soll.

Valparaíso gefällt mir sehr gut. Wie ist das Spiel entstanden und wie ist es angekommen?

ValparaísoWERBUNG

Valparaíso ist ein Paradebeispiel für eine Idee, die mir im Schlaf kam. Bis auf zwei Elemente, die im Laufe der Entwicklung herausgenommen wurden, weil sie das Spiel zu lang und zu zufällig gemacht hätten, ist es mechanisch genau so geblieben wie in der Anfangsidee.

Es war von vornherein klar, dass es in einer Hafenstadt spielt, Handel im Hinterland und Handel per Schiff enthalten sollte. Auch die Planungsphase mit den Karten war anfangs schon vorhanden.

Während das Spiel bei vielen Verlagen sehr gut angekommen ist (wir hatten mehrere Zusagen), läuft der Verkauf leider etwas schleppend. Vielen Spielern ist der Grad an Interaktion wohl etwas zu hoch, man kann einfach nicht aneinander vorbeispielen.

Auf Kickstarter ist gerade euer neues Spiel Tungaru. Warum geht es darin?

Tungaru - KickstarterIn Tungaru spielt jeder einen Stamm in der Südseeinselgruppe Tungaru (heutzutage als Gilbert-Inseln bekannt), der mit dem Boot zwischen des Inseln hin- und herreist, um die eigene Kultur zu verbreiten und neue Stammesmitglieder anzuwerben.

Tungaru

(Alley Cat Games)
Hier geht es um die Kolonisierung des Tungaru Archipels durch die Polynesier. Mittels Dice Placement und Ressourcen Umwandlung bauen wir Hütten, kultivieren das Land, handeln und mehr. Area Control, Worker Placement und Engine Building sind hier ebenfalls mit von der Partie. Die Autoren sind Louis und Stefan Malz.
Autoren: Louis Malz, Stefan Malz
2 - 5
Spieler
ab 14
Jahren
45 - 90
Minuten
7.2 von 10
BGG Bewertung
-
BGG Ranking
Das sieht sehr interessant aus und die Mechaniken gefallen mir. Zudem ist der Preis okay und eine deutsche Version gibt es auch. Ich bin dabei.
Kickstarter beendet
Ziel: 9.500 £


 
5

(Like)
2020

Welche Mechaniken erwarten uns in dem Spiel und wie anspruchsvoll ist es?

Es handelt sich im wesentlichen um ein Würfeleinsatzspiel mit einer Rollenwahl zu Beginn jeder Runde. Vom Anspruch her ist es ähnlich wie unsere anderen Spielen, also ungefähr eine 3 auf der BGG-Skala.

Wie immer haben wir versucht, mit wenigen, einfach zu verstehenden Aktionsmöglichkeiten und überschaubarem Spielmaterial ein möglichst vielfältiges Spiel zu schaffen.

Was ist das Besondere an Tungaru? Warum sollte man beim Kickstarter mitmachen?

Für mich ist das Besondere an Tungaru das durch und durch positive Spielgefühl. Obwohl fast alle Aktionen die Mitspieler beeinflussen, hat man selten das Gefühl, dass jemand einem böswillig etwas wegnimmt oder blockiert.

Natürlich gibt es Spieler, die lieber ein Hauen und Stechen haben, aber hier wird friedlich miteinander umgegangen – was das Spiel nicht weniger spannend macht. Außerdem ist es uns bei Tungaru gelungen, die benötigte Zeit für den Spielaufbau extrem kurz zu halten. Eine Minute genügt!

Warum seid ihr mit Tungaru überhaupt auf Kickstarter gegangen?

Ursprünglich sollte Tungaru bei einem klassischen deutschen Verlag erscheinen, der es allerdings zwei Jahre hat herumliegen lassen, weil er mehrfach aufgekauft wurde und jedes Mal mit der Umstrukturierung genug zu tun hatte.

Irgendwann war es uns dann zu blöd und wir haben einen anderen Verlag gesucht. Eher zufällig hat sich ein Kontakt mit Caezar von Alley Cat Games ergeben, dem das Spiel auf Anhieb gut gefallen hat. Es war von Anfang an klar, dass sie das Spiel über Kickstarter vermarkten würden, womit sie schon viel Erfahrung hatten.

Nach nur zwei Wochen war der Vertrag unterzeichnet. Über mehrere Monaten wurde das Spiel dann im Dialog mit Alley Cat Games detailliert analysiert, optimiert und um einige wirklich schöne Elemente erweitert.

Was sind deine aktuellen Lieblingsspiele?

Falls die Frage lautet: “Welches Spiel spielst du derzeit am häufigsten?”, dann ist die Antwort: Terraforming Mars mit Venus Next. Das haben wir in den letzten 2 Jahren bestimmt schon 300 Mal gespielt. Trotzdem finde ich das Spiel noch bei weitem nicht perfekt, ich würde vieles daran ändern wollen.

Ist die Frage eher: “Welches Spiel würdest du derzeit am liebsten spielen?”, dann ist die Antwort: Snowdonia, Nippon, Troyes, Great Western Trail, Strasbourg – und natürlich unsere eigenen, denn die sind genau so, wie wir uns gute Spiele wünschen!

Danke für das Interview

Mehr Infos zu Louis und Stefan Malz gibt es auf deren Homepage.