Seit kurzem ist der Verlag HeidelBär Games wieder selbstständig und schon gibt es interessante neue Brettspiel-Ankündigungen. Zudem wird man wieder mehr Brettspiel-Lokalisierungen machen, wofür der “alte” Heidelberger Spieleverlag ja mal bekannt geworden ist.

Ich habe mit Sabine Machaczek von HeidelBär Games ein Interview geführt, in dem es um die Vergangenheit und die Zukunft des Verlages geht. Dabei gibt es unter anderem interessante Infos zur kommenden SPIEL.

Viel Spaß.

Hallo Sabine. Bitte stell dich kurz vor.

Ich bin Sabine Machaczek und seit 2014 beim HeidelBär (erst beim Heidelberger Spieleverlag und mittlerweile bei HeidelBÄR Games).

Meine Aufgabe bei HeidelBÄR Games umfasst die Mitarbeit an Eigenentwicklungen, das Betreuen der Homepage und seit HeidelBÄR Games jetzt wieder Lokalisationen macht, bin ich offiziell Head of Localization.

Wie bist du zum Brettspiel-Hobby gekommen und was waren deine ersten Spiele?

Kinder- und Familienspiele habe ich immer schon gemocht und auch regelmäßig Kartenspiele mit meiner Großmutter gespielt, doch so richtig zum Hobby gefunden habe ich eigentlich erst während des Studiums.

Dort hatten wir eine Arkham Horror-Runde, die sich über ein Semester lang jeden Mittwochnachmittag getroffen hat. Und als dieser Freundeskreis dann erst einmal „warmgespielt“ war, war kein Spiel mehr vor uns sicher.

Wie und warum ist der Heidelberger Spieleverlag entstanden und seit wann veröffentlicht ihr Brettspiele?

1989 gründeten Harald Bilz und Peter Gutbrod den Heidelberger Spieleverlag, um ihre eigene Spielideen zu veröffentlichen. Firmensitz war damals tatsächlich Heidelberg. 1994 wurde der Verlag um einen Vertrieb und Großhandel für andere Kleinverlage erweitert. Mit Petra Becker war das Firmeninhaber-Trio dann schließlich komplett.

Ab 2001 begann der Heidelberger Spieleverlag dann erste Kooperationen mit internationalen Verlagen zur Lokalisation von Importspielen für Deutschland. Zum bekanntesten Partner Fantasy Flight Games kamen weitere namhafte Verlage wie Ares Games, Czech Games Edition, alea Spiele und über 40 weitere internationale Spiele-Publisher. Diese Entwicklung machte den Heidelberger Spieleverlag zu einem der europäischen Marktführer im Bereich Kennerspiel, Hobby, Sci-Fi und Fantasy. Der Fimensitz verlegte sich in dieser Zeit über mehrere Stationen immer weiter in Richtung Odenwald.

Anfang 2017 wurde der Heidelberger Spieleverlag dann Teil der Asmodee-Gruppe und verschmolz mit Asmodee Deutschland.

Da die Spielentwicklung der Asmodee-Gruppe in unabhängigen, international ausgerichteten Entwicklungsstudios erfolgt, wurde Ende 2017 in Miltenberg das Studio HeidelBÄR Games gegründet. Im Frühjahr 2019 machte sich Heiko Eller-Bilz dann mit HeidelBÄR Games selbstständig. Inzwischen arbeitet der Verlag neben den Eigenentwicklungen auch wieder an Lokalisationen internationaler Titel.

Und auch die Marke Heidelberger Spieleverlag wurde wieder ins Leben zurückgerufen: Johannes Kastner, ein ehemaliger leitender Angestellter des Heidelbärs, führt den Heidelberger Spieleverlag jetzt als Großhandel weiter. Es gibt jetzt also zwei eigenständige HeidelBÄR-Firmen, die jedoch eng zusammenarbeiten.

Seit kurzem geht ihr und Asmodee wieder getrennte Wege. Warum gibt es wieder einen eigenständigen HeidelBär Games Verlag?

Das gesamte Team von HeidelBÄR Games besteht aus ehemaligen Mitarbeitern des Heidelberger Spieleverlags. Dort waren alle durch kurze Wege miteinander, maximal eine oder zwei Türen entfernt, verbunden. Der Umgang miteinander war daher sehr direkt.

Innerhalb unseres Entwicklungsstudios war das natürlich auch zu Asmodee-Zeiten so, aber durch die räumliche Trennung zu den anderen Firmenstandorten war das abteilungsübergreifend so nicht möglich. Gerade weil wir diese direkte Kommunikation aber gewohnt waren und schätzten, wirkte sich dieser verzögerte Informationsfluss auf unsere Arbeit aus.

Wir sind ein Team aus ambitionierten Individualisten, die Dinge bewegen wollen. Das geht eben immer noch am besten, wenn man Sachen selbst in die Hand nimmt.

Was genau ist der Unterschied zwischen Heidelbär Games und dem Heidelberger Spieleverlag?

HeidelBÄR Games ist ein Verlag mit Sitz in Miltenberg. Hier werden Prototypen getestet, Spiele entwickelt, redaktionell bearbeitet und grafisch gestaltet. Auch das internationale Projekt- und Produktmanagement findet hier statt. Darüber hinaus machen wir unsere eigene Öffentlichkeitsarbeit.

Der Heidelberger Spieleverlag in seiner jetzigen Form ist ein Brettspiel-Großhandel mit Sitz in Elztal Dallau. Hier liegen die fertigen Spiele auf Lager, der Bestellvorgang wird (im Händlerwebshop) betreut und die Spiele werden an die Händler verschickt; natürlich die Spiele von HeidelBÄR Games, aber auch die anderer Verlage wie Ferti Games, Mebo oder Truant Spiele. Der Heidelberger Spieleverlag präsentiert sein Sortiment auf verschiedenen Fachmessen.

In einigen Bereichen gibt es natürlich Überschneidungen: Das Produktmangement, an das sich der Transport ins Heidelberger-Lager direkt anschließt, muss natürlich in enger Absprache geschehen. Auch Produktankündigungen müssen abgesprochen sein.

Und bei Events treten wir Bären oftmals gemeinsam auf.

Wie hat sich euer Spiele-Portfolio bis heute entwickelt und was waren eure erfolgreichsten Brettspiele?

Der Heidelberger Spieleverlag hatte ein über die Jahre gewachsenes Portfolio, das von Lokalisationen im Vierlspielersegment dominiert wurde. Der Longseller im Programm war Karriere Poker, das seit seinem Erscheinen 1989, immer wieder nachgedruckt wird. Ein anderer Dauerbrenner ist Erwischt!. Davon abgesehen sind natürlich die Spiele besonders hervorzuheben, die bei der Spiel des Jahres-Verleihung Preise errungen haben, wie GiftTrap, Space Alert oder zuletzt Codenames.

Jetzt als HeidelBÄR Games fangen wir quasi neu an. Von den alten Titeln haben wir nur wenige Eigenentwicklungen mitgenommen, aktuell lieferbar sind davon Karriere Poker und Der HeidelBÄR. Neu von HeidelBÄR Games ist VOLT, von dem jetzt bald die zweite Auflage eintrifft. (Die Rechte von TAGS sind bei Asmodee verblieben.) Zur SPIEL im Herbst kommen dann aber natürlich unsere Neuheiten sowie Neuheiten unserer Partnerverlage hinzu.

Volt

(HeidelBÄR Games)
In einer Roboter Kampfliga treten wir gegeneinander an. Per Programmierung steuern wir unseren Roboter.
Autor: Emerson Matsuuchi
Grafiker: Annika Brüning, Marina Fahrenbach, Steven Hamilton
2 - 4
Spieler
ab 10
Jahren
30 - 45
Minuten
7 von 10
BGG Bewertung
Pos. 4316
auf BGG
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2018

Wird es in Zukunft nur eigene Brettspiele von HeidelBär Games geben oder auch wieder Lokalisierungen?

Unser erster Partnerverlag für Lokalisierungen ist Horrible Games. Zur Spiel werden in deutscher Version The King`s Dilemma sowie Similo: Märchen und Similo: Geschichte erscheinen. Weitere kommenden Neuheiten werden wir als exklusiver deutscher Partner dann ebenfalls in deutscher Sprache umzusetzen.

Wir können uns durchaus vorstellen weitere internationale Partner in unser Portfolio aufzunehmen, aber da wir auch in Zukunft hauptsächlich Eigenentwicklungen machen wollen, sollen es nicht mehr als ein oder zwei werden.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Horribel Games und was ist da genau geplant?

Horrible Games war ein langjähriger und treuer Partner des Heidelberger Spieleverlags. Es war allen Beteiligten klar, dass der Verlag, sobald das wieder möglich ist, zum Bär zurückkehrt.

Wie sucht ihr neue Brettspiele für Heidelbär Games bzw. den Heidelberger Spieleverlag aus? Auf was achtet ihr dabei besonders?

Wir suchen Spiele, die sowohl Familien, als auch Erwachsene, Gelegenheits- und Vielspieler zugleich begeistern. Das können Geschicklichkeitsspiele, Kartenspiele, Partyspiele etc. sein, sie sollen aber natürlich das besondere Etwas haben.

Beim Testen achten wir erst einmal darauf, ob das Spiel uns Spaß macht, und dann vor allem darauf, ob es originell ist, in dem Sinne, dass es ein besonderes Element enthält, das es in dieser Variante oder Kombination so noch nicht gab.

Die SPIEL 2019 ist nicht mehr weit entfernt. Wird es dort Neuheiten von euch zu sehen geben?

Natürlich. Wir werden unsere Neuheit Wordsmith vorstellen und verkaufen sowie die erst noch kommenden Spiele Decipher sowie einen weiteren noch geheimen Titel vorab präsentieren.

Wordsmith

(HeidelBÄR Games)
Statt ganzer Buchstaben, haben wir nur Teile von Buchstaben zur Verfügung, um Wörter herauszufinden.
Autoren: Bill Eberle, Peter Olotka, Greg Olotka
Grafiker: Annika Brüning
1 - 4
Spieler
ab 10
Jahren
20 - 30
Minuten
6.1 von 10
BGG Bewertung
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(Like)
2019

Zum Schluss würde mich interessieren, welche deine aktuellen Lieblings-Brettspiele sind.

Mein All-Time-Favourite ist San Juan, in letzter Zeit spiele ich sehr gerne Decrypto und Arkham Horror Das Kartenspiel.

Danke für das Interview