Der Verlag Schmidt Spiele war lange Zeit für eher seichte Familienspiele bekannt, hat aber in letzter Zeit mit Titeln wie Die Quacksalber von Quedlinburg und Die Tavernen im Tiefen Thal für Aussehen unter den Vielspielern gesorgt.

Ich konnte ein kleines Interview mit Matthias Karl von Schmidt Spiele führen. Darin geht es um die Geschichte des Verlages, bisherige Erfolgstitel und die Zukunft.

Viel Spaß.

Bitte stellen Sie sich kurz meinen Lesern vor.

Ich heiße Matthias Karl, bin 36 Jahre alt, lebe in Berlin und arbeite seit 2012 bei Schmidt Spiele (schmidtspiele.de) als Product Manager im Bereich Familienspiele.

Wie sind Sie zum „Brettspiel-Hobby“ gekommen und was waren Ihre ersten Spiele und Spielerfahrungen?

Erste Berührungspunkte mit Spielen hatte ich mit Uno, Kniffel und Rommé.

Meine Leidenschaft für Brettspiele begann jedoch erst richtig mit 11 Jahren durch einen Fantasy-Spieleladen in meiner Heimatstadt, der Spiele wie Hero Quest und Claymore Saga im Schaufenster ausgestellt und damit mein Interesse geweckt hatte.

Wie ist der Schmidt Spiele Verlag entstanden und seit wann veröffentlichen sie Brettspiele?

Den Grundstein für die Marke Schmidt Spiele und das Traditionsunternehmen legte 1907 Joseph Friedrich Schmidt mit der Erfindung des Brettspiels Mensch ärgere Dich nicht, das 1914 in Serie ging. Sein Sohn Franz Schmidt gründete kurze Zeit später selbst ein Unternehmen, ebenfalls unter dem Namen Schmidt Spiele.

Beide Unternehmen fusionierten im Jahr 1970 – daraus wurde der Schmidt Spiele Verlag. Das Sortiment bestand aus Kinder-, Familien- und Erwachsenenspielen sowie Puzzles.

1997 wurde Schmidt Spiele von der Good Time Holding GmbH mit Unternehmenssitz in Berlin übernommen. Der Verlag Schmidt Spiele gehört mittlerweile zu den bekanntesten deutschen Spieleherstellern. Er umfasst die Marken Schmidt Spiele® für Puzzles, Plüsch, Kinder-, Familien- und Erwachsenenspiele, Drei Magier®, die für anspruchsvolle Kinderspiele steht, sowie Selecta® im Bereich Holzspielzeug.

Was waren die ersten Brettspiele von Schmidt Spiele und wie kamen diese an?

Eines der populärsten und erfolgreichen Gesellschaftsspiele ist nach wie vor Mensch ärgere Dich nicht. Die erste Auflage betrug damals nur etwa 3.000 Exemplare.

Doch das Spiel entwickelte sich zu einem absoluten Renner – bis heute hat sich das Spiel mehr als 90 Millionen Mal verkauft.

Was ist der größte Brettspiel-Erfolg ihres Verlages? Wie kam es dazu und wie hat sich ihr Brettspiel-Programm bis heute entwickelt?

Das sind natürlich ohne Frage unsere beiden beliebten Klassiker Mensch ärgere Dich nicht und Kniffel sowie das Spiel bzw. Kennerspiel des Jahres Qwirkle und Die Quacksalber von Quedlinburg.

Mit „Die Quacksalber von Quedlinburg“ und „Die Tavernen im Tiefen Thal“ haben Sie anspruchsvollere Spiele ins Programm aufgenommen. Wie kam es dazu und wie wurden diese Spiele angenommen?

Von'Mensch ärgere Dich nicht' bis zu den Quacksalbern - Interview mit Schmidt SpieleWERBUNG

Als uns der Autor Wolfgang Warsch die Spiele vorgestellt hat, waren wir auf Anhieb begeistert. Die Spielideen waren etwas Besonderes und sind aus der Masse der Spielvorschläge herausgestochen.

Natürlich steckte in beiden Spiele noch viel redaktionelle Arbeit und Feintuning, ehe man sie auf den Markt bringen konnte. Aber die Zusammenarbeit mit Wolfang Warsch ist sehr angenehm.

Wird es in Zukunft mehr anspruchsvollere Brettspiele von Schmidt Spiele geben?

Ja, das ist geplant.

Wie kann man als neuer Brettspiel-Autor die Aufmerksamkeit des Schmidt Spiele Verlages erhalten? Welche Tipps können sie geben?

Häufig treffen wir Autoren auf den großen Spielemessen in Essen und Nürnberg oder auf Veranstaltungen, wie dem Autorentreffen in Göttingen. Dort präsentieren sie uns ihre Spiele. Wenn sie uns gefallen, gehen die Gespräche weiter und dann muss man schauen, ob sich das Spiel wirklich für den Markt eignet.

Der wichtigste Tipp lautet: Testen! Immer wieder testen. Leider kommt es aber auch häufig vor, dass man uns unausgegorene „Spiele“ anbietet. Wir freuen uns, wenn klar erkennbar ist, dass ein Spiel in vielen und möglichst unterschiedlichen Konstellationen spielbar ist. Und das lässt sich nur durch intensives Testen herausfinden.

Die SPIEL 2019 wirft ihre Schatten voraus. Welche interessanten Neuheiten für Familien- und Kennerspieler erwarten uns aus Ihrem Verlag?

Dazu kann ich jetzt noch nicht so viel verraten.

Was sind Ihre aktuellen Lieblings-Brettspiele?

Bei einer Runde Russian Railroads, Kingdom Builder, Love Letter oder Die Burgen von Burgund bin ich immer gerne dabei.

Danke für das Interview