Queen Games ist ein Verlag, der sich bei Spielern schon lange einen Namen gemacht hat. Highlights wie Kingdom Builder oder Der Palast von Alhambra haben Preise gewonnen und aktuell bekommt Luxor sehr viel Lob.

Das war eine gute Gelegenheit mit Ulrich Fonrobert von Queen Games ein Interview zu führen. Darin geht es unter anderem um die Anfänge des Verlages, woher neue Brettspiel-Ideen kommen und auf welche Neuheiten wir uns in nächster Zeit freuen dürfen.

Viel Spaß.

Hallo Ulrich. Bitte stell dich meinen Lesern vor.

Hallo, ich heiße Ulrich Fonrobert, bin 51 Jahre alt und im Hauptberuf Pressestabsoffizier im Kommando Streitkräftebasis in Bonn im Dienstgrad Oberstleutnant. Nebenbei schlägt mein Herz für den Heavy Metal und Borussia Mönchengladbach.

Dieses Interview führen wir aber, weil ich mein ganz großes Hobby zu meinem „Zweitberuf“ machen konnte, in dem ich seit rund 10 Jahren für und bei Queen Games in Troisdorf mitarbeite.

Ich habe 2007 als „Spielerklärer“ auf der Messe in Essen angefangen und bin über den Bereich eines „Game Scout“ mittlerweile zum Product Manager „aufgestiegen“. An mir muss ein Spieleautor also quasi vorbei, wenn er oder sie bei Queen Games ein Spiel platzieren möchte.

Wie bist du zu Brettspielen gekommen und was findest du daran toll?

Wir haben bei uns in der Familie schon immer gespielt. Mein Vater hat mir schon zu Grundschulzeiten Skat, Doppelkopf und Schach beigebracht. Es gab zuhause Stratego, Flottenmanöver, Malefiz und ganz viel Rommé. Zudem seit 1979 eigentlich immer das jeweilige Spiel des Jahres.

Später haben wir im Freundeskreis auch Verlies und ähnliches gespielt. Zu Beginn der Bundeswehrzeit kamen noch Das Schwarze Auge oder D&D dazu.

Beginnend mit Catan ab Mitte der 90er wurde es bei mir immer mehr und intensiver mit dem Hobby „Spiel“. Zunächst in Kiel (u.a. mit Michael Rieneck und Stefan Stadler) und später in Bonn (u.a. mit Christwart Conrad) habe ich regelmäßig an Spieleabenden und –runden teilgenommen, Spielewochenenden besucht oder auch an Spielemeisterschaften teilgenommen. Der erste Messebesuch in Essen war dann 1996 (und seitdem jedes Jahr).

Am Spielen mag ich das Zusammensitzen, die Kommunikation und das taktische/strategische Denken, aber auch natürlich den Wettstreit untereinander. Ich ziehe einen Spieleabend fast jeder anderen Freizeitbeschäftigung vor.

Ganz aktuell erstmal Glückwunsch zur Spiel des Jahres Nominierung von Luxor. Was bedeutet das für Queen Games?

Vielen Dank für die Glückwünsche. Für Queen Games als Kleinverlag mit nur einer Handvoll Mitarbeitern bedeutet eine solche Nominierung eine Menge. Zum einen ist es Bestätigung für die viele Arbeit, die wir in jedes Spiel stecken, denn ein Prototyp benötigt sehr viel Arbeit und Pflege, bis er als fertiges Spiel das Licht der Welt erblicken kann.

Wir müssen u.a. evaluieren, testen, entwickeln, Regeln schreiben, Grafiken erstellen lassen, produzieren usw.. Ein Redakteur ist hier das wichtigste Glied in einer Kette hin zum fertigen Spiel.

Zum anderen erzeugt ein solcher Preis und die Nominierung dafür eine Menge Aufmerksamkeit (und Arbeit) für einen Verlag. Nicht zuletzt bringt die Auszeichnung eines Spiels für einen Verlag aber natürlich auch Planungssicherheit aufgrund der höheren Verkaufszahlen und längeren Verweildauer im Katalog.

Wie ist Queen Games entstanden und was war der erste große Erfolg des Verlags?

Queen Games ist vor nunmehr fast 30 Jahren von Rajive Gupta als „Queen Carroms“ gegründet worden. Wie der Name schon sagt, hat Queen Carroms zunächst die Spielbretter des in Indien sehr populären Carrom-Spiels nach Deutschland importiert und verkauft. Etwas später kam dann unsere Brettspiel-Sparte hinzu.

Die ersten Erfolge neben den Carrom-Brettern waren sicherlich die Spiele rund um die Saga Der Herr der Ringe sowie dann die Dirk Henn-Spiele von Stimmt So! über Showmanager und Metro bis hin zum Der Palast von Alhambra als „Spiel des Jahres 2003“.

Was ist bis heute das erfolgreichstes Brettspiel von Queen Games?

Der Palast von Alhambra. Spiel des Jahres 2003. Für 2-6 Spieler ab 8 Jahren.WERBUNG
Unser erfolgreichstes Brettspiel ist sicherlich das eben schon erwähnte Der Palast von Alhambra.

Dieses Spiel kann man ohne Untertreibung bereits als einen modernen Klassiker bezeichnen, der in den letzten 15 Jahren ohne Unterbrechung ein Verkaufsschlager war und ist. Das Spiel hat ja nicht ohne Grund 6 Erweiterungen, je ein Karten- und Würfelspiel, sowie zahlreiche „Spin-Offs“ hervorgebracht.

Im nächsten Jahr kommt, als vorläufiger Höhepunkt, die in diesem Jahr zum 15-jährigen Jubiläum entwickelte „Alhambra Designers` Edition“ heraus, bei der uns 9 namhafte Autoren mit der Entwicklung von Modulen unterstützt haben. Zudem kommt diese „MegaBox“ in neuem Design und Artwork heraus. Ein tolles Projekt für ein herausragendes Spiel.

Der Brettspiel-Markt hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Wie siehst du die Entwicklung?

Aus meiner Sicht ist der „Brettspiel-Markt“ viel schnelllebiger geworden. Ein durchschnittlich-gutes Spiel übersteht ja nicht mal mehr ein Jahr, bevor es „Out-of-Print“ ist oder in die „Ramsch-Ecke“ gedrängt wird. Auch ich komme mit dem Spielen der vielen neuen Spiele nicht mehr nach, bevor schon die nächste Welle über uns herüberschwappt. Ein etwas älteres bekanntes gutes Spiel auf den Tisch zu bringen, erfordert manchmal schon sehr viel Überredungskunst in unseren Spielerunden.

Hinzu kommt die immer bessere Qualität in der Grafik und der Ausstattung der einzelnen Spiele. Alles sieht klasse aus und hat jede Menge Material dabei. Leider kommt die Spielregel da immer mal wieder nicht mit, hier sehe ich die größten (zeitlichen) Probleme bei den Verlagen. Eine gute Regel braucht eine Redaktion und die braucht Zeit zur Bearbeitung. Schade für so manches schöne Spiel.

Wir bei Queen Games versuchen daher immer, die Regel mit der größtmöglichen Sorgfalt zu behandeln. Dabei geht es um die Regeln zum Spiel an sich, deren Übersichtlichkeit und die grammatikalische Korrektheit (ein Steckenpferd von mir ;)). Wir haben ein schon seit Jahren bewährtes Regelkonzept, das durch die Farbgebung und die längsseitige Trennung von Erklärung und Bildbeispielen Standards gesetzt hat und noch setzt.

Wie siehst du die starke Steigerung der Anzahl veröffentlichter Brettspiele jedes Jahr?

Queen Games bringt jährlich rund 6 – 8 Brettspiele auf den Markt, wenn man die Kinderspiele und Erweiterungen mitrechnet. Wenn wir nur die „normalen großen Brettspielen“ zählen, sind wir bei rund 5-6 Spielen.

Ich bin der Ansicht, dass jeder Kunde weiterhin (leider) nur ein begrenztes Budget zur Verfügung hat, dass er für sein Hobby „Spiel“ ausgeben kann. Daher werden zwar mehr unterschiedliche Spiele verkauft, aber dann häufig in geringerer Stückzahl. Viele kleinere Verlage haben sich auch deswegen ja schon als sogenannte „Studios“ unter die Fittiche eines großen Partners begeben und den Vertrieb in andere Hände gelegt.

Queen Games „lebt“ nahezu ausschließlich von Brettspielen, die wir in für uns ausreichender Stückzahl an unsere Kunden verkaufen wollen. Insofern ist die Anzahl an Neuerscheinungen neben der Freude daran wieder etwas Neues geschaffen zu haben, auch eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit und bedingt, dass wir im Frühjahr und im Herbst mit Neuheiten auf den Markt kommen.

Von Alhambra bis Luxor – Die Geschichte von Queen Games und mehr im Interview

Seit kurzer Zeit ist Queen Games auch auf Kickstarter aktiv? Wieso und was sind deine Erfahrungen?

Die Historie von Queen Games auf Kickstarter ist ja so kurz auch wieder nicht. Wir sind seit mehr als 6 Jahren und mit fast 50 eigenen Projekten dabei. Die Zahlen an sich zeigen schon, dass Queen Games die Plattform gerne nutzt, um den Brettspiel-Freunden rund um den Globus die Möglichkeit zu geben, frühzeitig an unsere Neuheiten zu kommen bzw. Neuauflagen bekannter Spiele zu erhalten. Nicht jeder kann die Spielemessen in Europa und den USA besuchen, um die Neuerscheinungen gleich dort zu kaufen.

Kickstarter ist daher für uns eine tolle Möglichkeit, die Fans von Queen Games-Spielen und allgemein alle Brettspieler mit unseren Spielen zu versorgen, aber es ist auch harte Arbeit. Dafür sind viele Vorbereitungen zu treffen, Termine zu bestimmen, Übersetzungen zu erstellen, es ist vor, während und nach der Kampagne Kommunikation zu betreiben und die „Backer“ sind auf aktuellem Stand zu halten.

Wenn das Projekt erfolgreich gewesen ist, geht die Arbeit im Verlag noch weiter bzw. erst richtig los. Dabei machten wir „so unsere Erfahrungen“, sowohl positiv als auch negativ. Wir haben aber, so denke ich, aus unseren Fehlern gelernt, uns so manches Horn abgestoßen und sind aus meiner Sicht immer besser geworden.

Wie findet ihr neue Brettspiel-Ideen bzw. wie werdet ihr auf neue Autoren aufmerksam?

Das ist durchaus unterschiedlich. Häufig treffen wir uns während der großen Spielemessen in Essen, Nürnberg oder Indianapolis mit Autoren, die uns um Termine bitten. So sind in den letzten Jahren Spiele wie Escape, Armageddon, Risky Adventure, Glüx oder World Monuments entstanden.

Bei den etablierten Autoren wie Rüdiger Dorn, Emanuele Ornella, Dirk Henn oder Stefan Feld gibt es noch andere Wege. Sie bieten uns schon mal was an oder wir fragen selbst nach Neuem. So kam es unter anderem zu Pioneers, Luxor, Amerigo, High Tide oder Merlin.

Queen Games 60592 - FrescoWERBUNG
Daneben schaue ich mir Prototypen bei Autorenseminaren an (Fresko, Urbanization), finde Spieleperlen auf kleineren Spieletagen (Lancaster, Mammut), als im Ausland veröffentlichte Spiele (Kairo, Mighty Monsters) oder sie werden uns zugesandt (Kingdom Builder, Edo).

Grundsätzlich sind wir für neue Autoren immer offen, freuen uns über frische Ideen und andere Ansätze. Aber leider können wir auch nur rund 5-6 Spiele pro Jahr umsetzen.

Wie läuft die Umsetzung eines neuen Brettspiels von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt ab?

Ob ein Spiel etwas für Queen Games ist bzw. sein könnte, weiß ich beim Spielen nach maximal 30 Minuten. Dann muss der Funke übergesprungen sein, die Neuartigkeit einer Idee verstanden oder das Spiel selbst mich und uns begeistert haben. Es hat den bei mir sogenannten „Recall“ erreicht, die erste Hürde übersprungen und wird weiter getestet.

Anschließend beginnt aber für uns im Verlag die eigentliche Arbeit. Zielgruppe, Thema, Spieldauer, Mechaniken, Material… Alles das müssen wir beachten, bevor es irgendwann in der näheren oder ferneren Zukunft erscheinen könnte.

Die Zeitspanne der Entwicklung vom Einreichen eines Prototyps bis hin zum fertigen Spiel reicht von 6 Monaten bis hin zu mehreren Jahren. Fresko, Armageddon, Escape oder Luxor haben uns sofort überzeugt und wir haben mit diesem Spiel einen unserer „Slots“ gleich für das folgende Jahr besetzt.

Andere Spiele, wie Glüx, Merlin oder Pioneers brauchten zum Teil wesentlich länger, weil etwas bei der Entwicklung des Spiels noch hakte oder die Zeit einfach „noch nicht reif“ war.

Im Normalfall nehmen wir uns mindestens 12 Monate Zeit vom Kennenlernen eines Prototyps bis hin zum fertigen Produkt. Schließlich gehören die Grafik, die Regel und die Produktion mit in diesen Herstellungsprozess.

Welche Neuerscheinungen haben wir in 2018 von Queen Games noch zu erwarten?

Wir haben für das zweite Halbjahr 2018 wieder sehr interessante Neuerscheinungen geplant. Zunächst wird Franchise von Christwart Conrad erscheinen, eine komplett überarbeitete Version seines Klassikers Pfeffersäcke einschließlich einiger unserer bekannten „Queenies“.

In Essen planen wir dazu ein leichtes Kennerspiel von Christoph Behre mit dem Titel Bastille und ein Familien-Legespiel eines japanischen Autorenpaars, Shun & Aya Taguchi, mit dem Namen Skylands.

Dazu wird es noch Expedition Luxor als eine Art „Spin Off“, sowie die erste Erweiterung unseres Erfolgsspiels Luxor geben, in der auch der Pharao eine Rolle spielen wird und sich gegen die bis zu 6 Mitspieler wehren möchte. Beides natürlich von Rüdiger Dorn.

Zum Schluss würde mich interessieren, was deine aktuellen Lieblings-Brettspiele sind.

Ich spiele derzeit neben den hauseigenen Spielen Bastille, Luxor und Merlin sehr gerne Terra Mystica, The Rise of Queensdale, Great Western Trail, Klong! oder auch Rajas of the Ganges.

Es sollte also schon etwas komplexer sein, um mich zu begeistern. ;)

Danke Ulrich für das interessante Interview