Marvel Champions - Spiel des Monats MaiW. Eric Martin (CC3.0)

Auf die deutsche Version von Marvel Champions habe ich lange gewartet. Wie mir das LCG gefallen hat und warum es mein Spiel des Monats geworden ist, erfahrt ihr im heutigen Review.

Dabei gehe ich auf die Besonderheiten dieses Kartenspiels ein, wie es grundsätzlich funktioniert und liste Vorteile und Nachteile auf.

Zudem schildere ich natürlich meine persönlichen Erfahrungen mit Marvel Champions.

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Marvel Champions – Spiel des Monats

Bei Marvel Champions handelt es sich um ein Kartenspiel, bei dem regelmäßig neue Packs mit neuen Karten-Decks erscheinen. Das sogenannte LCG (Living Card Game) bringt also ständig Nachschub, aber zumindest weiß man genau, was man in den Erweiterungen bekommt und muss sich nicht ständig Booster-Packs kaufen, wie bei Magic: The Gathering.

Dennoch war ich zwiegespalten, denn mit LCGs bin ich in der Vergangenheit nicht so richtig warm geworden, aber auf die Marvel Helden und diesen Duell-Mechanismus, in dem man gegen Schurken aus dem Marvel-Universum antritt, habe ich mich sehr gefreut.

Als Spieler treten wir mit je einem Held (Black Panther, Iron Man, Spider Man, Captain Marvel und She-Hulk) und seinem Kartendeck gegen einen von 3 Schurken (in der Grundbox sind dabei Rhino, Klaw und Ultron) an. Dabei können wir sowohl das Deck der Helden stark anpassen, als auch das Deck der Schurken. Durch den modularen Aufbau gibt es hier viele Möglichkeiten, auch wenn es für den Anfang Deck-Empfehlungen gibt.

Marvel Champions - Das Kartenspiel

(Fantasy Flight Games)
Iron Man und Black Panther arbeiten zusammen, um Rhino zu stoppen. Auch Captain Marvel, She-Hulk und Spider Man sind in diesem kooperativen Kartenspiel dabei.
Autoren: Michael Boggs, Nate French, Caleb Grace
Grafiker:
1 - 4
Spieler
ab 14
Jahren
45 - 90
Minuten
8.2 von 10
BGG Bewertung
Pos. 37
auf BGG
Es ist einfach abwechslungsreich, immer wieder herausfordernd und dennoch relativ einfach spielbar.
zur Spiele-Offensive*

Das Spiel läuft dann so ab, dass alle Helden nacheinander dran sind und Karten ausspielen, Effekte bereits ausliegender Karten nutzen oder die Helden-Spezialfähigkeit einsetzen. Das Ausspielen von Karten aus der Hand wird dabei mit anderen eigenen Hand-Karten bezahlt, was ein ziemlich cooler Mechanismus ist, der schwere Entscheidungen erfordert, aber auch gut funktioniert, da man so keine Währung braucht.

Anschließend ist der Schurke dran, der entweder uns angreift oder seinen Plan vorantreibt. Zudem spielt er Karten aus, was Schergen sein können oder andere Effekte oder Verbesserungen.

Marvel Champions

So versucht man in Marvel Champions sich selbst zu schützen, Verbündete auszuspielen, Sonderfähigkeiten zu nutzen, die Pläne des Gegners zu durchkreuzen, die Schergen zu besiegen, dem Schurken Schaden zuzufügen und vieles mehr. Hat man am Ende die Pläne des Gegners verhindert und diesen besiegt, gewinnt man die Partie.

Warum ist Marvel Champions mein Spiel des Monats?

Es hat ein wenig gedauert, bis ich in Marvel Champions reingekommen bin. Der grundsätzliche Rundenablauf und die verfügbaren Aktionen sind zwar an sich einfach zu verstehen, aber die Karteneffekte sind sehr vielfältig und ich brauchte ein paar Partien, um alle Fragen zu klären. Immer wieder habe ich Begriffe im Referenzhandbuch nachgeschlagen und das eine oder andere mal auch auf BGG nach Antworten gesucht. Vielleicht fällt es anderen leichter, die schon häufiger LCGs gespielt haben. Für Einsteiger ist das aber schon eine Herausforderung.

Dann aber läuft es sehr rund und man kann sich auf die eigene Strategie und Vorgehensweise gegen den Schurken und dessen Schergen konzentrieren. Wobei hier natürlich auch viel Taktik dabei ist, denn wir müssen ja mit den vom Deck gezogenen Karten arbeiten und auch der Schurke tut natürlich immer wieder überraschende Dinge.

Viel Abwechslung

Die Helden spielen sich an sich schon sehr unterschiedlich, was echt Spaß macht. Dabei sind die Karteneffekte sehr thematisch und spiegeln den jeweiligen Helden und dessen Fähigkeiten und Verbündete sehr gut wieder. Echt gut finde ich dabei auch die mechanischen Ideen, die da bei einzelnen Helden immer wieder neu und anders sind und thematisch wirklich gut rüberkommen.

Die 5 verfügbaren Aspekt-Decks im Grundspiel verändern aber auch stark die eigene Spielweise, da die Ausrichtung der Karten ebenfalls sehr unterschiedlich sind. Das ist dann jedes mal eine Herausforderung, auf die man sich neu einstellen muss. Das macht aber auch den Reiz von Marvel Champions aus.

Marvel Champions

Erfahrungen sammeln

Nach und nach lernt man die Karten besser kennen und macht sich an den Deckbau vor dem Spiel. Das ist schon eine Art Spiel vor dem Spiel, denn es ist sehr reizvoll herauszufinden, wie andere Kombinationen funktionieren und wie man das eigene Deck auf den nächsten Gegner anpasst.

Denn auch die Gegner sind sehr unterschiedlich und durch die verschiedenen Begegnungsdecks wird das noch verstärkt. Zudem läuft nicht jede Partie, wie die andere. Es kommen unterschiedliche Karten zu verschiedenen Zeiten, was das eigene Vorgehen stark verändert. So muss man natürlich auf das reagieren, was der Schurke macht.

Marvel Champions bietet immer wieder andere Spielerfahrungen und selbst dasselbe Duell läuft immer wieder anders ab. Das sorgt für einen großen Wiederspielreiz. Wer allerdings nichts mit dem Deckbau vor dem Spiel zu tun haben will, für den ist die Abwechslung natürlich geringer. Der Deckbau gehört langfristig schon dazu.

Marvel Champions - Spider-Man

Schöne Umsetzung

Mechanisch gefällt mir außerdem der Wechsel des Helden zwischen Helden- und Alter Ego-Form sehr gut. Das bringt weitere knifflige Entscheidungen mit.

Bei der optischen Gestaltung kann man auch nicht meckern. Mir gefallen die Comic-Illustrationen jedenfalls sehr gut und tragen dazu bei, dass es sich wirklich wie ein Comic-Film-Fight anfühlt. Wer hier 1 zu 1 die Film-Optik erwartet, wird aber evtl. enttäuscht sein, denn die Charaktere sehen teilweise schon sehr anders aus.

Marvel Champions

Sehr gut finde zudem ich die Lebenspunktezähler, die sehr hochwertig sind, aber zumindest der große Schurken-Zähler ist etwas zu groß für die Box. Aber das geht schon.

Marvel Champions

Kritik

Nicht so schön ist, dass es keine Trenner in der Box gibt. Wenn schon so ein schickes Insert, warum nicht auch gleich ein paar Papp-Trenner für die Helden, Schurken und anderen Decks? Ich habe mir aber gleich mal diese Trenner auf dickem Papier ausgedruckt und ausgeschnitten. Nun ist alles übersichtlich sortiert.

Marvel Champions

Dennoch wäre es kein Problem gewesen das mit in die Box zu packen. Weitere Downloads von Fans findet man zum Beispiel hier.

Ein weiterer kleiner Nachteil ist, dass das Spiel mit 4 Personen am Tisch etwas lange dauert. Zwar kann man ggf. auch in den Zügen der anderen helfend eingreifen, aber es dauert doch recht lang, bis man wieder dran ist. Solo und zu zweit fand ich es am besten.

Was is euer liebstes LCG?

Ergebnis

Spiel des Monats – Checkliste

In der folgenden Checkliste gehe ich die wichtigsten Punkte durch.

EinstiegshürdeEs hängt sehr davon ab, ob man mit Fantasy Flight Games LCGs schon Erfahrungen hat. Wer keine Erfahrungen mit LCGs hat, der braucht schon eine Weile, um die Details zu verstehen und nichts zu vergessen. Dennoch ist man nach 2 Partien gut drin.
AnspruchDie Grundregeln sind recht einfach, aber alle Details der verschiedenen Decks kennenzulernen und diese optimal zu nutzen, dauert. Zudem können die Schurken echt schwer und herausfordernd werden.
BesonderheitenDer Deckbau vor dem Spiel wird mit der Zeit immer interessanter und wichtiger. Zudem funktioniert es solo einfach sehr gut.
QualitätDie Materialqualität der Karten ist okay, während die Illustrationen einfach top sind. Die Lebenspunktezähler und Marker sind ebenfalls hochwertig, während die fehlenden Kartentrenner einfach nur ärgerlich sind.
WiederspielwertDer Wiederspielwert ist hoch, denn selbst die selben Helden und Schurken spielen sich durch andere Aspekt- und Begegnungsdecks immer wieder anders.
SpielzeitZu viert dauert es mir zu lange, aber zu zweit und solo passt die Spieldauer sehr gut.

Fazit – Marvel Champions

Abenteuer Brettspiele EmpfehlungFür mich persönlich wurden die hohen Erwartungen an Marvel Champions voll erfüllt. Genau dieser Duell-Charakter des Spiels kommt mir sehr entgegen und ich kann immer mal wieder mit einem Helden (oder mehreren, wenn Mitspieler zur Hand sind), gegen einen Schurken antreten. Jede Partie läuft anders und immer wieder ist es wirklich knapp und man muss schon echt gut spielen (und etwas Glück haben), um zu gewinnen.

Durch die große Vielfalt beim Deckbau und die viele Kombinationen von Helden und Schurken kann man mit dem Marvel Champions Grundspiel schon viel Spaß haben. Wenn man dann doch etwas Neues braucht, dann gibt es schon jetzt einige Helden-Erweiterungen und neue Gegner. Weitere kleine und große Erweiterungen sind schon angekündigt.

Thematisch gesehen bekommen gerade Fans des Marvel Universums und jene, die bereit sind einzutauchen und sich mehr mit den Charakteren zu beschäftigen, ein noch ein tieferes Spielerlebnis.

Wer dagegen lieber eine durchgehende Story (in einer Kampagne) erlebt bzw. mit Superhelden nicht viel anfangen kann, der ist bei Arkham Horror – Das Kartenspiel sicher besser aufgehoben. Wobei auch für Marvel Champions bereits eine Kampagne angekündigt wurde und ich bin durchaus gespannt, was diese so mitbringen wird.

Was haltet ihr vom Marvel Universum und LCGs im allgemeinen? Ist Marvel Champions was für euch?

Was kommt da noch?

Mit dem Grundspiel von Marvel Champions kann man schon eine Menge Spaß haben, aber es wäre kein LCG, wenn da nicht eine Flut von kleine und größeren Erweiterungen kommen würde. Bereits erschienen sind die Helden-Erweiterungen für Ms. Marvel, Captain America, Black Widow und Hulk. Diese neuen Helden bringen nicht nur ein eigenes Deck mit neuen und thematischen Fähigkeiten mit, sondern auch Karten für die Basis- und Aspekt-Decks.

Mit Green Goblin und The Once and Future Kang sind zudem 2 Szenario-Packs erschienen, die neben den namensgebenden neuen Schurken auch neue Begegungskarten mitbringen.

Das sorgt natürlich nicht nur für neue Herausforderungen, sondern bietet auch für die „alten“ Helden und Schurken mehr Abwechslung. Schließlich kann man die neuen Karten auch mit diesen verwenden.

Bereist von Asmodee angekündigt wurden Quicksilver, Ant-Man, Doctor Strange, Scarlet Witch, Thor und Wasp, sowie das Szenario-Pack Wrecking Crew. Diese sollen alle noch in diesem Jahr erscheinen.

Ganz besonders freue ich mich auf die große The Rrise of Red Skull Erweiterung, die nicht nur den ikonischen Bösewicht (plus vier weitere Schurken) mitbringt, sondern auch Hawkeye und Spider-Woman als neue Helden und einen brandneuen Kampagnenmodus. Obwohl ich gerade diese einzelnen Duell, die man nach Lust und Laune spielen kann, gut finde, reizt es mich auch in einer Kampagne gegen verschiedene Schurken anzutreten und meinen Helden zu verbessern. Auch diese Box soll nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Alles in allem ist Marvel Champions sehr erfolgreich und in den USA gibt es bereits viele andere Erweiterungen, die hoffentlich auch nach Deutschland kommen. Natürlich kostet so ein LCG immer wieder Geld, wenn man wirklich alles haben will, aber das sind alle 1-2 Monate Beträge, die man sicher gut und gerne mal ausgeben kann. Ich bin jedenfalls zu einem großen Marvel Champions Fan geworden und werde hier im Blog in Zukunft immer mal wieder über das Spiel berichten.

Marvel Champions

9.1

Spielidee

9.0/10

Qualität

9.5/10

Zugänglichkeit

8.5/10

Spielspaß

10.0/10

Preis/Leistung

8.5/10

Vorteile

  • Sehr abwechlungsreich
  • Sehr gute thematische Umsetzung
  • Hoher Wiederspielreiz
  • Viel Spieltiefe
  • Sehr gut solo und zu zweit

Nachteile

  • Kartentrenner fehlen
  • Einstieg für LCG-Neulinge nicht ganz so einfach